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Während Lenz Mohideen (li.) das Freiluft-Klavier im Bolongarogarten ausprobiert, bringt Sprayer Spot seinen Geist an der Flanke an.

Freiluft-Klaviere im Bolongarogarten

Den Himmel als Konzertsaal

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Unter dem Motto „Musik für alle“ sind in Höchst nach 2015 zum zweiten Mal zwei „Freiluft-Klaviere“ für die Öffentlichkeit aufgestellt worden. Jeder, der spielen kann oder erfahren möchte, wie es ist, Klavier zu spielen, kann die Instrumente kostenlos nutzen.

Die Finger von Aristo Khosrobeik gleiten über die Tasten des Klaviers, das seit gestern im Garten des Bolongaropalasts aufgestellt ist. Der Leiter der Musikschule Clavina aus Höchst spielt bekannte Melodien, darunter Schlagerklassiker von Udo Jürgens. Während Khosrobeik am Klavier sitzt, beginnt es immer wieder zu regnen. Doch für schlechte Wetterverhältnissen ist vorgesorgt: Das Instrument wird von einem Stoff-Pavillon vor der Nässe geschützt.

Der Graffiti-Künstler Spot hat unterdessen eine Schablone auf der vorderen Seite des Klaviers angebracht. Er greift zu einer der Farbdosen, die er mitgebracht hat, und sprüht. Eine helle Fläche entsteht. Mit einem schwarzen Marker zeichnet er Punkte und Linien. Nach und nach nimmt die Fläche die Form einer kleinen, lustigen Figur an, die an einen Geist erinnert.

Noch weitere Figuren in unterschiedlichen Größen und Farben sollen auf das Klavier aufgebracht werden, so die Idee. Spot sprüht, dieses Mal freihand, eine größere, grüne Fläche an die Flanke des Instruments. Mit der Farbe Lila gibt er dem Ganzen Kontur. Seine Geister-Figur bekommt noch Augen und lila Punkte. Weitere dieser lustigen Gesellen tummeln sich nach der Mal-Aktion auf den Flächen des Klaviers.

Diese künstlerische Gestaltung hat einen Hintergrund: Schließlich sollen mit dem Erscheinungsbild und vor allem mit dem Klang der Musik möglichst viele Menschen angesprochen werden. Sie sollen dazu motiviert werden, sich selbst einmal ans Klavier zu setzen, das Instrument auszuprobieren und zu spielen. Die Idee der „Freiluft-Klaviere“ für Höchst geht zurück auf Aristo Khosrobeik – bereits zum zweiten Mal hat er diese Aktion im Stadtteil initiiert.

Er weiß, dass

Musik verbindet

und Menschen sogar zusammenbringen kann. Genau das soll mit dem Projekt gelebt werden. Die Instrumente können von jedem kostenlos genutzt werden. Vorbilder für solche Musikaktionen finden sich auch in anderen Großstädten, etwa in New York oder Paris.

Für das Projekt hat Khosrobeik mit Dr. Petra Saltuari kooperiert. Sie führt eine Praxis für Kunst- und Körpertherapie und hat zusammen mit Kindern aus ihren Malkursen ein zweites Klavier künstlerisch gestaltet (wir berichteten). Das Instrument wurde vor kurzem vor der Volkshochschule (VHS) im Bildungs- und Kulturzentrum (Bikuz) aufgestellt.

Bereits im vergangenen Jahr haben die beiden zusammengearbeitet, Klaviere künstlerisch gestaltet und den Menschen im Stadtteil zum Musizieren zur Verfügung gestellt. Für diese Aktion wird ihnen am 12. Juli im Römer der Frankfurter Bürgerpreis der Stiftung Frankfurter Sparkasse 1822 verliehen werden (wir berichteten).

Lenz Mohideen (25) traut sich jetzt und spielt als erster nach Aristo Khosrobeik auf dem Klavier im Bolongarogarten. Musik liegt in der Luft. „Es ist einfach ein schönes und überraschendes Erlebnis, wenn jemand am Klavier spielt, andere die Klänge hören, spontan vorbeikommen und mitmachen“, beschreibt Khosrobeik seine Erfahrungen. Im Bolongarogarten ist die Musik jedenfalls schon von Weitem zu hören und macht etliche Spaziergänger neugierig.

Bis zum 27. Juni stehen die beiden Klaviere im Bolongarogarten und vor der Volkshochschule (VHS) im Bikuz und sind von 10 bis 19 Uhr spielbereit.

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