Heimaufsicht deckt Defizite auf

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In der vergangenen Woche hatte die Geschäftsleitung der Mediko-Gruppe, die das Pflegeheim betreibt, noch vehement Personalprobleme abgestritten.

Die Seniorenresidenz im Mühlenviertel hat nicht nur Probleme in der Dokumentierung der Pflege der Bewohner, wie Susanne Thon von der Mediko-Gruppe in der vergangenen Woche einräumte (wir berichteten). „Dreh- und Angelpunkt“ der Defizite, die die Heimaufsicht festgestellt hätten, sei der Personalmangel, erklärte gestern Gabriele Fischer, die Pressesprecherin des Regierungspräsidium Gießen, das als obere Aufsichtsbehörde den Beschwerden nachgeht. Fischer berief sich dabei auf den Bericht, den die Heimaufsicht nach der letzten Kontrolle am Montag vergangener Woche nun vorgelegt hat.

Das Haus sei personell „unterbesetzt“ habe die Prüfung ergeben, so die Pressesprecherin. Diese Mängel hätte die Heimaufsicht direkt im Anschluss an die Kontrolle der Hauses und der Dienstpläne mündlich mit der Heimleitung besprochen. Die Geschäftsleitung der Seniorenresidenz sei auch schon umgehend aufgefordert worden, neues Personal einzustellen. Das Heim habe daraufhin freiwillig eingelenkt und zugesagt, so lange keine neuen Bewohner aufzunehmen, bevor nicht neue Arbeitsverträge unterzeichnet sind. Hätte das Haus nicht von sich aus reagiert, hätte die Aufsichtsbehörde einen Aufnahmestopp angeordnet, sagte Fischer gestern gegenüber dem Kreisblatt. Von den 118 Plätzen der Seniorenresidenz sind derzeit 82 belegt

Der Heimaufsicht hat bereits mehrfach in dem erst drei Jahre alten Haus eine Prüfung durchgeführt. Die Situation hatte sich der Behörde am Montag vergangener Woche offensichtlich anders dargestellt, als es die Geschäftsleitung nach außen hin gerne geschildert hatte. Noch einen Tag nach dem Besuch der Heimaufsicht, bei dem die personellen Defizite mit der Geschäftsleitung erörtert worden waren, hatte am 24. März Susanne Thon gegenüber mehreren Pressevertretern dargelegt, dass von einem Personalmangel, überhaupt keine Rede sein könne.

Gegen diesen Vorwurf, den Angehörigen von Bewohnerinnen öffentlich geäußert hatten, wehrte sie sich gemeinsam mit dem Leiter des Pflegeheims, Thomas Kohwagner. Dass das Haus sogar mehr Personal habe als benötigt, sogar „zehn Stellen on top“, wie es Susanne Thon sehr überzeugend darlegte, stellt sich mittlerweile nach den Darlegungen der Heimaufsicht als unwahr dar.

Die Heimaufsicht hat jedoch nicht nur einen Personalmangel angemahnt, sondern auch eine „hohe Fluktuation bei den Fachkräften“ festgestellt. Nach dem 29-Seiten-langen Abschlussbericht beschäftigt das Haus, das sich die Alltagsbetreuung der Bewohner noch mit 100 Euro pro Monat bezahlen lässt, nur eine Ergotherapeutin mit einer haben Stelle.

Die Heimaufsicht hat dem Haus die Auflage gemacht, künftig zu gewährleisten, dass im Tagdienst pro Schicht und Wohnbereich eine Pflegefachkraft eingeteilt sein muss. Dies, so Fischer, sei offensichtlich in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen sein.

Die Vorwürfe von Angehörigen, dass Bewohner nicht genug zu trinken bekommen haben, zu lange in ihren nassen Windeln gelegen haben, und häufig niemand kam, wenn die Bewohner nach Hilfe geläutet haben, könnten sich aus der Gesamtsituation heraus durchaus so darstellen, erklärt Fischer. Wie berichtet, hatten drei Töchter von Bewohnerinnen ihre Klagen über Hygienemängel und schlechte Pflege der Senioren öffentlich gemacht. Daraufhin hatten sich in der vergangenen Woche beim Kreisblatt noch weitere Angehörige gemeldet, die sich den Klagen angeschlossen haben.

Die Heimaufsicht des Regierungspräsidium will auf die Defizite mit strengeren Prüfungen reagieren. Die Seniorenresidenz soll engmaschig alle zwei Wochen kontrolliert werden.

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