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Hattersheim:; Vor der Depression weglaufen geht nicht

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Manche Menschen sind nicht nur im Herbst und Winter depressiv. Was dagegen getan werden kann, darüber berichten in Form einer Fabel die Autoren Michael Fern und Marc Rybicki. symbolFOTO: dpa
Manche Menschen sind nicht nur im Herbst und Winter depressiv. Was dagegen getan werden kann, darüber berichten in Form einer Fabel die Autoren Michael Fern und Marc Rybicki. symbolFOTO: dpa © picture alliance/dpa

Michael Fern gab im Haus Sankt Martin Tipps zum richtigen Umgang mit dieser Krankheit.

Hattersheim -Zwar zeugt das Buch und die darin enthaltenen Formulierungen von großem Humor und Lebensklugheit. Doch es behandelt ein ernstes Thema, das für manche Menschen ausweglos erscheint, nämlich die Depression. Im Haus Sankt Martin am Autoberg, der Caritas-Facheinrichtung für wohnungslose Menschen an der Frankfurter Straße, präsentierten die Frankfurter Autoren Michael Fern und Marc Rybicki eine gereimte Fabel zum Umgang mit Depressionen.

Ein Grizzly-Bär mit Depressionen: Für ihr Buch "Barneys Weg zur Glücklichkeit" wählten Michael Fern und Marc Rybicki diese ungewöhnliche Hauptfigur. Das Format ist ebenfalls nicht alltäglich. Denn die Fabel, die Wege im Umgang mit depressiven Gefühlen aufzeigt, wurde komplett in Reimform geschrieben. "Wir wollten keinen nüchternen Ratgeber verfassen, sondern eine emotionale Geschichte, die sowohl Erwachsene wie auch Kinder anspricht", erklärte Michael Fern. Der 46-Jährige, der seit seinem zehnten Lebensjahr mit Depressionen zu kämpfen hat, brachte seine eigenen Erfahrungen in das Buch ein. Sein Schulfreund Marc Rybicki, als Schriftsteller und Hörbuchsprecher tätig, dichtete den Text dazu. Ähnlich wie der Bär Barney in ihrem Werk, der eines Tages sein Lachen verliert und in Schwermut versinkt, wusste Michael Fern in seiner Jugend zunächst nicht, worunter er leidet. "Das war eine sehr schmerzhafte Zeit, die ich niemandem wünsche." Darum will er Aufklärungsarbeit leisten und Betroffenen Hilfestellung geben. "In Schulen kommt das Buch sehr gut an. Die Kinder erhalten durch Barneys Erlebnisse einen spielerischen Zugang zu dem schweren Thema", erklärt Michael Fern. Bei der Lesung im Haus Sankt Martin versorgte Michael Fern die erwachsenen Gäste mit Hintergrundwissen zum Thema Depressionen, während Marc Rybicki verschiedene Szenen aus dem Buch vortrug und dabei die Figuren durch unterschiedliche Stimmlagen und Akzente zum Leben erweckte. Wie bei einem Hörspiel konnte das Publikum manchmal nachdenklich, manchmal heiter die Abenteuer des Bären Barney miterleben.

Der Inhalt der Fabel ist leicht verständlich. Auf der Suche nach seinem verlorenen Glück bricht Barney zu einer Reise von den kanadischen Wäldern bis zur kalifornischen Küste auf. Unterwegs versucht er, krampfhaft fröhlich zu werden, sei es durch übermäßigen Honig-Genuss oder die Arbeit als Tanzbär. Doch erst durch eine schicksalhafte Begegnung begreift Barney, seine Krankheit zu akzeptieren. Dies ist eine Kernaussage des Werks. "Akzeptanz ist das Wichtigste", meint Michael Fern. "Wer vor seiner Depression wegläuft und mit aller Gewalt glücklich sein will, macht es nur noch schlimmer." Das geht also nicht. Klaus Störch, Leiter der Caritas-Facheinrichtung für obdachlose Menschen, lobte das Engagement der Autoren. "Die Erzählung und die Art der Präsentation hat mich beeindruckt. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, über Depressionen und ihre Folgen aufzuklären."

Übrigens: "Barneys Weg zur Glücklichkeit" ist im Eigenverlag erschienen und kann für 5 Euro im Internet bequem unter www.sonnige-sendung.de bestellt werden. red/meh

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