Ein Abend als Einsatzleiter: "Kevin" (gespielt von Tom Meyer) ist den Einbrechern immer einen Schritt voraus. So jedenfalls in dieser Szene des Films, den die Feuerwehr gedreht hat. FOTO: Kröner
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Ein Abend als Einsatzleiter: "Kevin" (gespielt von Tom Meyer) ist den Einbrechern immer einen Schritt voraus. So jedenfalls in dieser Szene des Films, den die Feuerwehr gedreht hat.

Ehrenamt

Hattersheim: Werbung mit Humor statt "Angstkampagne"

Was der Kult-Film "Kevin - Allein zu Haus" mit der Hattersheimer Feuerwehr zu tun hat.

Hattersheim -Filmfans kennen die Geschichte: Während seine Familie Hals über Kopf aufbricht, bleibt der kleine Kevin allein zurück. Im weihnachtlich dekorierten Zuhause stellt sich der Junge zwei fiesen Einbrechern und lässt sich dabei nicht unterkriegen. Zunächst streift sich Kevin eine leuchtend gelbe Einsatzleiter-Jacke über. Dann bedient sich der kreative Verteidiger verschiedener Feuerwehr-Gerätschaften, um die Eindringlinge in die Flucht zu schlagen. So zumindest spielt sich die Geschichte in Hattersheim ab.

"Einsatz allein zu Haus", lautet der Titel des zehnminütigen Kurzfilms, den die Hattersheimer Feuerwehr in den vergangenen Wochen online gestellt hat. Jugendfeuerwehrmitglied Tom Meyer schlüpft dabei in die Rolle von "Hausverteidiger" Kevin, der die Stellung halten muss, während seine Familie zu einem Feuerwehreinsatz ausrückt. Dabei ist es Kevins größter Wunsch, selbst einmal bei einem Einsatz dabei zu sein. Seine Gelegenheit kommt, als der hinterhältige Grinch und ein böser Elf vor der Haustür auftauchen. Mit kleinen Feuerwehrautos, Schläuchen und roter Farbe verteidigt der Junge sein Heim. Sogar eine Wand geht dabei zu Bruch. Als Inspiration für das Filmprojekt der Brandschützer diente natürlich die Komödie "Kevin - Allein zu Haus" aus dem Jahr 1990.

Von Beginn an fällt die hohe Qualität und Detailverliebtheit des Feuerwehrfilms auf. Bild, Licht und Kameraeinstellungen erinnern an professionelle Produktionen. Auf Facebook brachte dies der Hattersheimer Feuerwehr schon einige positive Kommentare ein. Dort wurde das Werk der freiwilligen Retter über 21 000 Mal angeklickt. Die notwendige technische Ausstattung sei durch Sponsoren und einer guten Absprache mit einem Technikverleih möglich geworden, erklärt Marcel Meuer, der das Drehbuch schrieb und Regie führte. Die Hattersheimer hätten Filmausrüstung im Wert von rund 40000 Euro einsetzen können. Außerdem habe die Filmcrew von einem idealen Schauplatz profitiert: Die Feuerwehrleute durften im evangelischen Vereinsheim in der Schulstraße drehen, das bald abgerissen werden soll. Weil das Gebäude nicht mehr genutzt wird, war es möglich, Wände zu bemalen und zu zerstören. Allerdings stellte der leerstehende Bau die Filmmacher auch vor Herausforderungen, da sie zunächst Einrichtung besorgen mussten, um einen bewohnten Eindruck zu erwecken.

Bereits seit 2018 meldet sich die Hattersheimer Feuerwehr mit filmischen Weihnachtsgrüßen. Im ersten Jahr sahen Zuschauer die Fahrzeuge im Gerätehaus zu festlicher Musik leuchten. Seither wurden die Produktionen immer aufwendiger. In diesem Jahr wirkten insgesamt 20 Helfer vor und hinter der Kamera mit. Sie trafen sich an zehn aufeinanderfolgenden Produktionstagen im November. "Da ist man irgendwann froh, wenn das alles durch ist", sagt Marcel Meuer. Der Hobby-Regisseur ist eigentlich studierter Psychologe und übernimmt bei den Brandschützern die Kinderbetreuung und die Öffentlichkeitsarbeit. Filme seien ein privates Interesse, erklärt das Feuerwehrmitglied. Meuer lobt diesmal vor allem Tom Meyer, der die Hauptrolle gemeistert habe, obwohl er noch nie vor der Kamera stand. Der Drehbuch-Autor sieht die jährlichen Filmprojekte als Teil der Öffentlichkeitsarbeit. "Wir wollen auf uns aufmerksam machen und zeigen, dass Ehrenamt zu Weihnachten keine Pause macht", erläutert Marcel Meuer. Gleichzeitig versuche die Hattersheimer Feuerwehr, auf positive und unterhaltsame Weise Mitglieder zu werben. Der humorvolle Kurzfilm solle ein Gegensatz zu den "Angstkampagnen" sein, mit denen manchmal geworben werde. Mit dem Zuspruch ist Meuer angesichts der Filmlänge von zehn Minuten sehr zufrieden. "Wir haben noch nie so ein langes Video online gestellt", sagt das Feuerwehrmitglied. Vor diesem Hintergrund könnten 21 000 Zuschauer als echter Erfolg gelten. In der Vergangenheit seien die Filme zwar schon von bis zu 200 000 Menschen betrachtet worden - dann gingen die Beiträge jedoch auch nur etwa drei Minuten.

Das Drehbuch für dieses Jahr sei bereits so gut wie fertig, verrät Marcel Meuer. Die Hattersheimer Feuerwehr werde versuchen, die Qualität von "Einsatz allein zu Haus" beim nächsten Video zu halten. Mehr Aufwand gehe allerdings nicht, betont nun der Filmmacher. "Das ist jetzt die Obergrenze." sas

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