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Schüler schwänzen für den Klimaschutz. Die Schulen im Main-Taunus-Kreis haben klare Regeln für das Fehlen im Unterricht.

Fridays for Future

Sind Demos entschuldbar? Schulen haben klare Regeln für ein Fehlen im Unterricht

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Wer heute lieber am Aktionstag der Schüler für den Klimaschutz teilnimmt als am Unterricht, riskiert einen Eintrag für unentschuldigtes Fehlen. Einziger Ausweg: eine Befreiung vorab.

Main-Taunus - Wie viele Schüler aus dem Main-Taunus heute Mittag dem Aufruf folgen, in Frankfurt oder Wiesbaden am Aktionstag für den Klimaschutz unter dem Motto „#FridaysForFuture“ teilzunehmen, lässt sich im Vorhinein nicht abschätzen. Klargestellt hat Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) aber vorab grundsätzlich, dass die Teilnahme an einer Demo kein Entschuldigungsgrund für das Fehlen im Unterricht sein kann. Eine entsprechende Verfügung des Ministers haben die Schulen am Mittwoch erhalten. Dr. Söhnke Schröder, stellvertretender Schulleiter der Main-Taunus-Schule in Hofheim, fasst zusammen: Schülern, die zur Demo gingen, statt in den Unterricht, seien unentschuldigte Fehlstunden aufzuschreiben. „Da haben wir gar keine andere Wahl.“

Von „Fingerspitzengefühl“, das Lorz den Schulen in einer entsprechenden Pressemitteilung empfohlen hatte, habe er in der Verfügung nichts gelesen, meint auch Jochen Niclaus, Leiter der benachbarten Brühlwiesenschule. Er persönlich denke, dass man Schülern auch keinen Gefallen damit tue, sie freizustellen. Das führe den Gedanken, durch zivilen Ungehorsam Aufmerksamkeit zu erhalten und dafür Nachteile in Kauf zu nehmen, ad absurdum. „Das ist wie Schwarzfahren mit Fahrschein.“

Fridays for Future: Umgang mit Fehlzeiten in den Händen der Klassenlehrer und Tutoren

Anke Horn, Leiterin der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach, hat die Verfügung des Ministers an die Lehrer weitergeleitet und den Umgang damit in die Hände der Klassenlehrer und Tutoren gelegt. Sie verweist darauf, dass es ja auch noch eine „Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses“ gebe, die Beurlaubungen in begründeten Ausnahmefällen zulasse. Solche Beurlaubungen vorab zu beantragen, ist Sache der Eltern, solange Schüler minderjährig sind. Inwieweit Eltern die Demo-Freitage unterstützten, könne sie nicht sagen, weil eben die Verantwortung bei den Klassenlehrern und Tutoren liege.

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Auf dieselbe Regelung hat die Heinrich-von-Kleist-Schule in Eschborn sich schon vor Wochen in einer Gesamtkonferenz geeinigt. Das sei nicht anders als bei anderen Anlässen, etwa Familienfeiern, aufgrund derer um Unterrichtsbefreiung gebeten werde. „Es muss immer im Einzelfall entschieden werden, mit ganz viel Augenmaß, und es läuft bei minderjährigen Schülern immer über die Eltern“, so Schulleiter Adnan Shaikh. Heute einfach für die Demo spontan im Unterricht zu fehlen, „das geht auf keinen Fall“, macht Shaikh aber klar. Die Stunden würden fraglos als unentschuldigt eingetragen.

Eltern müssen vorab Fehlen für Fridays for Future-Demonstrationen ankündigen

Auch die Privatschulen im Main-Taunus-Kreis haben die Minister-Verfügung vom Staatlichen Schulamt zugeschickt bekommen. Die Schulpflicht gelte schließlich auch für Einrichtungen in privater Trägerschaft, sagt Ulrike Molter-Nawrath von der Hofheimer Montessori-Schule. Da alle Schüler heute entweder im Abitur oder im Praktikum seien, sehe sie aber für sich gar keinen Handlungsbedarf. Kollegin Pia Radeck von der Hofheimer Elisabethenschule hat vorab um Feststellung gebeten, wie viele Eltern eine Befreiung für den Freitagmittag beantragt haben. „Es sind nur sehr wenige“, kann sie sagen. Die Schule hat klargemacht, dass es in jedem Fall vorab ein Schreiben der Eltern braucht, dass Prüfungen immer vorgehen und die Schüler selbstständig Sorge tragen müssten, das Versäumte nachzuholen.

Alle Schulleiter begrüßen grundsätzlich das Engagement der Schüler. „Ich finde es großartig, dass junge Menschen aktiv werden“, so etwa Adnan Shaikh. Anke Horn begrüßt, dass die Freitagsdemos eine Diskussion über Umweltthemen bis hinein in die Familien in Gang gebracht hätten. In den Schulen sei das schon lange Stoff für Unterricht und AGs, das Interesse wachse aber. Die Freitagsdemos seien nicht zuletzt guter Anlass, mal nachzufragen, warum mancher sich noch immer am liebsten vor die Schultür fahren lasse, meint Pia Radeck.

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