Pferde der RSG Eddersheim; einige Tiere sind zuletzt gestorben, der Verein kann sie nicht so einfach ersetzen und bangt deshalb um seine eigene Zukunft.
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Pferde der RSG Eddersheim; einige Tiere sind zuletzt gestorben, der Verein kann sie nicht so einfach ersetzen und bangt deshalb um seine eigene Zukunft.

Hattersheim

In zwei Monaten drei Pferde verloren

  • VonSascha Kröner
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Vorsitzende der RSG Eddersheim bangt um die Zukunft des Vereins

Eddersheim -Die Verantwortlichen der Reitsportgruppe (RSG) Eddersheim haben es nicht leicht. Gerade war nach ungewissen Monaten in der Corona-Pandemie wieder so etwas wie Normalität eingekehrt, da müssen die Ehrenamtler erneut bangen. Der Verein, der therapeutisches Reiten auf dem Wiesenhof anbietet, hatte sich mit Hilfe von Spenden durch den Lockdown gerettet und konnte seine laufenden Kosten seit Jahresbeginn einigermaßen durch Mitgliedsbeiträge stemmen.

Nicht eingeplant hatten die Vorsitzende, Katrin Förster, und ihr Team allerdings einen dreifachen Schicksalsschlag: Innerhalb von fünf Wochen habe die RSG im Mai und Juni drei Pferde verloren, berichtet die Chefin. "Unsere Lage ist momentan so kritisch wie noch nie", betont Katrin Förster.

Die Situation habe den Verein "persönlich und finanziell schwer getroffen", berichtet die Vorsitzende. Zwei der Tiere fielen bereits in den vergangenen Monaten aus. Ein Wallach litt unter einer Fehlstellung der Hüfte, die sich durch das weitere Wachstum verstärkte; eine Stute hatte sich einen Sehnenverletzung zugezogen. Der Verein habe bis zuletzt gehofft und alle Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft, sagt Katrin Förster. Im Mai stand dann jedoch fest, dass die Tiere nicht geheilt werden können. Hinzu kam ein weiteres Pferd, das überraschend unter einer schweren Kolik litt und ebenfalls nicht gerettet werden konnte. "Das war einfach nicht abzusehen", sagt Förster.

Die RSG verfügte über 17 Vereinspferde. Wenn ein Tier vorübergehend nicht an den Reitstunden teilnimmt, könne man dies auffangen, sagt die Vorsitzende. Drei Totalausfälle seien jedoch nicht einkalkuliert. "Die müssen wir ersetzen", erklärt Katrin Förster. Der Verein habe deshalb bereits zwei neue Pferde erworben.

Therapiepferd kostet bis zu 7000 Euro

Da für die Reittherapie nur Tiere infrage kommen, die eine Grundausbildung durchlaufen haben, sei die Anschaffung nicht günstig. Ein geeignetes Pferd koste durchschnittlich 7000 Euro. Hinzu komme noch der Preis für Material wie ein individuell angepasster Sattel, erklärt Förster. Die RSG habe insgesamt zwischen 30 000 und 40 000 Euro investiert. "Damit sind alle unsere Rücklagen aufgebraucht", so die Vorsitzende.

Für ein drittes Pferd würden die Finanzmittel nicht reichen. Auch eine weitere schwere Erkrankung im Stall könne sich der Verein nicht leisten. "Wir müssen jetzt von Monat zu Monat rechnen."

Die RSG hofft auf Fördermittel für die kurzfristigen Neuanschaffungen. Der Vorstand habe sowohl beim Main-Taunus-Kreis als auch beim Land Unterstützung beantragt. Die Entscheidung beim Kreis falle aber erst Ende des Jahres. Einen erneuten Spendenaufruf möchte Katrin Förster nicht starten. "Die Spender haben schon genug gemacht", sagt die Vorsitzende. Sie sei allen dankbar, die Ende 2020 geholfen haben.

Investitionen bleiben in einem Therapiebetrieb wie dem Wiesenhof nicht aus. Erst nach den Osterferien hatte der Verein die Beregnungsanlage in der Reithalle erneuern lassen. Der Austausch des Systems, das für gute Bodenverhältnisse sorgt, war geplant und wurde zu rund 30 Prozent bezuschusst. "Wir mussten das machen, um die Fördermittel nicht zu verlieren", erläutert Katrin Förster. Trotzdem habe die Maßnahme den Verein rund 10 000 Euro gekostet.

Weitere Großinvestitionen stehen an: Die RSG hat einen Förderantrag für den Bau einer zusätzlichen Reithalle im Jahr 2022 gestellt. Derzeit würden die Angebote des Vereins von 175 Aktiven genutzt, so die Vorsitzende. Gleichzeitig gebe es eine Warteliste von 400 Personen. Dieses Potenzial möchte der Vorstand mit einer Erweiterung nutzen, um künftig nicht nur laufende Kosten aus den Beiträgen zu decken, sondern auch Rücklagen bilden zu können.

Diese Ersparnisse seien künftig notwendig, um die für 20 Jahre gepachtete Fläche für den Auslauf der Pferde zu erwerben. Der Verlust dieses Grundstücks würde das Ende der RSG bedeuten, betont die RSG-Chefin. "Die Erweiterung ist die einzige Chance, um die Vereinszukunft zu sichern."

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