Kein Folgen von extremen Starkregen, aber die Folgen eines Hochwassers in Okriftel im Jahr 2003 zeigt diese Aufnahme . FOTO: Feuerwehr Okriftel
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Kein Folgen von extremen Starkregen, aber die Folgen eines Hochwassers in Okriftel im Jahr 2003 zeigt diese Aufnahme .

Prävention

Hattersheim: Was Wasserfluten alles anrichten können

Ingenieurbüro berechnet die Folgen von Starkregenereignisse für die Stadtteile.

Hattersheim -Welche dramatischen Auswirkungen starke Regenfälle haben können, zeigte sich im Sommer im Ahrtal. Dort trug die geografische Lage dazu bei, dass Wassermassen durch bewohnte Gebiete strömten und große Teile davon verwüstete. Solche extremen Wetterlagen wird es nun immer häufiger geben, sagen Experten.

Die Bedrohung für Hattersheim ist zwar geringer als für die Menschen an der Ahr. Anhaltender Starkregen hätte aber Folgen für alle drei Stadtteile. Wie sich besonders heftige Unwetter auswirken könnten zeigen Gefahrenkarten, die von den Stadtwerken in Auftrag gegeben wurden. Feuchte Füße würden unter anderem die Besucher des Seniorenzentrums Altmünstermühle bekommen. Auch in größeren Wohnsiedlungen könnte das Wasser nur schlecht abfließen.

Die Stadtwerke hatten die Gefahrenkarten bereits 2019 in Auftrag gegeben. Ein Ingenieursbüro berechnete die Folgen verschiedener Starkregenereignisse für alle drei Stadtteile. Die theoretische Analyse ging von Niederschlagsmengen aus, wie sie statistisch alle 30 und alle 100 Jahre vorkommen. Dabei nahmen die Experten eine Regendauer von einer Stunde an. Zusätzlich untersuchten sie die Auswirkungen eines Extremregens mit einer Niederschlagshöhe von 87,5 Millimetern in zehn Minuten. Die Niederschläge wurden in ein digitales Geländemodell übertragen, das neben den Höhenlagen auch verschiedene Bodentypen berücksichtigt. Die Fließgeschwindigkeit und die Überflutungstiefen sind auf den Karten farblich markiert.

Schon bei einem Starkregen, wie er statistisch alle 30 Jahre vorkommt, zeigt sich die Fahrrad- und Fußgängerunterführung vom Stadtpark zum Karl-Eckel-Weg tief blau. Dies bedeutet, dass das Wasser dort 50 Zentimeter bis einen Meter hoch stehen würde. Von der Straße Im Lerchenfeld würde der Regen in den Glockwiesenweg und auf das Gelände des Hattersheimer Tierparks fließen. Auf gepflasterten Flächen wie dem Innenhof des Alten Posthofes und dem Marktplatz würden sich bis zu 25 Zentimeter tiefe Pfützen bilden. Auch in Wohngebieten - beispielsweise zwischen den Mehrfamilienhäusern Im Heideck - staut sich Wasser. In Okriftel macht sich der Regen vor allem im Ortskern bemerkbar - etwa in der Albert-Schweizer-Straße und auf dem Schulhof der angrenzenden Grundschule. Auch in der Erlenstraße und der Martin-Luther-Straße entstehen Überschwemmungen mit Tiefen von 25 bis 50 Zentimetern. Der Stadtteil Eddersheim wäre bei der niedrigsten Starkregenstufe kaum betroffen. Auf einigen Straßenecken und Höfen würde das Wasser 12 Zentimeter hoch stehen. Herausstechend ist vor allem ein Hof in der Backesstraße 7, in dem sich laut Berechnung viel Wasser sammelt.

Bei einem statistisch alle 100 Jahre vorkommenden Starkregen breiten sich die Wassermassen an allen zuvor auffälligen Stellen weiter aus. Auch der Parkplatz vor der Stadthalle ist nun betroffen. Außerdem wird das Seniorenzentrum Altmünstermühle nahezu komplett vom Hochwasser umspült. In Okriftel ist die Turnhalle des TVO vollständig von Wasser umgeben. Auch rund um die Trauerhalle des Okrifteler Friedhofes sammelt sich das Wasser. In Eddersheim nimmt das Regenwasser auf asphaltierten Flächen wie dem Parkplatz der Wohnsiedlung Neue Heimat zu. Geringe Wassermengen fließen durch die Propsteistraße in Richtung Main.

Ein Extremregen würde schließlich dazu führen, dass die Hattersheimer Wohnsiedlungen zwischen Lessingring und Kleiststraße unter Wasser stehen. Auch in der Siedlung am Südring würde sich Wasser vor großen Wohnhäusern sammeln. Im Stadtpark entstünde ein See, der sich vom Weiher bis rund um die Altmünstermühle erstreckt, wo das Wasser einen Meter hoch stünde. Auch der Hattersheimer Friedhof würde nun unter Wasser stehen. In Okriftel führt der Extremregen dazu, dass die komplette Wohnsiedlung zwischen Erlenstraße und Buchenstraße überflutet wird. Teile des Festplatzes am Wäldchen sind ebenfalls überschwemmt. In Eddersheim verschlimmert sich die Lage in den Wohngebieten weniger stark. Vor allem die umliegenden Felder werden zunehmend überschwemmt.

Auf eine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen zu den Erkenntnissen antwortet der Magistrat, dass das Hattersheimer Kanalsystem nur einen geringen Einfluss habe. Selbst die doppelte Abflussleistung würde bei Starkregen die Überflutungshöhe kaum reduzieren. Doppelt so viel Wasser in den Main einzuleiten, wäre aber nicht zulässig. Nach den Angaben der Stadtverwaltung würde dies dem Hochwasserschutz für Schwarzbach und Main nämlich entgegenwirken. sas

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