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Im DHL-Frachtzentrum in Hattersheim werden täglich Tausende von Paketen nach Adressen sortiert und weitergeleitet.

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Wenn das Paket in der Mülltonne ausgeliefert wird

Bei der Flut von Paketen, die rund um die Uhr zu den jeweiligen Empfängern transportiert werden, kommt es manches Mal zu unliebsamen Pannen. Ein Beispiel dafür spielte sich im Stadtteil Okriftel ab.

Okriftel - Hermann Pommer traute seinen Augen nicht, als er den rechteckigen Karton in der Papiermülltonne fand. Sicher, die sperrige Kiste war aus Pappe – von daher gehörte sie schon irgendwie in den blauen Abfallbehälter. Allerdings stellte der Okrifteler bei genauerem Hinsehen fest, dass es sich um eine Postsendung handelte, die noch nicht einmal ausgepackt war. Das DHL-Päckchen war an seine Frau adressiert. Im Inneren befand sich die bestellte nagelneue Kleidung. Was sich der Lieferant wohl dabei dachte, als er die öffentlich zugängliche Mülltonne als Abgabestation wählte, gibt dem DHL-Kunden Rätsel auf.

In Okriftel landet DHL-Paket im Papiermüll

Im ersten Moment habe er gedacht, seine Frau hätte einen leeren Karton in die Tonne gestopft, ohne ihn vorher auseinander zu nehmen, erzählt der Okrifteler. Er frage sich, was passiert wäre, wenn er nicht zufällig in die Mülltonne geschaut hätte. Im Briefkasten habe sich nämlich keine Karte mit einem Hinweis auf den ungewöhnlichen Ort befunden. „Stellen Sie sich mal vor, am nächsten Tag wäre die Tonne geleert worden“, sagt der Okrifteler im Gespräch mit dieser Zeitung. In seiner Verärgerung griff Hermann Pommer schließlich zum Telefonhörer und rief beim Kundendienst „DHL Paket“ an, um seinen „Fund“ zu melden. Dort sei ihm mitgeteilt worden, dass man nichts für ihn tun könne. Er habe jedoch erfahren, dass der Fahrer die Empfangsbestätigung „Papiermülltonne“ notiert habe. Am nächsten Tag fand der DHL-Kunde dann auch einen Zettel mit dem Hinweis auf die Mülltonne in seinem Briefkasten. Er geht davon aus, dass der Zusteller diesen aufgrund seines Anrufes nachträglich eingeworfen habe.

Pakete immer wieder an ungewöhnlichen Orten abgeliefert

Hermann Pommer sagt, dass er besonders verwundert sei, weil er in einem von fünf Reihenhäusern wohnt. Die Nachbarn seien eigentlich immer bereit, Pakete anzunehmen. Mit seiner Geschichte möchte er DHL, aber auch andere Kunden warnen. Er hofft dass es sich um einen Einzelfall handele, erklärt Pommer. „Ansonsten sollten mal alle Okrifteler in ihre Mülltonnen schauen, wenn sie etwas bestellt hätten.“ Tatsächlich scheint die Praxis, Pakete an ungewöhnlichen Orten abzuliefern, gar nicht so selten zu sein. Dies ergab eine Nachfrage dieser Zeitung bei DHL. Allerdings werden die besonderen Ablagestellen normalerweise im Vorfeld zwischen Kunden und DHL-Fahrer vereinbart. „Letztlich kann man alles festlegen“, erklärt Pressesprecher Alexander Böhm. Dies werde in einem Ablagevertrag – dem sogenannten „Garagenvertrag“ – geregelt. Für gewöhnlich einige man sich auf Orte wie die Terrasse, eine Gartenhütte oder eben die Garage. Orte, die schlecht von der Straße einsehbar sind. Eine Mülltonne sei allerdings etwas, was er eher ausschließen würde, so Böhm.

„Keine Qualitätsarbeit“

DHL-Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek berichtet hingegen, es sei gar nicht so selten, dass Kunden die blaue Tonne als Ablageort wählen. Es werde sogar gezielt darauf geachtet, dass solche Paket nicht versehentlich mit dem Müll entsorgt werden. Das Unternehmen weise Fahrer nämlich extra darauf hin, keine Pakete in Tonnen zu legen, die auf der Straße stehen, erläutert Thomeczek.

Der DHL-Sprecher kann sich nicht vorstellen, dass ein Fahrer ein Paket ohne einen entsprechenden Ablagevertrag in eine Mülltonne legt und dies dann auch noch in der Empfangsbestätigung notiert. Der Zusteller müsste sich bewusst sein, dass er in solch einem Fall selbst für die Sendung haftet. Heinz-Jürgen Thomeczek äußert die Vermutung, dass es sich um eine Verwechslung oder einen Software-Fehler gehandelt haben könnte, die dazu führte, dass das Paket in Hermann Pommers blauer Tonne abgelegt wurde.

Bei rund 115 000 DHL-Zustellern in Deutschland könne es natürlich auch mal passieren, dass etwas schief geht, sagt Thomeczek. Eigentlich solle ein Fall wie in Okriftel aber nie vorkommen. Das sei nämlich „keine Qualitätsarbeit“. Stimmt.

von Sascha Kröner

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