+
Über 100 Feuerwehrleute waren am Abend des 3. September bei dem verheerenden Brand ?Im Lechenfeld? im Einsatz.

Brandstiftung

Verdächtiger ist nach vorübergehendem Aufenthalt in Psychiatrie wieder frei

  • schließen

Der Hattersheimer war schon mal wegen Brandstiftung angeklagt. Der 47-Jährige wurde jedoch freigesprochen. Nun soll er wohl wieder gezündelt haben.

Die Polizei ist sicher, den Brandstifter ermittelt zu haben, der ein Wohnmobil in der Straße „Im Lerchenfeld“ angezündet hatte. Von dort sprang das Feuer am Abend des 3. September gegen 21 Uhr auf ein Reiheneckhaus über. Die Feuerwehr konnte nicht mehr verhindern, dass das Feuer über die Flachdächer auf zwei weitere Reihenhäuser übergreifen konnte. Drei Häuser waren unbewohnbar geworden, der Gesamtschaden beträgt nach derzeitigem Stand 900 000 Euro. Brandsachverständige des Hessischen Landeskriminalamtes hatten damals schon schnell einen technischen Defekt als Brandursache ausgeschlossen.

„Folglich konzentrierten sich die weiteren Untersuchungen, insbesondere die Befragungen und Vernehmungen von zahlreichen Zeugen, auf eine mögliche vorsätzliche oder fahrlässig Inbrandsetzung“, heißt es in einer Pressemitteilung, die gestern die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Polizeipräsidium Westhessen gemeinsam herausgegeben haben. Nun hätten die Ermittler einen „herausragenden Erfolg“ erzielt.

Bei den intensiven Ermittlungen war ziemlich schnell ein 47 Jahre alter Deutscher ins Visier der Fahnder geraten. Der Mann war bereits wegen unterschiedlicher Branddelikte der Kripo aufgefallen. Nach Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft wurde die Wohnung des Verdächtigen untersucht und dieser von der Kripo verhört. Aufgrund seiner psychischen Verfassung wurde der Mann in eine Klinik eingeliefert, aus der er mittlerweile schon wieder entlassen wurde. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft liegen keine Haftgründe vor, weshalb der Tatverdächtige wieder auf freiem Fuß ist. Es bestehe keine Flucht- und auch keine Wiederholungsgefahr, so gestern die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen.

Einen Haftgrund im Rahmen der möglichen Wiederholungsgefahr würde da auch nicht die Tatsache begründen, dass gegen den Mann bereits schon mal Anklage wegen Brandstiftung erhoben wurde. Da in dem Verfahren ein Freispruch ergangen sei, könnten die Beweise auch nicht ganz stichhaltig gewesen sein, auch wenn derzeit noch die Revision anhängig ist, so Niesen im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Festnahme des damals 46-Jährigen in unmittelbarer Nähe eines Feuers hatte im Dezember 2016 eine längere Brandserie beendet. In den Wochen zuvor hatten immer wieder Kleintransporter und auch Gartenhütten sowie der Lagerraum eines Gemüsehändlers gebrannt. Schon damals war der Mann wegen einer psychiatrischen Erkrankung in eine Klinik eingewiesen worden.

Die Polizei sieht sich derzeit wieder in der schwierigen Beweislage, „denn Spuren hinterlässt ein Brandstifter kaum“, erklärt Polizeisprecher Johannes Neumann. Obwohl sich die Beamten ziemlich sicher sind, reichen die Ermittlungsergebnisse für eine Inhaftierung des Hattersheimers nicht aus. „Es ist schon ziemlich ernüchternd, wenn die Beweislage nicht ausreicht, den Mann hinter Gitter zu bringen“, so Neumann.

Ob allerdings noch mehr Brände dem 47-Jährigen zur Last gelegt werden können, ist derzeit noch völlig unklar. In der letzten Zeit hatte es jedoch noch weitere Fälle von Brandstiftung in Hattersheim gegeben.

So soll der Brand eines Transporters in der Teplitzer Straße am 28. September gelegt worden sein, wie auch das Feuer in einer Gartenanlage an der Wasserwerkschaussee am 21. September. Auch wenn bei dem Feuer in der Kleingartenkolonie, bei dem am 4. Oktober zwei Gartenhäuser komplett und vier teils erheblich beschädigt wurden, noch ein technischer Defekt nicht ausgeschlossen werden kann, so ist doch auch hier der Verdacht einer Brandlegung gegeben.

Um in diesen Fällen den Täter dingfest zu machen, kann für die Ermittler jeder Hinweis sehr wichtig sein. Deshalb werden Zeugen gebeten, die etwas Verdächtiges beobachtet haben, was mit den Bränden in Zusammenhang steht, sich bei der Polizei in Hofheim unter der Telefonnummer (0 61 92) 20790 zu melden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare