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Wasser marsch: Thomas Weck von der CCZ am Zauberberg, Bürgermeister Albrecht Kündiger und Hessenwasser-Vertreter Erhard Paar (v. r.) drücken in der Aufbereitungsanlage in Fischbach auf den roten Knopf.

Neue Leitung versorgt auch Fischbach

Das „Heilwasser“ fließt

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Bis zu 80 000 Kubikmeter Wasser im Jahr können vom Zauberberg abgegeben werden. Das Projekt kostete die Stadt 430 000 Euro.

Ein Bürgermeister sollte in „seiner“ Kommune wohnen. Das ist ungeschriebenes Gesetz. In welchem Stadtteil, das schreibt die Tradition nicht vor. So sieht Rathauschef Albrecht Kündiger nun einen Grund, vielleicht in Fischbach, Ruppertshain oder Eppenhain heimisch zu werden: Dort sei das Wasser einfach besser als in Hornau und er müsse nicht ständig den Kocher entkalken, flachst er beim Startschuss für die neue Wasserleitung von Ruppertshain nach Fischbach. Dass Wasser aber ein ernstes Thema sein kann, hat er im Vorjahr bei seiner Kandidatur erfahren. Damals fürchteten die Ruppertshainer, ihr gutes, weiches Wasser werde zu den tiefer liegenden Nachbarn weg gepumpt.

Das Gerücht konnte schnell ausgeräumt werden – und nun kommen beide Orte in den Genuss des hochwertigen Quellwassers. Thomas Weck, Geschäftsführer der Verwaltungsgesellschaft CCZ am Zauberberg, spricht sogar von „Heilwasser“, das da aus dem Berg fließt. Gewonnen wird es aus einem 250 Meter langen, von Hand angelegten Stollen namens Struwe und einer Schüttung am Brauneborn. Dass ein Großteil des am Zauberberg geförderten Wassers aber bisher ungenutzt in den Bach floss, das ärgerte Weck. Der inzwischen verstorbene Eigentümer Erich Nitzling und die Stadt hatten sich nie auf einem Abnahmepreis einigen können. Das änderte sich vor einigen Jahren. Nun hat sich Weck den Druck auf den Startknopf mit Kündiger und Vertriebsleiter Erhard Parr von Hessenwasser verdient.

Das gleich darauf zu hörende Zischen ist für die vielen Anwesenden wie Musik in den Ohren. „Nun kommt das Wasser der Allgemeinheit zu Gute“, freut sich Weck. Bis zu 80 000 Kubikmeter im Jahr können von den Zauberberg-Ressourcen im Idealfall nach Fischbach fließen. Etwa 25 000 Kubikmeter werden im Ruppertshainer Anwesen mit Wohnungen, Geschäften, Lokalen und Ateliers benötigt. Fischbach braucht etwa 240 000, die Stadt Kelkheim knapp 1,25 Millionen Kubikmeter im Jahr. Die gesamte Abnahmemenge von Hessenwasser, rund 800 000 Kubikmeter, reduziert sich somit. Künftig soll ein Drittel den Fischbacher Bedarfs aus Ruppertshain gedeckt werden, der Rest aus eigenen Brunnen.

Heimische Ressourcen zu nutzen – das ist für Kündiger mit Blick auf eine immer weiter wachsende Metropolregion ein wichtiges Anliegen. „Man dreht den Hahn auf, und das Wasser ist da“ – diesen Vorgang sollte jeder einmal hinterfragen. Gerade vor dem Hintergrund, dass in den „Bergdörfern“ das Nass im Vorjahr extrem knapp war und die Stadt sogar zur Sparsamkeit auffordern musste. Auch Hessenwasser-Vertreter Parr ist es wichtig, dass Kommune und Liferant Hand in Hand arbeiten. Wenn nun in Kelkheim einige Euro weniger zu verdienen sind, störe das nicht. Das Wasser, vor allem aus dem hessischen Ried, werde an anderer Stelle in der Wachstumsregion eingesetzt. Nachhaltiges Wirtschaften mit der Resource sei hier wichtig.

Genaue Zahlen, was sie der CCZ am Zauberberg zahlt, nennt die Stadt zwar nicht. Doch Kündiger und Wasserwerkschef Stefan Sowade betonen, dass beide Seiten davon profitieren. Auf den Wasserpreis hat das keine Auswirkungen, selbst wenn die 2,4 Kilometer lange Leitung 420 000 Euro gekostet hat. Wichtig: Der zum Teil arg ramponierte Weg nach Ruppertshain wurde nach der Verlegung der Wasserleitung und eines Stromkabels wieder ordentlich hergerichtet – mit neuem Schotter, einer vernünftigen Entwässerung sowie einer edlen Feinschicht aus Quarzitsand.

(wein)

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