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An der Sindlinger Meisterschule fühlt sich Leon Beinert bestens aufgehoben.

Schule

Hauptschule: Dagmar Beinert trotzte Vorurteilen und wählte die Sindlinger Meisterschule für ihren Sohn Leon aus

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Bis April haben etwa 700 000 Eltern hierzulande wieder die Qual der Wahl: Auf welche weiterführende Schule sollen sie ihr Kind nach der Grundschule schicken? Die Schwanheimerin Dagmar Beinert hat gemeinsam mit ihrem Sohn Leon eine Entscheidung getroffen, die sie bis heute nicht bereut hat – auch wenn sie nicht jeder verstehen mag.

Betretenes Schweigen, abschätzige Blicke, pikiert hochgezogene Augenbrauen: Dagmar Beinert kennt sie nur zu gut, die Bandbreite der Reaktionen ihrer Mitmenschen, wenn sie ihnen erzählt, dass ihr Sohn Leon eine Hauptschule besucht. Dennoch trafen sie, ihr Mann und Leon diese Entscheidung vor zwei Jahren nach gründlicher Prüfung und aus voller Überzeugung, wie sie erzählt. „Wir haben uns auch viele Privatschulen angeschaut“, berichtet sie. Bei diesen Besuchen machte sie die Erfahrung, dass dort „jeder, der nicht genau ins Raster passt“, nicht willkommen sei.

15 Schüler pro Klasse

Auch, dass ihr älterer Sohn Daniel (16) ein Gymnasium besucht und dort sehr zufrieden ist, habe die Entscheidung für Leons künftige Lehranstalt nicht zum Selbstläufer gemacht, denn: „Ich bin überzeugt davon, dass es für jedes Kind die richtige Schule gibt.“ Und als solche stellte sich die Sindlinger Meisterschule für ihren Leon heraus.

Warum? Da ist zum einen die mit nur 15 Schülern geringe Klassengröße, von der man an vielen anderen Schulen nur träumen kann. Den Unterricht leiten zudem „durchweg engagierte Lehrer“, wie Dagmar Beinert, die auch im Elternbeirat der Ganztagsschule ist, lobt.

Pferde auf dem Pausenhof

Darunter sind auch Pädagogen, die den Mut haben, ausgetretene Pfade einmal zu verlassen und ihren Schülern den Lehrstoff auf ebenso ungewöhnliche wie lebensnahe Weise näherzubringen. Wie jene Biologielehrerin, privat eine begeisterte Reiterin, die einmal zwei ihrer Pferde an ihre Sindlinger Schule brachte, wo sie auf dem Pausenhof den Fünft- und Sechstklässlern als anatomisches Anschauungsmaterial dienten. „Dass die Lehrerin so etwas macht und die Schulleiterin sie machen lässt, finde ich großartig“, sagt Dagmar Beinert.

Auch das sonstige Angebot der Lehranstalt, die Grund- und Hauptschule vereinigt, hat sie überzeugt – etwa der wunderschöne gepachtete Schrebergarten, an denen die Schüler ihre grünen Daumen entwickeln können.

Ein weiteres Argument für die Meisterschule: Der Leibesertüchtigung gilt hier ein besonderes Augenmerk – das kommt Leon sehr entgegen. „Sechs Stunden in der Woche machen wir Sport“, erzählt er begeistert. So kann er seiner Liebe zum Handball nicht nur im Verein, sondern auch im Sportunterricht frönen. Und seine zweite sportliche Leidenschaft, das Rudern, wurde gar in der Meisterschule erst geweckt. Eine frühe Brücke in die Berufswelt wiederum schlagen die verschiedenen Unterrichtsfächer der Arbeitslehre (AL), die die Schule anbietet. Leon etwa mag besonders das praktische Arbeiten und Basteln in der Handwerks-AL.

Auch dass im Miteinander mit den Grundschülern auf dem Pausenhof oder beim gemeinsamen Mittagessen ein rücksichtsvoller Umgang gepflegt werde, gefällt Dagmar Beinert und ihrem Sohn. Insgesamt beschreibt die Mutter die Meisterschule als „gut strukturiert“, wozu auch das Prinzip der Lernzeitpläne gehöre, mit denen die Kindern ihren individuellen Interessen und Kompetenzen entsprechend die Schularbeiten selbständig und verantwortungsbewusst einteilen können und gleichzeitig ihre Eltern eingebunden werden. So bereut Dagmar Beinert ihre Entscheidung für die Meister-Schule keinen Moment. Entsprechend überzeugt vermag sie die Vorzüge einer Schulform zu loben, die in ihren Augen „zu Unrecht einen schlechten Ruf hat“. Wobei sie einräumt, dass sie nicht immer dazu aufgelegt ist, sich für ihre Entscheidung zu rechtfertigen. So denke mitunter jemand, der hört, dass Leon eine Schule in Sindlingen besuche, erstmal an die International School Frankfurt Rhein-Main: „Dann geht ihr Leon also auf die internationale Schule?“, lautet dann die Frage. An den hohen Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund der Meisterschule denkend, bejaht Dagmar Beinert dann. Mit einem leichten Lächeln – und doch ganz wahrheitsgemäß.

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