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Reittherapie löst Spannungen. Nun nimmt die Reitsportgruppe Eddersheim mit Gerd Gröhl, Peter Freund und Katrin Förster ein neues Projekt in Angriff. Unterstützung gibt?s von Jutta Nothacker (links, Stiftung Flughafen Frankfurt) und Staatsminister Axel Wintermeyer (2. von rechts).

Reitsportgruppe Eddersheie

Hindernisse helfen in der Therapie

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Für den ein oder anderen mag der Spruch vom „Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde“ abgedroschen oder bedeutungslos klingen. Bei der Reitsportgruppe (RSG) Eddersheim hilft der Kontakt mit den großen Vierbeinern Menschen aber tatsächlich, ihr Leben besser in den Griff zu bekommen.

„Zuständigkeit fördert Kompetenz“, betont Gerd Gröhl. Der frühere stellvertretende Vorsitzende ist als Koordinator für therapeutische Angebote zuständig. Er weiß, dass Kranke oder psychisch labile Personen vom Umgang mit den Tieren profitieren. Doch warum ist das so?

Aus nächster Nähe bildet ein ausgewachsenes Pferd eine durchaus einschüchternde Erscheinung. Im ersten Moment sollte man also meinen, dass die Vierbeiner als Therapiepartner eher abschreckend wirken. Doch offenbar sind die Reittiere besonders gut in der Lage, Spannungen zu lösen. „Das Pferd ist – genauso wie der Hund – seit 2000 Jahren an den Menschen gewöhnt“, sagt Gerd Gröhl. Es bestehe eine „große Sozialpartnerschaft“.

Gangart und Schwingung der Tiere seien im Einklang mit dem Taktgefühl des Menschen. Rhythmus sei ein wichtiges Element. Außerdem stärke die Arbeit mit Pferden das Verantwortungsgefühl und biete verschiedene Reize wie Fühlen, Zugreifen und Wärme. „Die Leute lieben diese einfache Art der Behandlung ohne Arzt und medizinisches Umfeld“, erklärt der RSG-Sprecher. Durch einen regelmäßigen wöchentlichen Kontakt könne an ganz unterschiedlichen Problemen gearbeitet werden.

Zu den Nutzern der Pferde-Therapie gehören Personen mit körperlichen Leiden, Verhaltensauffälligkeiten, Angststörungen oder auch Missbrauchserfahrungen. Zwei Drittel der Therapieteilnehmer sei jünger als 18 Jahre. Gröhl bemüht sich nach Vorgesprächen um ein passendes Konzept für den individuellen Fall zu erstellen. Dies beinhaltet auch die Auswahl des geeigneten Pferdes für die jeweilige Therapiestunde. Die RSG besitzt zwölf Schulpferde, die alle zu diesem Zweck eingesetzt werden können.

Die Kapazität von 37 Therapieplätzen pro Woche werde derzeit ausgeschöpft, erklärt Vorsitzende Katrin Förster. Die Nachfrage übersteige sogar die derzeitigen Möglichkeiten. Die RSG plant bereits den Ausbau ihrer therapeutischen Möglichkeiten. Dabei möchte sich der Verein auf dem Wiesenhof auch qualitativ auf ein neues Gebiet begeben. Auf einem Außengelände, das von einem neu angelegten Reitweg eingerahmt wird, soll in den kommenden Jahren ein besonderer Hindernispfad entstehen.

Die RSG plant einen sogenannten „Therapie-Trail“, der etwa ein Drittel der 6500 Quadratmeter großen Fläche abdeckt. Dabei erhalten die Eddersheimer Pferdefreunde nun Unterstützung von der Stiftung „Flughafen Frankfurt/Main für die Region“. Die Stiftung fördert den Verein, dessen Gelände stark vom Fluglärm landender Maschinen betroffen ist, mit 39 350 Euro. Das Geld soll in erster Linie den Bau des neuen Hindernisareals ermöglichen. Enthalten sind aber auch andere Maßnahmen wie neue Beleuchtung und die Erneuerung des Bodens in der Reithalle. Insgesamt schlagen diese Maßnahmen bei der RSG mit rund 85 000 Euro zu Buche.

Dass ein Geschicklichkeitsparcours in der Therapie genutzt werde, sei ihr bisher von keinem anderen Standort bekannt, sagt Katrin Förster. Die RSG wolle das Gelände mit naturnahen Hindernissen wie Holzstämmen, Wasserbecken und Wippen gestalten lassen. Das Führen der Pferde über Hindernisse fördere die Bindung zwischen Mensch und Tier, erklärt die Chefin. Der RSG bleibe nun eine Zeitraum von drei Jahren, um die Fördermittel zu nutzen. Sie habe die Hoffnung, dass die Mitglieder einen Teil des Projektes in Eigenarbeit umsetzen können,sagt Katrin Förster.

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