Günter Vowinkel ist seit fast 20 Jahren als Kapitän der "Okriftel" im Einsatz. Mit Mundschutz fährt er seit diesem Jahr jedoch zum ersten Mal. Foto: Kröner
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Günter Vowinkel ist seit fast 20 Jahren als Kapitän der "Okriftel" im Einsatz. Mit Mundschutz fährt er seit diesem Jahr jedoch zum ersten Mal. Foto: Kröner

Schifffahrt

Okriftel: Mit der Fähre über den Main

Günter Vowinkel steuert die "Okriftel" bereits seit fast 20 Jahren

Okriftel --Das monotone Brummen des Motors und das an- und abschwellende Plätschern des Wassers bilden die ständige akustische Untermalung an Bord der "Okriftel". Ab und zu wird die Geräuschkulisse durch einen Funkspruch unterbrochen, der aus den Armaturen neben dem Lenkrad krächzt. Fährmann Günter Vowinkel muss allerdings nicht reagieren; die Lautsprecher-Kommunikation betrifft ihn nicht. Stattdessen schlendert der 67-Jährige zum Heck des kleinen Fährnachens, wo Fahrradständer für den Transport mehrerer Drahtesel montiert sind. Bis zu 14 Fahrräder habe er bei Vollbetrieb schon an Bord gehabt, erzählt der Kapitän. In diesem Augenblick liegt seine Fähre jedoch leer vor dem Okrifteler Steg. Vowinkels Job erinnert an einen Angler, der geduldig wartet, bis die Kundschaft "anbeißt".

Dann sieht der erfahrene Schiffer plötzlich etwas auf der gegenüberliegenden Mainseite. "Da wartet jemand am anderen Ufer", stellt Günter Vowinkel fest und setzt die "Okriftel" in Bewegung. Obwohl sich die Fähre, von außen betrachtet, nicht sonderlich schnell fortzubewegen scheint, bekommt man an Bord die Beschleunigung zu spüren: Wasser spritzt und ein erfrischender Fahrtwind weht über den Fluss.

Kaum hat man alle neuen Reize verarbeitet, erreicht der Nachen auch schon die Mitte des Mains. Dort ist dann allerdings auch schon Schluss. Anstatt, wie erwartet, geradeaus Richtung Kelsterbach zu steuern, macht die Fähre einen 180-Grad-Bogen.

Der Grund wird mit einem erneuten Blick zum Ufer deutlich. Dort, wo eben noch ein vermeintlicher Passagier wartete, ist jetzt nur der leere Anlegesteg zu sehen. "Das kommt auch mal vor", nimmt Vowinkel das Verschwinden das Fahrgasts gelassen und lenkt die Fähre zurück zum Okrifteler "Heimathafen". Mit den meisten Mitfahrern kann dem Fährmann solch ein Missverständnis jedoch nicht passieren. Er kenne viele Kunden und spreche sich mit den Leuten ab, die am Abend noch zurückfahren wollen, sagt Vowinkel.

immer mit dabei

Ein Passagier hat dennoch Spaß an der kleinen Rundfahrt: Lino, treuer vierbeiniger Kamerad des Kapitäns, steht am Heck und kneift genüsslich die Augen zu, während ihm die feuchte Flussbrise um die Ohren weht. "Das ist schon der dritte Hund, der mich immer an Bord begleitet", erzählt Günter Vowinkel. Der 67-Jährige arbeitet in seinem 20. Jahr als Fährmann zwischen Okriftel und Kelsterbach. Der Containerdienst Bockhacker betreibt das Boot für die Stadt. Voraussetzung, um die Fähre zu steuern, ist ein Fährführerschein oder Schifferpatent. Günter Vowinkel besitzt die Papiere, weil er früher als Kapitän für eine Mainzer Kiesfirma arbeitete.

Der Fährmann ist froh, dass er dem Job auch in seiner 20. Saison nachgehen kann. Wegen der Corona-Krise startete der Fährbetrieb in diesem Jahr etwas später als geplant. Die "Okriftel" legte nicht zu Ostern ab, sondern erst zu Christi Himmelfahrt am 21. Mai. Der geringe Betrieb am vergangenen Samstag war laut Vowinkel nicht repräsentativ für den Zuspruch in der laufenden Saison. "Die ganze Zeit lief es gut", berichtet der 67-Jährige. Er geht davon aus, dass der angekündigte Regen viele Spaziergänger und Radfahrer am Wochenende abschreckte. "Wenn Regen angesagt ist, trauen sich die meisten nicht", erklärt der Fährmann.

Einen Rückgang der Kundschaft aufgrund von Corona könne er jedoch nicht feststellen. Die einzige Veränderung sei, dass er jetzt nur noch sechs Personen auf das Boot lassen darf. "Bei Hochbetrieb müssen dann ein paar Leute warten", erklärt der Kapitän. Aber die Überfahrt gehe ja schnell. Drei Minuten braucht die Fähre für eine Überquerung des Mains und weitere drei Minuten für die Rückfahrt. "Am längsten dauert das Ein- und Aussteigen", erklärt Günter Vowinkel, der sich auf ein Saisonende Mitte Oktober einstellt. Sascha Kröner

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