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Das Bild zeigt ein Fahrzeug, das vor über einem Jahr am Hessendamm angesteckt wurde. Damals sorgte eine Serie von Brandstiftungen bei der Bevölkerung für Aufregung. Archivfotos: Hans Nietner und CDU

Sicherheit

Straftaten lassen sich nicht komplett verhindern

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Brandstifter und Vandalen lieferten zuletzt mehrfach Negativschlagzeilen in Hattersheim. Ist die Stadt ein gefährliches Pflaster? Nein. Doch Bürgermeister Klaus Schindling weiß um die Sorgen der Bürger und legt dar, was er zu tun gedenkt.

Bei seinem Amtsantritt im Oktober 2016 hat Verwaltungschef Klaus Schindling (CDU) Sicherheit und Ordnung zur Chefsache gemacht. Der Bürgermeister setzte sich dafür ein, die Hattersheimer Ordnungspolizei mit einem neuen Fahrzeug auszustatten. Verstärkung gab es in Form eines vierten Mitarbeiters. Eine fünfte Stelle ist im Haushaltsplan vorgesehen. Doch haben die bisherigen Maßnahmen überhaupt etwas gebracht? Vor einer Woche brannte ein Fahrzeug in der Siedlung südlich der Bahnlinie, zwei weitere Fälle mutmaßlicher Brandstiftung ereigneten sich im Dezember. Unbekannte verwüsteten in diesem Monat die Toiletten auf dem Hattersheimer Friedhof. Im Vorjahr sorgten Vandalen für Ärger, als sie Bücher aus einem öffentlichen Bücherschrank zerstörten und im Weiher des Stadtparks verteilten.

Präsenz ist hilfreich

Der Eindruck, Hattersheim sei ein gefährliches Pflaster, ist trotz solcher Beispiele falsch. Anlässlich des Hattersheimer Einstiegs beim „Kommunalprogramm Sicherheitssiegel“ („Kompass“) erläuterte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) im Vorjahr, dass Hattersheim über eine Aufklärungsquote von etwa 70 Prozent der registrierten Straftaten verfüge. Die Zahl der jährlichen Straftaten stufte die Polizei mit 1300 bis 1500 als nicht besonders dramatisch ein. „Kompass“ ist eine Sicherheitsinitiative des Landes Hessen. Sie zielt darauf ab, für jede Kommune eine passgenaue Lösung mit vorwiegend präventiven, aber auch restriktiven Maßnahmen zu entwickeln.

Für Verwaltungschef Schindling, der mit Sicherheit wirbt, ist jedes bekannt gewordene Vergehen ein Ärgernis. „Es tut mir leid für jedes einzelne Mal“, betont der Bürgermeister. Dass die Verstärkung von Kontrollen nichts bringe, glaubt der Christdemokrat allerdings nicht. Schließlich ist es leichter, verbliebene negative Ereignisse aufzuzählen, als Beweise für potenzielle Straftaten zu bringen, die verhindert wurden. Er sei überzeugt, dass durch die verstärkte Präsenz der Hattersheimer Ordnungshüter die eine oder andere Ordnungswidrigkeit gestoppt werden konnte, erklärt Klaus Schindling.

Manchmal seien es vielleicht nur Kleinigkeiten – etwa, dass Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht in Parkanlagen zurücklassen. Die Gegenwart der Ordnungspolizei sei aber wichtig, meint der Rathauschef. Gleichzeitig müsse er ehrlich zugeben, dass sich nicht jedes Fehlverhalten ausschalten lasse. Wenn jemand tagsüber von der Anwesenheit der Stadtpolizei gehindert werde, ein Schild zu beschmieren, komme derjenige vielleicht einfach nachts wieder, weiß Schindling. „Natürlich sollen möglichst wenige Ordnungswidrigkeiten das Ziel sein“, betont der Bürgermeister. „Wir werden aber keine komplett Ordnungswidrigkeiten und Straftaten freie Zone hinkriegen.“ Mit ein bis zwei Mitarbeitern und einem Fahrzeug mehr sei es nicht möglich, in drei Stadtteilen alles zu verhindern.

Sozialarbeiter einbinden

Pläne zur weiteren Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen gibt es bereits. Neben der Zusammenarbeit mit der Landespolizei könnte punktuell auch ein Sicherheitsdienst engagiert werden, um die Arbeit der Ordnungspolizei zu ergänzen, berichtet Schindling. Auch die Installation von Überwachungskameras an besonders kritischen Stellen sei ein Option, solange der Datenschutz gewahrt bleibe. Der Einsatz von Kameras gehöre zu den Punkten, die im Rahmen des Kompass-Programms mit Polizei und Bürgern diskutiert werden sollen. Die im Haushaltsplan vorgesehene fünfte Stelle bei der Ordnungspolizei kommt voraussichtlich im Jahre 2020. Ihm schwebe außerdem die Schaffung eines sechsten Posten vor, verrät Schindling. Außerdem wolle er die Zusammenarbeit mit Hattersheimer Bürgern im Rahmen eines Freiwilligen Polizeidienstes voran treiben.

Der 50 Jahre alte Verwaltungschef erkennt an, dass Überwachung und Kontrolle mit Prävention gepaart werden müssen. Dazu gehöre beispielsweise die Beschäftigung von zwei Streetworkern und das Angebot eines Jugendcafés, das vor wenigen Tagen vom DRK in der Pregelstraße eröffnet wurde. Solche „weichen“ Maßnahmen haben aus Sicht des Bürgermeisters jedoch klare Grenzen: „Ich gehöre nicht zu den Idealisten, die sagen: Nur mit Streetworkern verhindern wir alle Straftaten.“

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