Überraschender Besuch: Polizeioberkommissar David Ausbüttel (rechts) und Bürgermeister Klaus Schindling informieren die Hattersheimerin Ida Cravotta über Möglichkeiten zur Sicherung von Gebäuden.
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Überraschender Besuch: Polizeioberkommissar David Ausbüttel (rechts) und Bürgermeister Klaus Schindling informieren die Hattersheimerin Ida Cravotta über Möglichkeiten zur Sicherung von Gebäuden.

Prävention

Hattersheim: Viele gute Tipps zum Einbruchsschutz

Die Zahl der Taten geht zurück, dennoch ist der Schutz vor Einbrüchen weiterhin wichtig. Ein Polizeibeamter und der Rathauschef unternahmen deshalb einen Rundgang durchs Stadtgebiet.

Hattersheim -Einbrecher hatten es in den vergangenen Monaten nicht leicht. Dies lag an den Folgen der Corona-Krise. Denn ideale Bedingungen für Langfinger bestehen überall, wo sich die Kriminellen ungestört an Wohnungen zu schaffen machen können, deren Bewohner nicht zu Hause sind. Aufgrund der Pandemie waren jedoch viele Wohngebiete durchgehend belebt. Erwachsene arbeiteten im Homeoffice, während die Kinder zu Hause lernten statt in der Schule. Für Diebe gab es so kaum ungestörte Gelegenheiten. "Der Einbrecher möchte natürlich nicht gesehen werden", bestätigte Polizeihauptkommissar Sebastian Poppe den offensichtlichen Sachverhalt.

Die Folge: Die Einbruchszahlen seien im Frühjahr zurückgegangen, erklärte der Hauptkommissar. Vor allem März und April hätten sich als "schwierige" Monate für Einbrecher erwiesen. Dies lag nicht nur daran, dass viele Menschen zu Hause festsaßen und ein wachsames Auge auf die Nachbarschaft werfen konnten. Die weltweite Pandemie habe auch dazu geführt, dass Kriminelle aus Nachbarländern nicht nach Deutschland kamen, so Sebastian Poppe. Trotz dieser guten Voraussetzungen trafen sich Polizei und Ordnungsamt gestern für einen gemeinsamen Rundgang zur Einbruchsprävention in Hattersheim. Sie wollten die Einwohner auf Sicherheitslücken und Beratungsangebote hinweisen. Doch warum eigentlich?

Man müsse sich derzeit bloß mal die Ostseestrände anschauen, meint Hauptkommissar Poppe. "Die Leute verreisen wieder." Ein weiteres Risiko stellen aus Sicht der Polizei die steigenden Temperaturen während der Sommerferien dar. Polizeioberkommissar David Ausbüttel weist darauf hin, dass viele Menschen Fenster und Türen öffnen, um zu lüften. Teilweise würden auch Garagentore unbeobachtet offen stehen gelassen. "Oft haben die Leute massive Eingangstüren, aber in der Garage trennt die Einbrecher nur eine Holztür von der Wohnung", erläutert Ausbüttel eine Schwachstelle.

Die Polizeibeamten hatten in Hattersheim keinen speziellen Einbruchsschwerpunkt auf dem Schirm. Für ihren Rundgang mit Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) und Ordnungsamtsleiter Werner Schaffhauser wählten sie gestern die Wohngebiete im Südwesten der Kernstadt. Eine zweite Gruppe widmete sich dem Bereich in der Nähe des Freibads. Gleich beim ersten Haus mit gekippten Fenstern stoppte David Ausbüttel und betätigte die Klingel. Die Bewohnerin Ida Cravotta erklärte den Beamten, dass sie schon vor einigen Jahren eine Sicherheitstür einbauen ließ. Trotzdem nahm sie gerne ein Faltblatt mit Sicherheitshinweisen entgegen. Auch am nächsten Haus mit weit geöffneten Fenstern im Obergeschoss war jemand zu Hause. "Ich muss etwas durchlüften", erklärte eine Frau an der Haustür. Dann stieß die Gruppe der Ordnungshüter tatsächlich auf eine offen stehende Garage direkt am Gehweg. Der Hausbewohner, der den Beamten öffnete, zeigte sich einsichtig. Kommissar David Ausbüttel empfahl ihm, schnellstmöglich die Garage zu schließen. Dann wechselte erneut eine Broschüre den Besitzer. Einige Häuser weiter äußerte sich eine ältere Frau etwas verwundert. Sie habe gedacht, dass Einbrecher eher im Winter kommen, sagte die Seniorin. David Ausbüttel riet ihr, immer die Fenster zu schließen, wenn sie Einkäufe erledigt. Was dies angehe, sei sie bisher tatsächlich zu leichtsinnig gewesen, gab die Hattersheimerin zu. "Sie haben mich ein bisschen wachgerüttelt."

Wer sich kostenlos von der Polizei zu Einbruchsprävention und Sicherheit in der Nachbarschaft beraten lassen möchte, kann sich unter der Rufnummer (0 61 92) 2 07 92 31 an Oberkommissar Jürgen Seewald wenden. Oft werde dieses Angebot nach den Rundgängen der Polizei allerdings nicht nachgefragt, berichtete Seewald. "Viele Leute, die wir ansprechen, fühlen sich ertappt", vermutet der Polizist. sas

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