Diese kleinen Nilgänse wurden von Feuerwehrleuten aus einer misslichen Lage befreit und zum Transport in eine Box gehoben.
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Diese kleinen Nilgänse wurden von Feuerwehrleuten aus einer misslichen Lage befreit und zum Transport in eine Box gehoben.

Feuerwehr

Hattersheim: Wenn Nilgänse im Hinterhof undGartenschläfer in der Falle stecken . . .

Tierrettungen gehören inzwischen mehr denn je zum Alltag der Brandschützer.

Hattersheim -Es war Ende April, als die Drehleiter der Hattersheimer Feuerwehr zu einer besonderen Rettung gerufen wurde. Schon kurz nach der Alarmierung stand fest, dass die Einsatzkräfte kein einfacher Job erwarteten würde. Die Ausgangslage war nämlich ungewöhnlich: "Bei mir sitzt ein Papagei im Baum", habe der Anrufer am Telefon gemeldet, erzählt Stadtbrandinspektor David Tisold. Daraufhin seien die freiwilligen Helfer ausgerückt, um den exotischen Vogel einzufangen. Vergeblich.

"Die Leute sind aufmerksamer geworden"

"Wenn so eine Tier nicht verletzt ist, hat es kein Interesse daran, sich retten zu lassen", erklärt David Tisold. Das einzige was in solchen Fällen helfe, sei Geschwindigkeit. "Da muss man einfach mutig sein und schnell zupacken", sagt der oberste Feuerwehrmann von Hattersheim. Meist entscheide der erste Zugriff darüber, ob es gelinge ein Tier einzufangen. Im Fall des Papageis sei es beim Versuch geblieben.

Was kurios klingt, ist für die Aktiven der Hattersheimer Feuerwehr längst kein Einzelfall mehr. In den vergangenen Jahren häufen sich die Anrufe von Hattersheimern, die verletzte oder verirrte Tiere auffinden. "Die Leute wollen helfen, ihnen fehlt jedoch die Expertise", sagt David Tisold. Dann ist die Feuerwehr gefragt. Mittlerweile verzeichne die Einsatzgruppe jährlich etwa zwölf Einsätze mit tierischer Beteiligung. "Die Leute sind aufmerksamer geworden", so der Stadtbrandinspektor. In den vergangenen Wochen habe sich dieser Schwerpunkt besonders gehäuft. Fast wöchentlich mussten die Retter vierbeinigen oder gefiederten Freunden aus der Patsche helfen. So etwa am 5. April, als die Feuerwehr eine Eule am Okrifteler Mainufer von einer Angelschnur befreite. Die Kordel habe sich samt Haken und Gewicht um den Flügel gewickelt, erzählt Tisold. Es komme häufiger vor, dass menschliche Hinterlassenschaften Schuld am Leiden der Tiere sind. Auch einem Schwan mit Angelhaken im Schnabel musste die Feuerwehr schon helfen. Verletzte Tiere bringen die Retter zur Tierklinik in Hofheim.

Die Katze im Kaminschacht

Die jüngsten Einsätze setzten sich am 15. April mit der Bergung von vier Nilgänsen fort. Die Feuerwehr sei verständigt worden, weil sich die kleinen Gänslein in einem Hinterhof verlaufen hatten. Man habe die Vögel eingesammelt und an den Feldrand gebracht, wo sie von ihren Eltern erwartet wurden, berichtet der Stadtbrandinspektor. Und am 26. April nahm die Feuerwehr eine verletzte Taube entgegen und brachte sie zur Tierklinik. Etwas komplizierter gestaltete sich die Hilfe für einen neugierigen Gartenschläfer, der in eine Marderfalle geraten war. Die Besitzer der Falle konnten das Tier nicht aussetzen, weil es mit dem Kopf zwischen den Gitterstäben stecken geblieben war. Erst mit Hilfe der Feuerwehr sei es möglich gewesen, die Gitter auseinander zu biegen und den verärgerten Allesfresser aus seinem Gefängnis zu befreien, erzählt David Tisold. Ein weiterer Besuch in der Hofheimer Tierklinik stand schließlich am 7. Mai an. Passanten hatten einen verletzten Vogel vor dem Okrifteler Haus der Vereine gemeldet.

Tierrettung kann durchaus aufwendiger sein als die beschriebenen Fälle. Vor zwei Jahren habe die Feuerwehr ein Katze aus einem Kaminschacht geholt, erinnert sich Tisold. Zwei Stunden brauchten die Helfer, um das Tier mit Hilfe von Spiegeln und Sonden zu orten und den Kamin an der richtigen Stelle aufzustemmen.

Mittlerweile habe sich die Feuerwehr mit Spezialausrüstung auf die zunehmenden Tierrettungen eingestellt. Laut dem Stadtbrandinspektor wurden Fangnetze, bissfeste Handschuhe und Transportboxen angeschafft. Die Brandschützer packen allerdings nicht bei jedem Tier so entschlossen zu wie bei Katzen oder Gartenschläfern. Im Falle von exotischen und giftigen Tieren wie Schlangen oder Spinnen werde die Tierrettung des Main-Taunus-Kreises oder ein Experte des Frankfurter Zoos verständigt, erklärt David Tisold: "Da weiß man nicht so genau, woran man ist."

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