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Hattersheim. Von Null auf Hundert zur Hochschulreife

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Die erfolgreichen Abiturientinnen und Abiturienten der Heinrich-Böll-Schule stellten sich für das Abschlussfoto auf dem Schulhof auf. FOTO: kröner
Die erfolgreichen Abiturientinnen und Abiturienten der Heinrich-Böll-Schule stellten sich für das Abschlussfoto auf dem Schulhof auf. FOTO: kröner © Kröner, Sascha

Ein besonderer Abi-Jahrgang der Heinrich-Böll-Schule bekam die Abschlusszeugnisse überreicht

Hattersheim -Selten war ein Oberstufen-Jahrgang der Heinrich-Böll-Schule (HBS) so bunt zusammengewürfelt, wie die diesjährigen Abiturienten. Denn keiner der Schülerinnen und Schüler, die gestern ihre Zeugnisse entgegen nahmen, hatte zuvor den Gymnasialzweig der Hattersheimer Gesamtschule besucht.

Oberstufenleiterin Franziska Schmidt bezeichnete die 33 Schülerinnen und Schüler deshalb als "Null-Jahrgang". Die Kurse setzten sich aus Realschülern der Böll-Schule sowie aus Real- und Gymnasialschülern anderer Schulen zusammen. Junge Erwachsene, die sich zu Beginn ihrer Oberstufenzeit nicht kannten, wuchsen jedoch im Laufe der vergangenen drei Jahre zusammen und schafften es nun - quasi von Null auf Hundert - die Hochschulreife zu erringen.

Aus Sicht von Schulleiter Dietrich Heither erreichten die erfolgreichen Abiturienten noch eine zusätzliche Form der Reife: Während der Pandemie, die diesen Jahrgang am stärksten betroffen habe, seien die Schüler rücksichtsvoll gewesen und hätten sich gegenseitig geschützt, betonte der Pädagoge. Freiheit sei aus der Einsicht in die Notwendigkeit gewachsen. Im Gespräch mit dieser Zeitung bestätigte der Abiturient Jannick Weber, dass die Zeit des Online-Unterrichts schwierig gewesen sei. Es sei nicht immer leicht gefallen, dran zu bleiben, fand Weber, der die Abifeier zusammen mit Mitschülerin Luana Dale moderierte. Letztlich sei den Schülern jedoch gar kein anderer Weg geblieben, als sich durchzuquälen. Diese Anforderungen hätten zum persönlichen Wachstum beigetragen, so der junge Mann.

Oberstufenleiterin Franziska Schmidt erinnerte in ihrer Rede daran, dass es anfangs schwer gewesen sei, das richtige Maß an Online-Beschulung zu finden. Acht Stunden vor dem Monitor zu sitzen, sei eine Herausforderung gewesen - vor allem wenn dann auch noch Internet-Probleme hinzu kamen. "Es war für alle aufreibend, und wir werden es hoffentlich so bald nicht mehr erleben", erklärte die Lehrerin. Viele positive Erinnerungen hatte sie hingegen an die gemeinsame Abschlussfahrt nach Hamburg. Die Abiturienten schienen trotz der schwierigen Oberstufenerfahrung ihren Humor nicht verloren zu haben: "Maximaler Spaß, minimaler Aufwand und ein bisschen Glück", beschrieb Schülerin Nina Ramp die Herangehensweise ihres Jahrgangs. Sie dankte allen Nachhilfelehrern, Google, Youtube und Wikipedia für den Erfolg.

Während Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) den Schulabgängern mit auf den Weg gab, dass sie sich einen Job suchen sollen, der ihnen Spaß macht, zeichnete Schulleiter Heither ein ernsteres Bild der Zukunft. Der Pädagoge stellte klar, dass die neu gewonnene Freiheit auch Verantwortung bedeute - gerade angesichts der Vielzahl gegenwärtiger Krisen.

Die Weltordnung des 20. Jahrhunderts sei endgültig vorbei, mahnte Dietrich Heither. Es sei an den Abiturienten dazu beizutragen, dass die Verwerfungen des Klimawandels endlich angegangen werden. Auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen gebe es noch einiges zu tun. Der Schulleiter hob die Gleichstellung der Geschlechter sowie die Bekämpfung von Kinderarmut und Fluchtursachen hervor und sprach sich für eine Sicherheitspolitik aus, die den Interessen aller Menschen Rechnung trägt.

Keine einfachen Ansprüche also für junge Menschen, die gerade erste ihr Abi-Zeugnis in der Tasche haben. Doch Heither sah die jüngsten Schulabgänger gut vorbereitet. Er betonte, dass es Ziel der schulischen Arbeit gewesen sei, den jungen Menschen das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben. "Ohne den Mut und den Willen, die Zukunft zu gestalten, wäre die Welt hoffnungs- und perspektivlos", so der Leiter der Heinrich-Böll-Schule. sas

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