Am Standort des einstigen Dorfbrunnens blühen heute Blumen. Bernd Caspari hat das symbolische Bauwerk zusammen mit den Geschichtsfreunden Okriftel wieder hergerichtet. FOTO: kröner
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Am Standort des einstigen Dorfbrunnens blühen heute Blumen. Bernd Caspari hat das symbolische Bauwerk zusammen mit den Geschichtsfreunden Okriftel wieder hergerichtet.

Ortshistorie

Hattersheim: Vor 200 Jahren sprudelte hier das Wasser

Warum der Brunnen an der Kirche nicht mehr sicher war und was selbst erneuerte Pflanzen dort bewirken sollen.

Okriftel -Das Bild auf der hellen Sandsteinplatte zeigt einen Brunnen mit einer Pumpe und einem Wasserrohr. Ob der alte Dorfbrunnen auf dem Platz neben der evangelischen Kirche tatsächlich einmal so aussah, kann Bernd Caspari nicht genau sagen. Der Zweite Vorsitzende der Geschichtsfreunde Okriftel erzählt, dass die erste Nutzung der Wasserstelle über 200 Jahre zurückliegt. Heute erhebt sich an ihrer Stelle ein symbolischer Brunnen, aus dessen Öffnung Blumen sprießen. Mitglieder der Geschichtsfreunde haben die beschädigte Einfassung des Rands in den vergangenen Wochen erneuert.

Hinweise auf den Standort des Brunnens fanden sich während der Neugestaltung des Kirchplatzes im Jahr 1989. Damals hätten Arbeiter den verfüllten Schacht entdeckt, berichtet Bernd Caspari, der sich dafür einsetzte, das Bauwerk wieder sichtbar zu machen. Dass es früher tatsächlich einen Brunnen neben dem Gotteshaus gab, belege auch eine Skizze aus der Zeit des Kirchenbaus im Jahr 1809, sagt der Okrifteler. Auf dem Dokument, das sich im Besitz der Geschichtsfreunde befindet, sei der Standort leicht versetzt eingezeichnet. "Skizzen sind aber nie genau", weiß Caspari.

Es gab mehrere Dorfbrunnen

Die Geschichtsfreunde kümmerten sich um die Bepflanzung des Brunnennachbaus. Dabei war aufgefallen, dass es Handlungsbedarf gab. Die Mitglieder bemerkten zunächst, dass die Fugen zwischen den Sandsteinen erneuert werden müssen. Bei näherer Betrachtung sei jedoch aufgefallen, dass einige der großen Brocken am Brunnenrand locker waren. "Wir vermuten, dass da mal ein Auto dagegen gefahren ist", erklärt Bernd Caspari. Damit der Brunnen nicht zum Sicherheitsrisiko wird, opferte er zusammen mit sieben Mitgliedern drei Samstage, an denen die Helfer den kompletten Rand des Brunnens abtrugen, die Steine neu befestigten und die Fugen schlossen. Anschließend füllten sie wieder Erde nach und erneuerten die Bepflanzung. Das Team investierte etwa 25 Arbeitsstunden. Caspari verrät, dass die Geschichtsfreunde im nächsten Frühjahr auf Pflanzen setzen wollen, die sich von selbst erneuern. Damit soll ein Teil der Pflege entfallen.

Der Dorfbrunnen an der Kirche war nur eine von mehreren privaten und öffentlichen Wasserentnahmestellen, die früher im alten Ortskern existierten. Geschichtsfreund Bernd Caspari weiß noch von zwei weiteren Brunnen in der näheren Umgebung. Einer habe auf einem Grundstück der Dorfgemeinde in der Langgasse gestanden. Der zweite befand sich an der Ecke Neugasse/Kirchgrabenstraße. Noch über viele Jahre habe eine Platte im Gehweg an diesen Brunnen erinnert, sagt Caspari. Nachdem der Boden für Leitungsarbeiten geöffnet wurde, sei dieser Hinweis jedoch verschwunden. Das Ende der historischen Brunnen im Okrifteler Ortskern sei vor etwa hundert Jahren gekommen, erzählt der stellvertretende Vorsitzende. Mit Unterstützung des Fabrikbetreibers Philipp Offenheimer seien damals die ersten Wasserleitungen verlegt worden. Dorfbrunnen wurden überflüssig.

Heute gibt es einen weiteren Brunnen vor der evangelischen Kirche, der ebenfalls im Rahmen der Platzgestaltung 1989 als dekoratives Element installiert wurde. Aus vier Rohren plätschert das Wasser in ein Becken. Weil Ornamente beschädigt waren und das Kalkwasser unschöne Ränder hinterließ, stießen die Stadt, die Geschichtsfreunde und Heizungsinstallateur Werner Wagner im vergangenen Jahr eine Erneuerung an. Im Zuge dessen wurde die Pumpe um eine Entkalkungsanlage ergänzt. Seither hätten sich keine Ablagerungen mehr gezeigt, erklärt Bernd Caspari - zufrieden, dass nun beide Brunnen in neuem Glanz strahlen. sas

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