Dieses Backstein-Gebäude an der Kirchgrabenstraße wurde einst als Schule für jüdische Schüler genutzt.
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Dieses Backstein-Gebäude an der Kirchgrabenstraße wurde einst als Schule für jüdische Schüler genutzt.

Historie

Hattersheim: Zur Erinnerung und Mahnung

Die Stadt und das Kulturforum informieren über Veranstaltungen anlässlich des Festjahres "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland".

Hattersheim -Jüdisches Leben hat in Deutschland hat eine lange Geschichte. Sicherlich begann sie nicht erst mit dem Jahr 321 - doch aus dieser Zeit liegt ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin vor, in dem er die jüdische Gemeinde in Köln erwähnt. Dieses Schriftstück gilt als erster Beleg für die Existenz jüdischer Gemeinden in Deutschland. Auf dieser Grundlage wird in diesem Jahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" mit Veranstaltungen begangen. Auch Hattersheim ist dabei.

Spuren jüdischer Mitbürger sind bis heute sichtbar. So gründete etwa der jüdische Unternehmer Philipp Offenheimer im Jahr 1886 die Okrifteler Zellulosefabrik, die zum wichtigsten Arbeitgeber im Ort wurde. Offenheimer engagierte sich als großzügiger Unterstützer der Gemeinde, bevor sein Sohn unter den Nationalsozialisten in die USA fliehen musste. Die Fabrik ist in Teilen erhalten und wird derzeit zum Wohnquartier umgebaut. Außerdem erinnert ein weiteres Backsteingebäude an der Kirchgrabenstraße an die jüdische Geschichte. Eine Zeitungsausschnitt vom 24. September 1906 legt die Nutzung als Jüdische Schule nahe. In der Anzeige dankt der Vorsteher der Israelitischen Cultusgemeinde Okriftel dem Fabrikanten Philipp Offenheimer für die Spende einer Tora-Rolle.

Die Stadt und das Kulturforum Hattersheim haben ein vielfältiges Programm zum Festjahr zusammengestellt. Den Auftakt bildet eine Führung durch die neue Dauerausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt am 10. Juli. Musikfreunde sollten sich derweil das Konzert des "Duos Doyna" vormerken, das am 3. September im Rahmen der Reihe "Serenade um 7ieben" im Innenhof des Nassauer Hofes stattfindet. Die Künstler versprechen mitreißende Klezmer-Melodien, die sie mit Elementen des Jazz, mit Rock und Funk verbinden.

Lesung und "Bistro-Treff"

Die Stadtbücherei präsentiert eine thematische Lesung am Abend des 30. Septembers: Barbara Bišický-Ehrlich stellt ihre Familienchronik "Sag, dass es dir gut geht" vor. Darin berichtet die Tochter tschechisch-jüdischer Emigranten über den alltäglichen Judenhass in der vom Deutschen Reich besetzten Tschechoslowakei und die Verfolgung und Ermordung von Familienangehörigen. Am Nachmittag des 13. Oktobers laden das Stadtteilbüro und die Stadt Hattersheim zu einem besonderen kulinarischen Erlebnis ein. Im Rahmen des "Bistros" im Südringtreff werden Speisen aus der "jüdischen Küche" angeboten. Auf dem Plan stehen vielfältige Gerichte, die von zahlreichen Ländern beeinflusst sind, in denen Juden lebten und leben.

Fahrt ins Jüdische Museum

Darüber hinaus organisiert die Stadt im Oktober eine Online-Veranstaltung im Rahmen des Begegnungs-Projekts "Meet a Jew" des Zentralrates der Juden in Deutschland. In Kooperation mit dem Main-Taunus-Kreis präsentiert die Stadt Hattersheim am Abend des 9. Novembers das Theaterstück "remembeRING". Anhand der Geschichte eines Ringes und dessen Wegs vom KZ Auschwitz nach Tel Aviv berichtet Schauspielerin Liora Hilb vom Theater La Senty Menti über die Historie ihrer eigenen Familie. Die Theatermacherin nimmt Bezug auf familiäre Überlieferungen und Gespräche mit Jugendlichen über ihre Sicht auf den Holocaust und auf das jüdische Leben im heutigen Deutschland. Den Abschluss des Veranstaltungsangebots bildet eine Fahrt ins Jüdische Museum Frankfurt am 17 November, die sich an Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren richtet. Im Rahmen der Kulturwerkstatt organisiert das Kulturforum den Besuch des Workshops "Alles koscher - oder was?". Teilnehmer lernen unterschiedliche religiöse Vorschriften und Bräuche zum Thema Essen kennen.

Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie sind alle Veranstaltungen unter Vorbehalt geplant und können nur unter Berücksichtigung der gültigen Bestimmungen durchgeführt werden. Informationen über Termine und das Anmeldeverfahren werden daher erst kurzfristig unter https://www.hattersheim.de/JLID bekanntgegeben. Ansprechpartnerin bei Rückfragen ist Stadtarchivarin Anja Pinkowsky. Interessierte erreichen die Archivarin schriftlich per E-Mail an stadtarchiv@ hattersheim.de oder unter Telefon (0 61 90) 9 26 62 69. sas

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