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Weil qualifiziertes Personal fehlt, gibt es für die Kindertagesstätte von Sankt Martinus derzeit einen Aufnahmestopp. Foto: Knapp

Krippe kappt Öffnungszeiten

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Mit mehreren kleinen Schritten versucht die Pfarrgemeinde Sankt Martinus, die Personalprobleme im Kindergarten zu lösen.

Das ist ein Schritt, der den Eltern sicher hilft, wenn sie bei ihrem Arbeitgeber wegen ihrer Dienstzeiten vorstellig werden. Wenn die Kinder nämlich früher aus der Kinderkrippe abgeholt werden müssen als bisher, dann kann das für manche Arbeitnehmer ein Problem werden. Deshalb haben der Verwaltungsrat und der Gemeinderat der Gemeinde in einem Schreiben, das den Arbeitgebern vorgelegt werden kann, die Situation erklärt, um Verständnis gebeten und zugesagt, an der Lösung der Probleme zu arbeiten.

Diese sind tatsächlich gravierend. Seit einer ganzen Weile bereits fehlen Erzieherinnen und Erzieher in der Kindertagesstätte in der Schulstraße, so wie in vielen anderen Betreuungseinrichtungen auch. Es kamen Krankheiten und eine Schwangerschaft hinzu, die Arbeitsbelastung für die verbleibenden Erzieherinnen wurde immer höher. Keiner aus der Kirchengemeinde oder aus der Elternschaft macht den dreien, die deshalb gekündigt haben, deshalb einen Vorwurf.

Aber die Pfarrgemeinde musste im Kindergarten, wie es in dem Brief an die Arbeitgeber heißt „nie dagewesene Maßnahmen“ ergreifen. Vom kommenden Freitag an ist die Kinderkrippe freitags nur noch bis 12 Uhr statt bisher bis 17 Uhr geöffnet. Bereits seit Monatsanfang gilt ein Aufnahmestopp für die Einrichtung. Um die Erzieherinnen zu entlasten, wird dem Kindergarten eine Bürokraft mit neun Wochenstunden zur Verfügung gestellt. Vor allem aber konzentriert man sich darauf, neues Personal zu gewinnen. Anzeigen in Tageszeitungen und Internetportalen wurden geschaltet, berichtet Johannes Alt, der Kindergartenbeauftragte des Verwaltungsrates dem Kreisblatt. Aber der Markt ist leer gefegt, die Suche bleibt schwierig. Vier neue Erzieherinnen konnten zuletzt zwar gewonnen werden, drei davon haben ihren Dienst bereits aufgenommen. Aber das Problem ist noch nicht gelöst, denn es handelt sich um Teilzeitkräfte.

Also arbeitet man sich in kleinen Schritten vorwärts. Mit weiteren Bewerberinnen soll es kurzfristig Vorstellungsgespräche geben. Eine Bewerberin gibt es, die in der Einrichtung ihr Anerkennungsjahr leisten möchte, außerdem prüft die Gemeinde, ob in der Kindertagesstätte auch ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert werden kann. In zwei Rundschreiben wurden die Eltern über alle diese Schritte informiert.

Natürlich steht die Gemeinde wegen des Problems sowohl mit der Stadt als auch mit dem Kreis in Kontakt. Nicht weiter geführt hat die Idee, aus anderen Einrichtungen Personal „auszuleihen“. Denn alle Kindergärten sind froh, wenn sie selbst genug Erzieherinnen haben. Eine Besserung der schwierigen Situation auf dem Markt für Erzieherinnen ist aber nicht in Sicht. Trotzdem hofft die Gemeinde, mit den absehbaren Einstellungen im Laufe eines halben Jahres wieder zum gewohnten Betrieb zurückkehren zu können.

Bis ein „angemessener Dienstbetrieb“ wieder erreicht sei, heißt es in dem Rundschreiben an die Eltern, solle die für alle Hattersheimer Kindertagesstätten beschlossene Erhöhung der Elternbeiträge nicht vorgenommen werden. Umgekehrt führe die Einschränkung der Betreuungszeiten aber auch nicht zu einer Verringerung der Gebühren. Ganz ausschließen kann die Gemeinde weitere Einschränkungen der Öffnungszeiten nicht, etwa wenn es erneut zu langwierigen Erkrankungen kommen sollte. Das ist für die Eltern unerfreulich, einige Kündigungen hat es in den vergangenen Wochen auch schon gegeben. „Wir bedauern das sehr“, sagt Kindergartenbeauftragter Johannes Alt. Denn Kindern in diesem Alter möchte man einen Wechsel der Bezugsperson eigentlich nicht zumuten. Alt versteht die Eltern schon – und hofft, dass die aktuelle Durststrecke tatsächlich so schnell wie möglich überwunden werden kann.

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