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RMD-Geschäftsführer Heino von Winning an dem Ort, an dem die Deponie höher werden soll. Die Hochspannungsleitung wird verlegt. Foto: Nietner

Rhein-Main-Deponie

Große Müll-Deponie soll wachsen: Wo die Region ihren Abfall ablädt

Der Müll der gesamten Region findet seine "letzte Ruhe" auf der Rhein-Main-Deponie in Flörsheim-Wicker. Wenn es nach der Rhein-Main-Deponiegesellschaft (RMD) und ihren Gesellschaftern Main-Taunus-Kreis (MTK) und Hochtaunuskreis geht, sollen die Wickerer Müllberge in den kommenden Jahren um 20 Meter wachsen. Die RMD stellte ihre Pläne gestern der Öffentlichkeit vor.

Flörsheim – MTK-Umweltdezernentin und RMD-Aufsichtsratsmitglied Madlen Overdick (Bündnis 90/Die Grünen) verwies bei der gestrigen Pressekonferenz auf einen Engpass an Deponieflächen, unter dem nicht nur Hessen, sondern ganz Deutschland leide. Die Rhein-Main-Deponie habe schon mehrmals kurz vor einem Entsorgungsnotstand gestanden. Mit der Erweiterung solle die Müllentsorgung in der Region für weitere 20 Jahre gesichert werden.

Außerdem bestehe die Chance, die Wirtschaftlichkeit der finanziell angeschlagenen Deponie-Gesellschaft wiederherzustellen und das Unternehmen von den finanziellen Zuschüssen der beteiligten Landkreise unabhängig zu machen. Ohne Erweiterung müsste, laut RMD-Geschäftsführung, die Hälfte der 150 Mitarbeiter bis zum Jahr 2025 entlassen werden.

Müll-Deponie in Flörsheim: Wanne mit Trennschichten

Die Deponie möchte sich nicht flächenmäßig vergrößern, sondern auf den vorhandenen Flächen nach oben wachsen. Betroffen ist ein 18 Hektar großes Areal, das rund 20 Prozent des Deponiegeländes ausmacht. Dort soll eine Deponie auf der Deponie gebaut werden.

"Wie eine Badewanne mit zwei Trennschichten", beschreibt Geschäftsführer Heino von Winning den Rahmen, in den der Abfall nach der angestrebten Erweiterung verfüllt wird. Durch die obere Abdichtung sollen Regen und Sickerwasser abgeleitet werden. Die Erweiterung soll 2,85 Millionen Kubikmeter an zusätzlichem Volumen bringen. Dort könnten dann etwa 5 Millionen Tonnen Abfälle entsorgt werden, erläutert von Winning. In den kommenden 20 Jahren würden damit pro Jahr rund 250 000 Tonnen nach Wicker gebracht.

Für die Umsetzung des Projektes müsste die Hochspannungsleitung, die über das Gelände verläuft, verlegt werden.

Als weitere positive Effekte führen die Vertreter der RMD technische Optimierungen an. Im Zuge der Erweiterung könnten Lärmschutzwände und Förderbänder zur Staubreduzierung installiert werden. Außerdem garantiere der Ausbau die lokale Entsorgungssicherheit für rund zwei Millionen Menschen im ganzen Rhein-Main-Gebiet und eine langfristige Kostensicherheit für Gebührenzahler.

Müll-Deponie in Flörsheim: Falsches Vorgehen

Kritisch wird das Vorhaben beäugt, weil die RMD bereits im Jahr 2005 zusagte, in fünf Jahre keinen weiteren Müll aufzunehmen. Es sei allerdings schon 2015 klar gewesen, dass es irgendwann weitergeht, erklärte gestern Heino von Winning. Vor seiner Zeit sei immer wieder versucht worden, die Laufzeit zu verlängern, indem die Hügel höher verfüllt wurden. Man habe versucht, einen größeren öffentlichen Prozess zu umgehen.

Dies sei "aus heutiger Sicht falsch", findet der RMD-Chef. Die Probleme äußerten sich unter anderem, als das Regierungspräsidium die bereits erteilte Genehmigung für eine Fläche zurückzog. Die Folge: 70 000 Kubikmeter Abfall mussten umgelagert werden.

Gestern Abend stellte die Deponiegesellschaft den Bürgern und der lokalen Politik ihre Pläne vor. Auf die Frage, ob die RMD ihr Ziel auch gegen Widerstände durchsetze, erklärte Madlen Overdick, dass die Erweiterung nur in einem guten Miteinander stattfinden könne. Die gesamte Beteiligung der Öffentlichkeit werde ausgewertet.

Müll-Deponie in Flörsheim: RMD-Chef sieht Vorteile

Heino von Winning äußerte sich vorab zu einigen Bedenken wie etwa der optischen Wirkung der aufgestockten Deponieflächen: "Ob 15 oder 20 Meter wird keiner sehen", meint der Geschäftsführer. Im benachbarten Flörsheimer Stadtteil Wicker störe die Veränderung nicht, weil man von oben auf die Deponie schaue. Für Hochheimer habe das Wachstum der Hügel sogar positive Effekte, weil die Hochspannungstrasse dann nicht mehr zu sehen sei. Die neuen Flächen seien indes immer noch niedriger als alles, was in den vergangenen Jahren temporär aufgeschüttet wurde.

Zur Geruchsbelastung erläuterte Winning, dass diese sogar abnehmen werde. Der Gestank gelange über die höher werdenden Hügel schwieriger in den Hochheimer Stadtteil Massenheim. Auch der Verkehr wird laut von Winning nicht zunehmen. Es bleibe bei 25 Lkw, die derzeit täglich Material aus den Müllverbrennungsanlagen in Frankfurt, Offenbach und Darmstadt nach Wicker fahren.

Heino von Winning versicherte gegenüber der Presse auch, dass es sich um die letzte Erweiterung handele. Auf den geplanten zweiten Deponiekörper könne man in Zukunft keinen dritten mehr bauen. Dies sei physikalisch unmöglich, erklärt er. Alle überbauten Flächen, die jetzt nicht bereits verstärkt werden, könnten bei einer künftigen zusätzlichen Belastung reißen.

Von Sascha Kröner

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