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Kater Paulchen war in sehr schlimmem Zustand, als er im Tierheim abgegeben wurde.

Tierheim

Trauriger Rekord: Katzen und Hunde werden abgegeben, weil sie krank sind

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Die Sommerferien sind längst vorüber, was bleibt, ist ein übervolles Tierheim mit jeder Menge trauriger Tierschicksale.

Paulchen ist ein tapferer, kleiner Kerl. Selten haben die Helfer des Tierheims ein Tier in einem solch schlimmen Zustand gesehen. Auch der Tierärztin habe es die Sprache verschlagen, als sie den drolligen kleinen Kater zum ersten Mal untersuchte, erzählt Christian Reiter, Vorsitzender der Hattersheimer Tierschutzvereins. Nicht nur, dass Paulchen an einem eosinophilen Granulom litt – einer Erkrankung, bei der es zu starken Entzündungen vor allem in an der Haut und im Maul kommt – außerdem war seine rechte Gesichtshälfte blutig, haarlos und äußerst entzündet. Er muss fürchterlich gelitten haben.

Paulchen ist nur eines von vielen Tieren, die in den vergangenen Wochen im Tierheim gelandet sind. „Leider wurden vor allem in den Sommerferien wieder zahlreiche Tiere bei uns abgegeben. Wie in den Jahren zuvor handelte es sich hierbei überwiegend um kranke Tiere. Wir sind am Rande unserer Kapazitäten, bis auf zwei Hundezwinger ist momentan alles belegt“, schildert der Vorsitzende des Hattersheimer Tierschutzvereins, Christian Reiter. Auch das Katzenhaus ist voll, einen Teil der Katzen müssen die Tierschützer zurzeit bei Kollegen unterbringen. Das ist für die freiwilligen Helfer nicht einfach, denn viele der Katzen haben Nachwuchs und halten ihre Pflege-Eltern dadurch besonders auf Trab.

Obwohl Tierschutzorganisationen landauf, landab nahezu gebetsmühlenartig auf die Ferienproblematik aufmerksam machen, haben Christian Reiter und seine ehrenamtlichen Kollegen in diesem Jahr besonders viele Fälle ausgesetzter und abgebener Tiere registriert. „Es war in den Jahren zuvor etwas entspannter – aber in diesem Sommer war erster Linie kranke und traumatisierte Katzen und Hunde, die bei den Tierschützern abgegeben werden. Dass solche Fälle in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben, führt Reiter darauf zurück, dass bei vielen Haltern das Geld nicht mehr für die Tierarztbehandlung reicht. Oder sie warten erst ab, bis es fast zu spät ist. So wie bei Paulchen oder seiner Diabetes-kranken Artgenossin Mini. „Für die beiden suchen wir nun ein Zuhause bei verantwortungsvollen Tierfreunden. Paulchen ist ein echter Traumkater. Liegt er in seinem Körbchen und man geht auf ihn zu, faucht er erst. Aber sobald man anfängt, ihn zu kraulen, schnurrt er wie ein Weltmeister. Besonders würden wir uns freuen, wenn die beiden ein gemeinsames Zuhause finden würden.“

Zu schaffen macht den Tierschützern außerdem, dass viele teils schwer traumatisierte Tiere abgegeben werden. „Vielen Hunden und Katzen können wir mit viel Zeit und Zuwendung helfen, sie auf ein neues zu Hause vorzubereiten. Es gibt aber auch Ausnahmen, die sich leider nicht in eine Familie vermitteln lassen“, sagt der Vorsitzende des Tierschutzvereins. Einige der Hunde beispielsweise haben nie gelernt, sich an Menschen orientieren können, für diese suchen die Tierschützer einen Gnadenhof, der ihnen ein Leben im Rudel ermöglicht. Sorgen bereiten den Tierschützern auch Hunde, die immer wieder zuschnappen können: Diese Tiere sind ebenfalls kaum vermittelbar. „Auch hier sind wir auf professionelle Hilfe und Pflegeplätze angewiesen.“ Das bereitet den Tierschützern Probleme, „denn solche Plätze sind zum großen Teil mit Kosten verbunden, die wir nicht aufbringen können. Deshalb sind wir auf Unterstützung angewiesen“, appelliert Christian Reiter an Tierfreunde. Wer helfen möchte, kann eine Patenschaft übernehmen oder den traumatisierten Tiere mit einer Spende helfen, damit diese Vierbeiner ein geeignetes Zuhause finden können.

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