Eklatante Mängel

Mieter einer Neubau-Immobilie fühlt sich hinters Licht geführt

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Pfusch am Bau: Der Mieter einer teuren Wohnung stellt erst nach seinem Einzug fest, dass die Wohnräume eklatante Mängel

Dirk Groben will raus. Obwohl Wohnraum im Rhein-Main-Gebiet gefragt ist, möchte der IT-Fachmann seine Neubauwohnung im Hattersheimer Stadtteil Okriftel am liebsten schnellstmöglich wieder los werden. „Das war ganz anders geplant“, betont der Mieter, der im vergangenen Sommer zusammen mit seiner Freundin in ein Mehrfamilienhaus in der Ronneburgstraße 5 einzog. Von dem 2017 fertiggestellten Neubau versprach sich das Paar ein gehobenes Wohnerlebnis ohne Probleme. Immerhin zahlt Groben 954 Euro Kaltmiete für 68 Quadratmeter inklusive Balkon. So viel ist ihm der Neubau mittlerweile nicht mehr wert. Der Mieter berichtet, dass seine Geduld aufgrund mehrerer Probleme am Ende sei.

Viele Mängel wurden bereits behoben. Beim Einzug seien der Kalt- und Warmwasseranschluss verdreht gewesen. Dies habe dazu geführt, dass der Spülkasten der Toilette überlief, weil die Druckventile mit warmem Wasser nicht richtig funktionierten, berichtet Dirk Groben. Auch die Steuerung der Fußbodenheizung sei falsch angeschlossen gewesen. Ein Fenster im Arbeitszimmer habe sich nicht korrekt schließen lassen. Türen zum Schlaf- und Badezimmer fielen von selbst zu. Nach der Installation der Waschmaschine sei Wasser aus der Hebeanlage im Keller gelaufen, erzählt Groben. Er habe nach mehreren Telefonaten herausgefunden, dass die Hebepumpe eigentlich für eine Toilette gedacht ist. Die Pumpe sei vom Hausverwalter mit einer Metallschelle funktionsfähig gemacht worden. Gefährlich so der Mieter sei sein Elektroherd, da dieser einen Stromausfall auslöste, wenn man mehr als zwei Platten anschaltete. Das sei durch den Einbau einer stärkeren Sicherung verhindert worden. Dirk Groben fürchtet jedoch, dass das Grundproblem damit nicht behoben ist. Den angeblich versprochenen Außenstellplatz für Fahrräder vermisst er bis heute.

Besonders stört sich Groben momentan an Rissen, die sich an Decke und Wänden bilden. Dort seien spezieller Putz und Farbe auf Mineralbasis verwendet worden. Der Mieter zählt mehr als zehn Haarrisse. Von einem Handwerker habe er die inoffizielle Aussage erhalten, dass das Haus nicht genug getrocknet und zu früh bezogen wurde.

Er habe die Wohnung gemietet, weil er den Vermietern vertraute, sagt Dirk Groben. Das Wohnhaus ist ein Projekt der Frankfurter Rechtsanwälte Olaf Gerber und Alexander Haines. Bei Anwälten könne man davon ausgehen, dass diese sich an Regeln und deutsches Gesetz halten. Die Vermieter seien jedoch nie persönlich erreichbar gewesen, sagt Groben, der mittlerweile einen eigenen Anwalt eingeschaltet hat, um über Mietminderung zu streiten.

Das jüngste Problem im Mietshaus ereignete sich Anfang des Monats, als Wasser aus einer unvermieteten Kellerwohnung lief und das Untergeschoss überschwemmte. Dirk Groben vertritt die Ansicht, es sei angesichts der Installation nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es zu einem Wasserschaden kommt.

Vonseiten der Vermieter war gestern zunächst nur zu erfahren, dass es ein oder zwei Mängel gebe und Vergleichsgespräche zwischen beiden Parteien laufen. Gegen die Berichterstattung dieser Zeitung wurde mit einer Unterlassungsklage gedroht. Kurz darauf meldeten sich Hausverwalter Sven Hoffmann und Bauherr Nihat Sahin mit Stellungnahmen bei unserer Redaktion. Die Haarrisse im Neubau seien normal, weil die Decke noch ein bis zwei Jahre arbeite, erläuterte Sahin. Dass das Haus zu früh bezogen wurde, verneint er. Der Bauherr spricht von „Top-Wohnungen“. Dirk Groben dramatisiere die Lage. Nihat Sahins Aussagen zum Wasserschaden im Keller werfen Fragen auf. Aus dem Mund des Bauherrn klingt der Vorfall nach Sabotage. In der Hebeanlage seien Damenunterwäsche und ein Tuch gefunden worden, die jemand in die Toilette der unverschlossenen Kellerwohnung geworfen haben müsse.

Hausverwalter Sven Hoffmann hat ebenfalls nicht viel Verständnis für Dirk Groben. Es sei Wunsch der Vermieter, dass die Kommunikation über ihn laufe, und er habe immer reagiert und sich um Mängel gekümmert. Hoffmann ist der Ansicht, dass viele Probleme vor dem Bezug der Wohnung nicht erkennbar waren. So gut wie alle Anfangs-Mängel seien jedoch behoben. Als es Schwierigkeiten mit dem warmen Wasser gab, sei der Installateur am nächsten Tag da gewesen, die Fußbodenheizung sei innerhalb einer halben Woche eingestellt worden. Den Anschluss der Herdplatten über eine stärkere Sicherung habe ein Fachmann abgesegnet. Zur Hebepumpe im Keller sei ihm von einem Sanitärbetrieb versichert worden, dass es sich um das richtige Gerät handele, betont der Hausverwalter. Ein Gesprächstermin wegen der Haarrisse in Decke und Wänden sei für den 3. März vorgeschlagen worden. Der Mieter habe auf das Angebot nicht reagiert. Nun treffe man sich heute, um eine Lösung für das Problem zu besprechen. Dirk Groben will sich derweil nicht als Querulant darstellen lassen. Es gebe auch andere Mieter die von Mängeln betroffen und unzufrieden seien.

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