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Die Pädagoginnen Lilia Lusolin (links) und Anja Meißner vom Jugendmigrationsdienst Main-Taunus geben jugendlichen Flüchtlingen Deutschunterricht.

Jugendmigrationsdienst

Sie helfen bei der Integration

Beim Jugendmigrationsdienst Main-Taunus werden junge Flüchtlinge betreut und beraten. Ziel ist es unter anderem, ihnen optimal passende schulische Angebote und Ausbildungsplätze zu vermitteln.

Spitzbuben und Vanillekipferl – mit traditionellen Weihnachtsplätzchen deutsche Sitten und Gebräuche vermitteln, war das Ziel. Mit großem Spaß und Eifer waren die jungen Geflüchteten, die erst seit kurzem hier leben, dann auch bei der Sache, als Anfang Dezember gemeinsam gebacken wurde. Den Rahmen dafür gab das wöchentliche Deutsch-Training, ein kostenfreies Gruppenangebot des Jugendmigrationsdienstes Main-Taunus, das nach den Herbstferien startete und vom Sparkassenverband Hessen finanziert wird. Zugewanderte im Alter von 12 bis 27 Jahren treffen sich jeden Donnerstagnachmittag gemeinsam mit einer Lehrerin in Hofheim, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Sie besprechen schulische Themen, bereiten sich auf Referate und Präsentationen vor oder üben Grammatik.

Als Einrichtung in Trägerschaft des Diakonischen Werks Main-Taunus berät und begleitet der Jugendmigrationsdienst Jugendliche mit Flucht- oder Migrationserfahrung im gesamten Landkreis. „In der Beratung liegt unser Schwerpunkt“, bekräftigt Diplompädagogin Anna Meißner, eine von drei fest angestellten Mitarbeitern. Daneben gibt es Gruppenangebote und Projekte, die die sprachliche, soziale und schulische beziehungsweise berufliche Integration der jungen Menschen unterstützen. Neben dem Deutsch-Training sind dies noch die Deutsch-Förderung sowie die Englisch-Nachhilfe, durchgeführt von Honorarkräften. Mit dieser Mission wird der Fachdienst, den es seit 2012 nicht nur in Hochheim, sondern auch in Hofheim gibt, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ) gefördert. Bundesweit gibt es über 450 dieser Jugendmigrationsdienste.

„Aktuell nehmen acht bis zehn Jugendliche an diesen Kursen teil, manche kommen nicht jede Woche“, berichtet Meißner. „Den Kern unserer Arbeit machen allerdings die Beratung und Begleitung aus, im Schnitt sind die Betreuten 16 Jahre alt. Insgesamt hatten wir im Jahr 2016 mit 408 Personen 1328 Beratungskontakte.“ Einige kommen in den Genuss eines ganzheitlichen Konzepts, werden also intensiver und längerfristig individuell beraten. „Wir schauen dann genau, welche Förderung der Jugendliche ganz konkret braucht beziehungsweise sucht und wo wir die passenden Angebote – im Main-Taunus-Kreis – finden. Da geht es also um geeignete Integrationsmaßnahmen genauso wie um Schulen, Ausbildungs- und Praktikumsplätze oder spezielle Sprachkurse. Die Frage ist immer, wie können wir denjenigen bestmöglich unterstützen.“ Meißner kann inzwischen auch von sichtbaren Erfolgen berichten: „Ein 28-jähriger Syrer wollte einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker für Systemintegration, und den habe ich über eineinhalb Jahre lang begleitet. Zum 1. September hat er dann tatsächlich eine entsprechende Lehrstelle in Frankfurt bekommen, und kürzlich hat er sich bei mir gemeldet, dass es gut läuft. Das freut mich dann natürlich auch, wenn sich einer so positiv entwickelt und dafür belohnt wird.“

Generell bleiben der Pädagogin diejenigen besonders in Erinnerung, die motiviert an einem Vorhaben dranbleiben. „Wenn die dann ihre Ziele wirklich erreichen, ist das schon ganz viel. Denn oftmals gibt es – zusätzlich zu den Fragen der Ausbildung – zahlreiche Stolpersteine, beispielsweise bei den Ämtern, bei der Regelung der Aufenthaltserlaubnis oder was die Wohnungen betrifft. Gerade die rechtlichen Rahmenbedingungen sind schon so schwierig, dass wir echt viel gewonnen haben, wenn sie sich davon nicht entmutigen lassen.“ Meißner nennt auch noch ein Beispiel: Viele junge Leute, die hier studieren möchten, wissen nichts von dem „Academic Welcome Program for highly qualified refugees“ (AWP) an der Universität Frankfurt, das junge Flüchtlinge auf das Studium vorbereitet. Dafür bewerben können sich Asylsuchende, -bewerber und -berechtigte, die eine in Deutschland anerkannte Hochschulzugangsberechtigung besitzen oder im Heimatland bereits studiert haben und in Deutschland weiter studieren möchten. Im aktuellen Wintersemester nehmen bereits über 140 Geflüchtete an den Deutsch- und Fachkursen oder weiteren Angeboten des AWP teil. „Manche erfahren nur durch Zufall von solchen Möglichkeiten, und gerade in diesem ’Dschungel’ können wir den Weg weisen und die Programme und Lösungen rauspicken, die zu jedem Einzelnen passen, damit derjenige diesen Weg auch meistern kann“, so Meißner. Weitere Informationen zur Arbeit des Jugendmigrationsdienstes stehen unter bereit.

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