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Die Orgel in der Kirche St. Martinus soll noch besser klingen

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Von: Sascha Kröner

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Organist Walter Langer beim Blick in die Orgel von St. Martinus.
Organist Walter Langer beim Blick in die Orgel von St. Martinus. © Hans Nietner

Die Gemeinde muss 40 000 Euro für die Arbeiten an der Orgel aufbringen. Zuschüsse vom Bistum Limburg gibt es dazu nicht. Deshalb spielen die Organisten 2018 Benefizkonzerte.

Obwohl er regelmäßig bei den Gottesdiensten anwesend ist, bekommen ihn Besucher nur selten zu Gesicht: Organist Walter Langer spielt seit 1978 auf der Orgel in der katholischen Kirche St. Martinus. Seit Arbeitsplatz befindet sich auf der Empore über den Köpfen der Gemeindemitglieder. Seit einigen Tagen hat sich das Reich des Kirchenmusikers jedoch in eine Baustelle verwandelt. Vom Spieltisch, an dem der 59-Jährige normalerweise sitzt, ist nur noch ein ausgehöhltes Gestell übrig. Eine Fachfirma ist angerückt, um das große Musikinstrument im Gotteshaus zu erneuern und einzustellen.

Zum Weihnachtsfest soll die Orgel, die im Jahr 1936 von der Limburger Firma Wagenbach angefertigt wurde, wieder erklingen. Der Klang, den er sich für die Zukunft erhoffe, sei „voller“ und „fülliger“, beschreibt Walter Langer. Er sieht die Sanierung nicht als Luxusmaßnahme, sondern als eine Optimierung im Rahmen des Möglichen. 28 Jahre nach der letzten Grunderneuerung müsse unter anderem die Elektrik verbessert werden, um allen Anforderungen des Brandschutzes gerecht zu werden. Weitere Maßnahmen zielen darüber hinaus auf eine Verbesserung der Spielbarkeit und des Klanges. „Es summiert sich“, sagt Walter Langer, der das Instrument sehr gut kennt. Vor einigen Jahren habe er 25 Orgeldienste im Monat gespielt. „Das war mehr als ein Hobby“, sagt der Musiker.

Die heutige Orgel in St. Martinus ist das Resultat früherer Erneuerungsmaßnahmen: Im Jahr 1976 wurde die pneumatische Steuerung auf ein elektropneumatisches System umgestellt. Die Verbindung zwischen Tasten und Pfeifenventilen erfolgte nicht mehr alleine durch Luftdruck, sondern mit elektrischen Kontakten. Der Spieltisch wurde außerdem um ein drittes Manual für weitere Tasten erweitert.

Es sei jedoch nicht genutzt worden, weil entsprechende Register mit Orgelpfeifen fehlten, sagt Langer. Diese wurden dann im Jahr 1989 im Rahmen einer umfassenden Erweiterung der Orgel angeschafft. Walter Langer ersteigerte persönlich mehrere Pfeifen, die den Grundstein der Erneuerung bildeten. Dieser letzte Schritt zur Modernisierung liegt nun bereits 28 Jahre zurück. Seither habe sich einiges ergeben, was man klanglich optimieren kann, erklärt der Organist. Die Überarbeitung der Orgel befindet sich schon seit einigen Jahren auf dem Radar der Kirchengemeinde, erhielt aber erst vor kurzem grünes Licht vom Verwaltungsrat.

Unter anderem müssen Verschleißteile ausgetauscht werden. Langer nennt das Beispiel zahlreicher Ledermembranen, die den Luftstrom zu den Pfeifen kontrollieren. Darüber hinaus wird ein Register mit 56 Pfeifen komplett erneuert. Ein weiteres solle überarbeitet werden, weil es zu spitz und schrill klinge, berichtet Walter Langer. Klaviatur und Pedale werden neu eingestellt. Der Spieltisch habe mit der Zeit angefangen, zu klappern, erzählt der 59-Jährige. Die Gemeinde lässt auch den alten Windmotor austauschen, der noch aus dem Erbauungsjahr 1936 stammt. Nach der Erneuerung soll es außerdem möglich sein, den gesamten Klang der Orgel um eine Oktave zu verändern. Das Orgelbauunternehmen Mayer aus Saarbrücken führt die Arbeiten durch. Für die gesamte Maßnahme muss die Gemeinde 40 000 Euro aufbringen. Zuschüsse vom Bistum Limburg gibt es nicht.

Walter Langer teilt sich den Job des Organisten mit Jens-Uwe Schunk, dem Leiter des Kirchenchores von St. Martinus. Sowohl der Kirchenchor als auch er selbst würden im kommenden Jahr Konzerte spielen, um Geld für die Orgelsanierung zu sammeln, verrät Walter Langer. Das Instrument soll aber schon zu Weihnachten wieder einsatzbereit sein. Bis dahin müssen Gottesdienstbesucher allerdings nicht auf Musik verzichten: Die Kirche verfüge über eine elektronische Chororgel, die in den kommenden Wochen als Ersatz diene, erläutert Walter Langer.

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