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Horror-Spezialist Boris Stirm präsentiert sich mit der Maske des ?Sumpfkönigs?.

Erschrecker

Wie lebt es sich als Sumpfmonster von Burg Frankenstein, Herr Stirm?

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Am Wochenende startete das Horror-Spektakel auf der Burg Frankenstein, das sich über Halloween bis zum 4. November fortsetzt. Ein Hattersheimer nimmt dabei eine zentrale Rolle ein.

Man kennt das ja: Wer jahrelang Erfahrung sammelt und unermüdlichen Einsatz zeigt, der hat sich irgendwann eine Auszeichnung verdient. Ehrenamtler, Handwerksmeister oder Mitarbeiter des Monats dürfen sich ihr gerahmtes Lob an die Wand nageln. Auch Boris Stirm hat immer zur Zufriedenheit von Kollegen und Kundschaft gearbeitet. Die entsprechende Urkunde hängt im Flur seiner Wohnung. Das Dokument zeichnet den Hattersheimer unter anderem mit den Worten „für 35 Jahre hervorragende Performance als „Sumpfmonster““ aus. Glaubt man der Auszeichnung, so hat sich Boris Stirm weit über ein Vierteljahrhundert als „Sumpfmonster“ verdient gemacht.

Wem dies etwas komisch vorkommt, der hat mit seinem Zweifel durchaus Recht. Denn natürlich arbeitet der Hattersheimer nicht als irgendein dahergelaufenes „Sumpfmonster“. Der korrekte Titel des 61-Jährigen ist „Sumpfkönig“, denn schließlich sitzt er bei seiner Tätigkeit auf einem finster wirkenden Thron. Auch die 35 Jahre sind nicht ganz korrekt. So lange arbeitet Stirm wirklich noch nicht im Sumpf. „Angefangen habe ich als Werwolf“, stellt der Hattersheim seinen „Monster-Lebenslauf“ richtig. Mittlerweile sind sogar schon 37 Jahre vergangen, seit Boris Stirm auf Burg Frankenstein als „Erschrecker“ begann. Das Gemäuer bei Darmstadt-Eberstadt beherbergt eines der ältesten Halloween-Spektakel Deutschlands. Bevor Freizeitparks den amerikanischen Gruseltrend für sich entdeckten, wurde auf der Burg mit dem bekannten Namen bereits Gänsehaut erzeugt. Boris Stirm besuchte die Horrorshow als junger Mann und wechselte auf die Seite der Schreckgestalten. „Heute bin ich wahrscheinlich Deutschlands dienstältestes Monster“, sagt er schmunzelnd.

Der 61-Jährige weiß, wie er den Besuchern das Blut in den Adern gefrieren lässt. „Man kann eigentlich jeden erschrecken“, hat Stirm im Lauf seiner Monsterkarriere gelernt. Vorlaute Halbstarke? Kein Problem! „Die gehen hier ganz klein wieder raus“, betont der Herrscher des Sumpfes. Das Geheimnis liege im richtigen Timing. „Man muss auch mal abwarten“, erläutert der Grusel-Veteran. Dann trifft der Schrecken die Gäste genau in dem Moment, in dem sie es am wenigsten erwarten. Besonders stolz ist der „Sumpfkönig“ übrigens darauf, dass es ihm bereits gelungen ist, Monsterkollegen zu erschrecken. „Das ist schon eine Leistung“, grinst Boris Stirm. Dass der Schreck sitzt, liegt an der offensiven Art des Halloween-Spektakels. „Wir machen Vollkontakt mit den Gästen“, erklärt Boris Stirm. Auf Burg Frankenstein ist es nicht unüblich, dass Besucher angepackt oder sogar gefesselt und kurzzeitig eingesperrt werden. „Da geht es schon zur Sache“, räumt der Hattersheimer ein. Dennoch gibt es einige Benimmregeln für die Wochenend-Monster: „Wenn jemand Panik kriegt, dann muss man schon Abstand halten“, erklärt der erfahrene „Erschrecker“. Beim speziellen Sonntagsprogramm für Kinder schüttele er auch mal Hände oder nehme sogar seine Maske ab. Im weiteren Gespräch wird schließlich deutlich, dass selbst Monster ein weiches Herz haben: Stirm erzählt vom Kontakt zu einem Mädchen, das er durch ein gemeinsames Foto im Sumpf kennenlernte. „Hallo Herr Monster. Sie haben mich nass gespritzt“, habe das Kind ihm im Anschluss geschrieben. Daraus habe sich ein bleibender Kontakt entwickelt, und mittlerweile sei das Mädchen eine junge Frau, die ihn mit ihren eigenen Kindern auf der Burg besuche. „Das ist schön“, findet der „Sumpfkönig“.

Die Idee, einen Sumpf mit echtem Wasser im Burghof anzulegen kam übrigens von Boris Stirm. Es habe mit einem Quadratmeter angefangen und sei von Jahr zu Jahr größer geworden, erzählt der 61-Jährige. „Der Sumpf ist heute ein Begriff“, sagt der König, der in seinem grünen Ganzkörperkostüm im Wasser thront. Sein Ziel ist es, die 40 Jahre als Monster voll zu machen.

Boris Stirm lebt seit 26 Jahren in Hattersheim. Für manchen Besucher wäre sicher schon der Aufenthalt in der Wohnung des „Sumpfkönigs“ der blanke Horror. Er teilt sein Wohnzimmer mit den Schlangen „Fred“ und „Wilma“ sowie Skorpion „Atila“ und Vogelspinne „Doris“. Wenn er nicht ins Halloween-Kostüm schlüpft, arbeitet der 61-Jährige beruflich an der Drehmaschine. Stirm mag Motorräder und – natürlich – Horrorfilme. Der

Gruselexperte

steht allerdings nicht auf die ganz derbe, blutige Kinokost. Lieber sind ihm die „Gruselklassiker“. Die alten Horrorstreifen bieten schließlich auch Parallelen zu seinem Erfolgsgeheimnis auf Burg Frankenstein: Monstermasken und das richtige Timing.

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