Geschichtsverein

Kelten und Schokolade

  • vonManfred Becht
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In der letzten Sitzungsrunde vor der Kommunalwahl soll die Stadtverordnetenversammlung noch Weichen für das Museum stellen. Der Geschichtsverein trägt die aktuellen Planungen mit.

Es sind vor Wochen schon Zweifel daran angemeldet worden, ob ein Betreiber einer Gaststätte am künftigen Museum – auch dafür soll das Werkstattgebäude im Baugebiet Schokoladenfabrik einen modernen Anbau bekommen – jene 4200 Euro an Pacht erwirtschaften kann, von denen bei der Vorstellung des Gesamtkonzeptes die Rede war (wir berichteten). Die Frage ist indes, ob das nicht ein Problem der Pächter – die es noch nicht gibt – und der Investoren ist, der in Hofheim ansässigen Real Grundbau GmbH und der NAI Apollo Corporate Finance ist. Oder ob eventuelle Probleme an dieser Stelle auch den Teil des Projektes berühren können, der die Stadt interessiert, nämlich das Museum.

Sponsoren

Auch beim Museum gibt es allerdings einen Akteur, der mit den Zahlen zurecht kommen muss, und das ist der Geschichtsverein. Der muss nämlich, so die Beschlusslage der Stadtverordnetenversammlung, die laufenden Kosten des Museums übernehmen. Jegliche finanzielle Unterstützung des Projektes durch die Stadt ist beim Sparpaket im Rahmen des Kommunalen Schutzschirms dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Der Verein hat nun eine Erklärung vorgelegt, der diese Verpflichtungen präzisiert. Demnach kann der Verein die Einrichtung der Dauerausstellung finanzieren – er hat Vermögen aus einer Schenkung und Zusagen von Sponsoren. Außerdem hat der Geschichtsverein angekündigt, erneut Zuschüsse des Hessischen Museumsverbandes zu beantragen. Eine Zusage über zusammen 71 000 Euro lag schon einmal vor, das Geld wurde aber nur zu einem kleinen Teil abgerufen.

Als gravierender werden die Folgekosten eingeschätzt. Der Verein kalkuliert mit jährlich 16 200 Euro für Betriebs- und Nebenkosten einschließlich einer Rücklage für Instandhaltung und Instandsetzung. Dies sei in Gesprächen mit den Investoren und der Stadt so abgestimmt, heißt es in einer Erklärung des Vereins.

Dies wurde auch den Stadtverordneten vorgelegt, die zunächst heute im Haupt- und Finanzausschuss – die Sitzung beginnt um 19.30 Uhr im Hessensaal des Posthofes – und dann endgültig am kommenden Donnerstag, 25. Februar, 20 Uhr, im Vereinshaus Okriftel über das Projekt abstimmen sollen.

Schwerpunkte

Konkret soll die Stadtverordnetenversammlung erstens der Übertragung des Gebäudes von der Nestlé AG an die Investorengruppe zustimmen – das Parlament muss gefragt werden, weil nach der bisher geltenden Vereinbarungen die Werkstatt in den Besitz der Stadt übergehen sollte. Zweitens wird über den Vertrag abgestimmt, mit dem die Überlassung der Räume für das Museum durch die Investoren zur Nutzung durch die Stadt vereinbart wird. Und drittens sollen die Stadtverordneten die Weitergabe dieser Räume an den Geschichtsverein billigen. Der Magistrat wird beauftragt, mit dem Verein eine entsprechende Vereinbarung auszuhandeln.

Der Verein umreißt in seiner Erklärung auch das Konzept für das Museum in groben Zügen. Natürlich wird die Stadtgeschichte ganz allgemein ihren Platz haben, drei Themen mit überregionaler Bedeutung aber die Schwerpunkte bilden. Das sind erstens die Kelten, aus deren Zeit es in den letzten Jahren bedeutende Funde in Hattersheim gegeben hat, zweitens die Schokoladenfabrik Sarotti, und drittens der Eddersheimer Erfinder Anton Flettner, von dessen Arbeit ein Bogen auch zur Zukunftstechnologie Windkraft schlagen geschlagen wird.

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