Kommunalprogramm

Die Stadt wird Kompass-Kommune

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Hattersheim soll sicherer werden. Die Stadt nimmt am Kommunalprogramm Sicherheitssiegel (Kompass) des hessischen Innenministeriums teil. Innenminister Peter Beuth besuchte Hattersheim zusammen mit einer Abordnung des Polizeipräsidiums Westhessen. Künftig sollen Maßnahmen zur Prävention ausgebaut werden.

So richtig dramatisch ist die Lage offensichtlich auf den ersten Blick nicht. Der hessische Innenminister bescheinigt der Mainstadt eine unterdurchschnittliche Kriminalitätsstatistik. Laut Peter Beuth (CDU) verfügt Hattersheim über eine Aufklärungsquote von 70 Prozent. Stefan Müller, Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, liefert Zahlen von 1300 bis 1500 Straftaten im Jahr. Als Auffälligkeit hob Müller jedoch die recht hohe Zahl an vorsätzlichen leichten Körperverletzungen hervor. Diese führen die Statistik mit 131 Fällen an. „Wo kommt das her?“, fragt der Polizeipräsident. Als mögliche Hintergründe nennt er häusliche Gewalt, aber auch bauliche Voraussetzung, die Konflikte in gewissen Gebieten begünstigen. Darüber hinaus zählt die Polizei in Hattersheim jährlich 120 Sachbeschädigungen und 65 Wohnungseinbrüche.

Als Besonderheit im Stadtgebiet führte Stefan Müller die Siedlung südlich der Bahnlinie an. Dort leben viele sozial benachteiligte Menschen in Wohnkomplexen der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft. Besondere Beachtung sollte außerdem für die Flüchtlingsunterkunft im Kastengrund gelten.

Der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen hob auch Fälle von Islamismus hervor. Drei Schüler der Hattersheimer Heinrich-Böll-Schule seien nach Syrien ausgereist. Deshalb sollte die Polizei Salafismus und Moscheen als weiteres Thema im Auge behalten. Müller betonte jedoch, dass es „keine dringenden Warnmeldungen“ für Hattersheim gebe. Dennoch seien die Syrienreisen im Vergleich mit anderen Kommunen eine Besonderheit.

„Wir haben hier keine hohe Kriminalität, aber durchaus ein berechtigtes Interesse zu sagen: Da geht noch was“, erklärt Bürgermeister Klaus Schindling (CDU). Sicherheit sei ein zentrales Thema der derzeitigen politischen Mehrheit, so der Hattersheimer Verwaltungschef. Schindling hat nach seiner Amtsübernahme bereits eine zusätzliche vierte Stelle für Hattersheimer Ordnungspolizisten geschaffen. Allerdings seien auch vier Ordnungshüter zu wenig für 30 000 Einwohner, meint der Bürgermeister. Zur besonderen Situation der Siedlung südlich der Bahnlinie erklärte Schindling, dass man einen Stadtteil, in dem mehrere sozial benachteiligte Menschen geballt auf einem Fleck leben, heutzutage wahrscheinlich nicht mehr in dieser Form planen würde.

Ziel der Kompass-Initiative sei es, Kommunen mit ins Boot zu nehmen und „passgenaue Lösungen“ für sicherheitsrelevante Fragen zu schaffen, erläutert Innenminister Beuth. Dies trage zu einer Verbesserung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Bürger bei. Das Land weist den hessischen Polizeipräsidien insgesamt 14 weitere Stellen im Rahmen des Programms zu. Darüber hinaus werden 30 zusätzliche „Schutzmänner vor Ort“ eingesetzt.

Doch was erwartet Hattersheim als neue Kompass-Kommune? Zunächst soll die Lage vor Ort auf mehreren Ebenen analysiert werden. Mit Ergebnissen einer Umfrage aus dem Jahr 2016 und weiteren künftigen Bürgerbeteiligungen werden die Sorgen der Hattersheimer aufgenommen.

Bis Anfang des kommenden Jahres soll die Analyse abgeschlossen sein. Daraus leiten Stadt und Polizei dann kurzfristige, mittelfristige und langfristige Aufgaben ab. Im ersten Halbjahr 2019 könnten die ersten Maßnahmen Realität werden. Polizeipräsident Müller bezieht sich auf Erfahrungen im nahe gelegenen Schwalbach, das zu den Kompass-Pilotkommunen gehörte. „Nach eine Dreivierteljahr sind wir da so richtig ins Laufen gekommen“, sagt der Experte. Hattersheim ist eine von acht Kompass-Kommunen in Hessen und die vierte Teilnehmerstadt im Main-Taunus-Kreis. Schwalbach, Eschborn und Bad Soden sind ebenfalls dabei.

Jede Kommune habe andere Voraussetzungen, erläutert Stefan Müller. Die Maßnahmen können von Beratungen bei der Entwicklung eines Neubaugebietes bis zum Heckenschnitt an einer dunklen Bahnunterführung reichen.

Ein schickes Schild mit der Aufschrift „Kompass“ durfte Verwaltungschef Schindling bereits vom Innenminister entgegen nehmen. Am Ende einer erfolgreichen Umsetzung steht die Auszeichnung mit dem Sicherheitssiegel. Das Programm wird wissenschaftlich begleitet und die Ergebnisse entsprechend ausgewertet.

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