Die beiden Mitarbeiter (v. li.) Hüyssein Saclan und Vincent Abraham freuen sich gemeinsam mit den Gruppenbetreuerinnen Sabine Laun und Heike Fischer, dass die Arbeit im neuen Gewächshaus der Schlockerhof-Gärtnerei weitergeht.
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Die beiden Mitarbeiter (v. li.) Hüyssein Saclan und Vincent Abraham freuen sich gemeinsam mit den Gruppenbetreuerinnen Sabine Laun und Heike Fischer, dass die Arbeit im neuen Gewächshaus der Schlockerhof-Gärtnerei weitergeht.

Wirtschaft

Hattersheim: Da wächst mehr als nur Zierpflanzen

Die Schlockerhof-Gärtnerei und die Fahrradwerkstatt bleiben von der Corona-Krise unberührt.

Hattersheim -Auf dem Schlockerhof ist wieder Leben eingekehrt. Die Hattersheimer Werkstätten der Behindertenhilfe des Evangelischen Vereins für Innere Mission in Nassau (EVIM) haben ihre durch die Corona-Krise bedingte Schließung hinter sich gelassen. Für viele der rund 450 Menschen, die in verschiedenen Arbeitsbereichen betreut werden, war es eine langsame Rückkehr. "Zunächst durften nur diejenigen wieder arbeiten, die nicht in den Wohnheimen leben", erklärt Christoph Schuch von der Öffentlichkeitsarbeit des Schlockerhofes. So sollte die Gefahr von Infektionen in den Wohnstätten vermieden werden. Mittlerweile seien bis auf rund fünf Prozent Risikopatienten alle Beschäftigten zurückgekehrt.

Obwohl die meisten betreuten Mitarbeiter unter Einhaltung von Hygieneregeln wieder an die Arbeit gehen, sind die Auswirkungen der Pandemie in den EVIM-Werkstätten zu spüren. Einige der dort beschäftigten behinderten Menschen müssen, laut Christoph Schuch, auf neue Bereiche verteilt werden. Denn es gibt weniger Arbeit als zuvor. Schuld ist die fehlende Nachfrage in einigen Bereichen, auf die sich der Schlockerhof spezialisiert hat. Die Hattersheimer Werkstätten bieten ihren Kunden eine Gärtnerei, eine Fahrradwerkstatt, eine Bäckerei und sieben Industriegruppen. In den beiden letztgenannten Tätigkeitsfeldern seien die Folgen der Krise spürbar, berichtet Schuch. Beispielsweise belieferte die Bäckerei eine große Kantine in Wiesbaden, die aufgrund der Corona-Krise geschlossen blieb. "Das sind ein paar Tausend Brötchen weniger pro Woche", sagt der Schlockerhof-Sprecher. In den Industriegruppen bemerkt man bei EVIM eine schwindende Nachfrage aus der Autoindustrie. "Da sind Lieferketten weggebrochen", sagt Christoph Schuch.

Von den wirtschaftlichen Folgen der Krise unberührt blieben die Gärtnerei und die Fahrradwerkstatt. Die Pflanzenaufzucht des Schlockerhofs habe im April die Bio-Zertifizierung erhalten, erklärt Christoph Schuch, der beim Aufbau dieses Bereiches geholfen hat. Durch die Produktion in Bio-Qualität könne die Gärtnerei nun mit einem regionalen Anbieter von Obst- und Gemüsekisten kooperieren. Außerdem beliefert der Schlockerhof einen großen Discounter mit Gartenkräutern. Den Verkauf an Gastronomiebetriebe habe die Gärtnerei erst im Vorjahr gestartet. Corona-bedingte Einbußen auf diesem Gebiet habe man deshalb noch nicht stark zu spüren bekommen.

Im vergangenen Monat habe der Gartenbetrieb einen rund 4000 Quadratmeter umfassenden Bereich neu eingezäunt, in dem unter anderem Chilis, Zucchini und Tomaten wachsen, erzählt Schuch. Der Hofladen auf dem Gelände des Schlockerhofs erweitere sein Sortiment um Lebensmittel aus der eigene Ernte. Die Vielfalt des Angebotes sei vielen Menschen noch immer nicht bewusst, meint Christoph Schuch: "Die Leute verorten uns immer noch als reine Zierpflanzengärtnerei."

Fahrradwerkstatt ist umgezogen

Auch beim Betrieb der Fahrradwerkstatt gibt es Neuigkeiten. Die Zweiradmechaniker seien während des Lockdowns auf das Grundstück der ehemaligen Firma Horn in der Schulstraße 29 umgezogen, berichtet Christoph Schuch. Dort konnten die Mitarbeiter ihre Geschäftsfläche erweitern. "Das Fahrradgeschäft boomt in der Corona-Zeit", so Schuch. Dies mache sich zudem in der Werkstatt des Schlockerhofs bemerkbar, in der die Handwerker viel zu tun hätten. Schließlich werde die Ausbildung trotz Corona in gewohnten Bahnen fortgesetzt. Anfang dieses Monats seien neue Schulabgänger im Berufsbildungsbereich des Schlockerhofs aufgenommen worden, erklärt der Sprecher. Eine Qualifizierung für die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt sei ein wichtiges Ziel, so Christoph Schuch. sas

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