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Hattersheim: Wie aussagekräftig sind Schnelltests?

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Um die Corona-Pandemie einzudämmen, wurde unter anderem für die Verwendung von Antigen-Schnelltests zur Erkennung von Infizierungen geworben, wie hier auf dieser Infobroschüre. FOTO: Murat/dpa
Um die Corona-Pandemie einzudämmen, wurde unter anderem für die Verwendung von Antigen-Schnelltests zur Erkennung von Infizierungen geworben, wie hier auf dieser Infobroschüre. © Marijan Murat/dpa

Ein Leser kritisiert die Verwendung eines Antigentest-Produktes und hält dies für Steuergeldverschwendung.

Hattersheim/Flörsheim -Impfungen sind eine Möglichkeit, die Folgen einer Corona-Erkrankung zu minimieren. Auch das Risiko, andere anzustecken, ist mit hohem Impfschutz geringer. Doch bekanntlich bietet die Immunisierung keinen vollständigen Schutz vor einer Infektion. Wer sich mehr Sicherheit verschaffen möchte, setzt auf zusätzliche Antigen-Schnelltests. Menschen ohne jegliche Impfung oder Auffrischungsimpfung sind vielerorts sogar verpflichtet, einen Test nachweisen - etwa um Zutritt zu Geschäften, Restaurants oder zum Kino zu bekommen. Doch sind die Ergebnisse, die man 15 bis 30 Minuten nach Besuch der Teststation erhält, überhaupt zuverlässig? Wie in vielen Bereichen gibt es auch bei den Schnelltests sehr unterschiedliche Qualitäten.

Kreisblatt-Leser Harald Görz mochte sich nach einem auf diese Art durchgeführten Schnelltest bei ihm über das für ihn negative Ergebnis nicht so recht freuen. Der Test wurde vom Anbieter Preventim durchgeführt, der mehrere Teststationen im Main-Taunus-Kreis, unter anderem an mehreren Stellen in Hattersheim und der Nachbarstadt Flörsheim, betreibt. Kreisblatt-Leser Harald Görz hatte nämlich recherchiert, dass dabei der Antigentest des chinesischen Unternehmens Guangzhou Wondfo Biotech zum Einsatz kam. Dieser Test sei einer der schlechtesten in einem vorliegenden Vergleich des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), kritisiert der Flörsheimer, der zunächst den Teststation-Betreiber und dann in einem Schreiben auch das Kreisblatt darauf hinwies. Die Verwendung des Tests sei eine Verschwendung von Steuergeldern und biete Menschen, die sich testen lassen, eine falsche Sicherheit.

Tatsächlich liefert die vergleichende Bewertung des Paul-Ehrlich-Instituts mit Stand vom 31. Januar diesen Jahres keine sonderlich überzeugenden Werte für den Wondfo-Test: Er schneidet mit am schlechtesten ab. Die Behörde des Bundesgesundheitsministeriums listet zahlreiche Schnelltests auf, die dem Stand der Technik entsprechen. Dies bedeutet, dass die verwendeten Produkte eine Sensitivität von mindestens 75 Prozent bei einer sehr hohen Viruslast aufweisen. Der Test musste also in 75 Prozent der Fälle Alarm schlagen. Dieses Kriterium erfüllt auch Wondfo mit einer Sensitivität von 88 Prozent bei sehr hoher Viruslast. Die Sensitivität bei hoher und moderater Viruslast liegt laut Übersicht des PEI jedoch bei jeweils null Prozent. Die Gesamtsensitivität des Tests wird mit nur 30 Prozent angegeben - einer der niedrigsten Werte in der PEI-Tabelle.

Preventim-Chef Frederic Lanz bestätigt, dass an den Teststationen seit einigen Monaten der Wondfo-Test verwendet werde. Davor und auch parallel seien andere Produkte zum Einsatz gekommen. "Wir schauen, was auf dem Markt verfügbar ist und wie es zu den Abläufen im Labor passt", sagt der Geschäftsführer. Natürlich verwende Preventim nur zugelassene Tests. Lanz erläutert, dass er den Kritiker schon darauf hingewiesen habe, dass die Version des Tests in der Übersicht des Paul-Ehrlich-Instituts anderthalb Jahre alt und damit veraltet sei. "Wir vergleichen hier Äpfel mit Birnen", meint Frederic Lanz. Er verweist in diesem Zusammenhang auf eine Stellungnahme von Guangzhou Wondfo Biotech und auf mehrere Studien, aus denen die mittlerweile verbesserte Leistung der Tests hervorgehe. Der von Preventim derzeit verwendete Test sei sogar einer der besten, wenn es um das Aufspüren der Omikron-Variante gehe, behauptet Lanz.

Hersteller Wondfo hat sich im Januar gezielt zu der vom PEI veröffentlichten Auflistung geäußert: Der Test sei im Oktober 2020 auf den Markt gekommen und mehr als 300 Millionen Mal verkauft worden, heißt es in der Stellungnahme. Die Prüfung des Produkts beruhe nicht auf den neuesten Testdaten, da das Unternehmen die Qualität ständig verbessere, um eine möglichst hohe Sensitivität sicherzustellen. Wondfo verweist auf Studien aus Brasilien, wo der Test von August bis September 2021 mit einer Sensitivität von 97 Prozent bei sehr hoher Viruslast und 88 Prozent bei niedrigerer Viruslast abgeschnitten habe. Klinische Tests aus Malaysia hätten außerdem Sensitivitäten von 97 Prozent bei sehr hoher Virenzahl und 90 und 89 Prozent bei geringerer Virenzahl ergeben. In einer dänischen Auswertung, die dem Kreisblatt vorliegt, erreichte der Wondfo-Test Platz drei von 34 überprüften Antigentests. In einer Schweizer Studie mit acht Schnelltests war Wondfo unter den drei Produkten, die Omikron am besten nachweisen konnten. Inwieweit die angeführten Studien sich alle auf die vorher erwähnten Kriterien beziehen und ob sie alle wissenschaftlich korrekt durchgeführt wurden, ist an dieser Stelle nicht sofort nachvollziehbar. Frederic Lanz führt außerdem Daten der Chayns-App an, über die zahlreiche Testzentren ihre Ergebnisse an die Nutzer weiterleiten. Der Wondfo-Test weise dort eine Positivquote von 2,8 Prozent auf - das heißt, dass 2,8 Prozent der über 200 000 bisher Getesteten positiv waren. Bei 0,45 Prozent der Nutzer stellte sich das Ergebnis als falsch positiv heraus. 84 Prozent der positiven Ergebnisse ließen sich durch PCR-Tests bestätigen. Diese empirischen Daten würden zu den Inzidenzzahlen passen, meint der Preventim-Chef. Die Aussagekraft zur guten Qualität des Tests sei noch größer als bei klinischen Studien.

Fakt ist derzeit aber auch: Hausärzte berichten vermehrt von Fällen, bei denen verschiedene Schnelltests bei ihren Patientinnen und Patienten zwar negative Ergebnisse ergeben hätten. Bei den dann vorgenommenen PCR-Testungen seien dann aber eindeutig positive Ergebnisse gemeldet worden. sas/meh

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