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Besonders schön erstrahlt der Weihnachtsbaum auf dem Schlossplatz, nachdem über einen Spendenaufruf eine neue Lichterkette gekauft werden konnte. Die Namen der Spender stehen auf den Sternen.

Turmblasen

Heiligabend vorm Schloss

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Wie jedes Jahr werden sich die Menschen an Heiligabend auf dem Höchster Schlossplatz versammeln und ab 19.30 Uhr dem Turmblasen lauschen. Es wird inzwischen vom Höchster Vereinsring organisiert, nachdem es über mehr als 100 Jahre bei den Nachkommen der weit verzweigten Familie Schäfer angesiedelt war.

Wann genau das Turmblasen beginnt, das hängt immer davon ab, wann der Gottesdienst der evangelischen Gemeinde zu Ende ist. Wer sicher sein möchte, nichts zu verpassen, ist um 19 Uhr auf dem Schlossplatz und trinkt einen Glühwein. Denn der wird gegen eine Spende für Leberecht ausgegeben, die Stiftung unserer Zeitung, die sich seit mehr als 60 Jahren für behinderte und benachteiligte Kinder und Jugendliche und ihre Eltern in der Region stark macht. Den Ausschank übernehmen die Schlossplatz-Wirte im Wechsel; in diesem Jahr ist wieder Bären-Wirt Frank Wellert mit seinem Team dran. Natürlich gibt es auch Kinderpunsch. Ausgegeben werden die Heißgetränke gegen eine Spende.

Dann erklimmen die Musiker des Posaunenchors der evangelischen Gemeinde über die Wendeltreppe den Schlossturm. Sie lassen ihre Choräle aus dem Türmerstübchen erschallen – durch die geöffneten Fenster, denn auf die Galerie mit ihrem niedrigen Geländer darf schon seit Jahren niemand mehr. Das Turmblasen, das inzwischen vom Höchster Vereinsring organisiert wird, organisierten mehr als 100 Jahre lang die Nachkommen der Familie Schäfer.

Es geht allerdings viel weiter zurück, als die Legende glauben macht, hat der Höchster Historiker Dr. Wolfgang Metternich recherchiert: Spätestens seit dem Jahr 1587, als der Schlossturm seine heutige Höhe von 50 Metern erreicht hatte, gab es auch das Turmblasen. Im Turmstübchen hauste nämlich der Turm- und Feuerwächter, der die Bürger vor Feuer- und Feindesgefahr zu warnen hatte. Weil der Job nicht sonderlich gut bezahlt war, räumte man ihm das Recht ein, bei Hochzeiten und anderen Festen gegen Honorar aufzuspielen. An Weihnachten bedankte sich der Turmwächter mit frommen Weisen vom Turm.

Das könnte heute noch so sein, hätten nicht die sparsamen Preußen, als sie sich 1866 zusammen mit dem Herzogtum Nassau auch Höchst einverleibten, dem Turmwächter seinen Job gekündigt. „Lied aus“ hieß nun das Kommando. Aber so springt man mit den Höchstern nicht um: Mit List und Tücke und der Etablierung einer frommen Legende verschaffte man sich nur wenige Jahre später wieder Zugang zum Schlossturm.

Die Legende geht so: Im Krieg von 1870 /71 wurden auch die vier Gebrüder Schäfer eingezogen. Sie sollen das Gelübde abgelegt haben, jede Weihnacht fromme Weisen vom Schlossturm erklingen zu lassen, wenn sie nur heil heimkehrten.

Zumindest schön erfunden, denn schon vor 1870 gab es in Höchst das Turmblasen als Weihnachtsritual. Aber die Legende tat ein Übriges: Welcher Preuße hätte es schon gewagt, vier leibhafte Kriegshelden mit einem frommen Gelübde im Rücken vom Schlossturm zu verjagen . . ?

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