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Hier, im ehemaligen Sarotti-Werkstattgebäude, soll ein Heimatmuseum entstehen.

Ehemaliges Sarotti-Gebäude

Startschuss für Hattersheimer Heimatmuseum

Hattersheim soll sein erstes eigenes Heimatmuseum bekommen. Eine Million Euro soll die Sanierung des ehemaligen Sarotti-Gebäudes kosten. Der Geschichtsverein stellte das Projekt nun vor.

Statt am Samstagmorgen gemütlich mit der Familie zu frühstücken, Einkäufe zu erledigen oder das Auto zu waschen, zog es fast 100 Hattersheimer um 11 Uhr zu der Informationsveranstaltung des Geschichtsvereins am ehemaligen Sarotti-Gebäude. Aus gutem Grund: Nach rund zwölfmonatiger Vorbereitung steht dem Projekt Heimatmuseum nichts mehr im Weg. Eine Million Euro stellt die Nestlé GmbH nun für die Sanierung des Gebäudes zur Verfügung. Holger Diefenbach, Ingo Rösler und die Real Grundbau sind die Investoren, die mit diesem Geld und der nötigen Einsatzbereitschaft dem „Heimatmuseums Team“ zur Seite stehen.

Das ehemalige Werkstattgebäude der Sarotti AG wird bald in neuem, aber auch altem Licht erstrahlen. Der Startschuss für das Heimatmuseum, ein umfassendes Projekt mit verschiedenen Abteilungen rund um die Geschichte Hattersheims, ertönte mit der Baugenehmigung des Projektes. Ein Team aus einem Archäologen, einem Innenarchitekten und einer Museumswissenschaftlerin hat sich der Aufgabe angenommen und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im Neubau, der in modernem Design an die nicht denkmalgeschützte Südseite des historischen Gebäudes angebaut wird, soll die Abteilung Stadtgeschichte untergebracht werden sowie der Eingangsbereich, eine Restauration und zur Freude der Sarotti Fans eine „Mohrenparade“, die von außen sichtbar sein wird.

Im westlichen Kopfbau des alten Werkstattgebäudes werden die archäologischen Funde zu bewundern sein und der restliche Teil wird dem Thema Industriegeschichte gewidmet. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Geschichte des weltbekannten Sarotti Mohren und der Schokoladenproduktion. Ein weiteres Highlight: Eine Schau über den Eddersheimer Anton Flettner, der den Hubschrauber-Propeller erfand.

Bei aller Vorfreude auf das Museum, sind offensichtlich nicht alle Anwohner glücklich mit dem Neubau und der kommenden Gastronomie. „Ich habe nichts gegen das Museum, aber die geplante komplette Glasfront und der Biergarten bereiten uns einiges Kopfzerbrechen“, sagte etwa Thomas Wilhelm.

Spaß hatten alle Teilnehmer dafür an den Sarotti-Werbespots, die einen Bogen von den Zeichentrickfilmen der 1950er bis zur TV-Werbung der 1970er Jahre spannten. Zur Verfügung gestellt hatte dies Zeitdokumente Prof. Harald Pulch aus Wiesbaden, der dafür sein umfangreiches Filmarchiv geöffnet hatte.

Zum Hintergrund: Im 19 Jahrhundert gründete der Berliner Konditor Hugo Hoffmann in der Berliner Mohrenstraße sein Unternehmen zur Herstellung von Fruchtpasteten und Fondants und war damit so erfolgreich, dass er 1872 das Confiserie Geschäft Felix und Sarotti übernehmen konnte. 1903 wurde die „Sarotti Chocoladen und Cacao Aktiengesellschaft“ gegründet. Den „Sarotti Mohr“, der 1922 als eigenes Markenzeichen eingetragen wurde, erfand der Werbefachmann Julius Gipkens.

Die Firma wurde von Hoffmanns Sohn Max weitergeführt. 1929 übernahm die Schweizer Aktiengesellschaft Nestlé die Mehrheit an der Sarotti AG. Im gleichen Jahr fand das Unternehmen ein neues Zuhause im Rhein Main Gebiet indem es eine Schokoladefabrik in Hattersheim am Main kaufte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (währenddessen war die Produktion unterbrochen), 1949, wurde der Hauptsitz der Sarotti AG nach Hattersheim verlegt und das Unternehmen widmete sich wieder der Schokoladenproduktion, die 1964 von der Inbetriebnahme einer der modernsten Schokoladenherstellungsanlagen gekrönt wurde. 1998 übernahm die Stollwerk GmbH die Traditionsmarke, die 2011 an eine belgische Firma weiterverkauft wurde.

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