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In dem alten Backstein-Gebäude (rechts) an der Kirchgrabenstraße war einst die jüdische Schule untergebracht. Archiv-Foto: Nietner

Stadthistorie

Okriftel: Streit über Gedenkstätte geht weiter

SPD kritisiert den Bürgermeister wegen seiner Aussage in einem Kreisblatt-Bericht zur AG Opfergedenken.

Okriftel -Der historische Hintergrund der Auseinandersetzung ist schlimm sowie traurig genug. Doch dies hält keine der Parteien davon ab, kräftig vom Leder zu ziehen. Um was geht es dabei? Antwort: Um unterschiedliche Meinungen, wie mit der Stadthistorie umgegangen werden soll. In diesem Fall geht es um die einstige jüdische Schule, die einst in einem Gebäude an der Kirchgrabenstraße am Ex-Phrix-Areal eingerichtet war. Bekanntlich hatte sich die Arbeitsgemeinschaft (AG) Opfergedenken dafür ausgesprochen, in dem Gebäude eine Gedenkstätte einzurichten. Beim städtebaulichen Vertrag, der von der Stadt Hattersheim mit dem Investor des ehemaligen Phrix-Geländes, der Prinz von Preußen Aktiengesellschaft, geschlossen worden war, ist dazu aber nichts festgezurrt worden. Bürgermeister Klaus Schindling (CDU), der zurzeit aus Krankheitsgründen nicht im Dienst ist, hatte gegenüber dem Kreisblatt erklärt, dass bei dem städtebaulichen Vertrag andere Maßnahmen, die vom Investor finanziert werden, wichtiger gewesen seien. So zum Beispiel die Errichtung einer neuen Kindertagesstätte. Die Geschäftsführung des Investors selbst hatte sich auch nicht übermäßig ins Zeug gelegt, um solch eine Gedenkstätte in den Planungen zu berücksichtigen. Gesprächsbereit hatte sich der Vorstandschef allerdings durchaus gezeigt. Dennoch gibt es bislang keinen Planung für eine Gedenkstätte in dem Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule.

Die AG Opfergedenken befürchtet deshalb, dass dort ausschließlich Büroräume entstehen könnten. Nun hat sich auch die Hattersheimer SPD eingeschaltet. Etliche Sozialdemokraten engagieren sich in der AG Opfergedenken. Die Sozialdemokraten kritisieren Bürgermeister Klaus Schindling mit harschen Worten. Mit seinen Äußerungen zum Wirken der AG Opfergedenken habe er einen peinlichen Treffer im eigenen Netz gelandet, meinen die beiden Vorstandssprecher der Hattersheimer SPD, Volker Igstadt und Birgid Oertel. Die Arbeitsgemeinschaft Opfergedenken sei eine Einrichtung des Magistrats und nicht ein Verein. Die AG bestehe seit mehr als zehn Jahren. Sie habe sich zur Aufgabe gemacht, die Erkenntnisse aus der NS-Zeit der heutigen Generation mahnend vor Augen zu halten. Vorsitzender ist der amtierende Erste Stadtrat Karl-Heinz Spengler (FWG).

Die Bemerkung von Rathauschef Klaus Schindling auf eine Nachfrage des Kreisblatts, dass die Forderung der AG für eine andere Nutzung zu werben, schon "fast frech" sei, hält die SPD für "mehr als dreist und respektlos". Der Bevollmächtigte des Investors habe "vor Jahren" eine Nutzung in Aussicht gestellt, die auch die Geschichte der Phrix-Fabrik sowie deren Eigentümer und dem damaligen jüdisches Leben in Okriftel miteinbeziehe, behaupten die Sozialdemokraten.

Jeder, der sich im Geschäft auskenne, wisse, was man in einem Nutzungsvertrag vereinbaren könne, wenn man nur wolle. Durch seine Aussage in dem vorher angeführten Bericht des Höchster Kreisblatts werde erneut deutlich, dass Bürgermeister Schindling an einer solchen Gedenkstätte kein Interesse habe. Daraus habe er nie einen Hehl gemacht, stellen die beiden SPD-Sprecher fest. .

Seine vor kurzem im Kreisblatt veröffentlichte Äußerung sei aber "ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich ehrenamtlich in und für die Stadt Hattersheim engagierten", erklärten Volker Igstadt und Birgid Oertel. Festzustellen sei, dass sich die Stadt Hattersheim bei den Aktionen der AG finanziell sehr zurückgehalten habe. Die meisten Aktionen seien durch Spenden, für die AG-Mitgliedern gesorgt hätten, finanziert worden.

Dem Bürgermeister empfehlen die beiden SPD-Sprecher als Lektüre das "Lesebuch zur Geschichte und Gegenwart von Hattersheim am Main". Dabei könne sich der Rathauschef ein Bild machen von den Aktivitäten der städtischen AG Opfergedenken, dem Engagement der Heinrich-Böll-Schule sowie dem ehrenamtlichen Einsatz vieler Bürgerinnen und Bürger. Abschließend bleibe die Bitte an Schindling, sein Handeln zum Umgang mit der Geschichte zu überdenken.

Starken Tobak gibt es zum Schluss der Mitteilung: Der Rathauschef habe die Meinung Andersdenkender "zu respektieren und nicht zu diffamieren". meh

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