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Hier an der Massenheimer Landstraße sollte das Seniorenzentrum entstehen. Nun muss die neue Kita ?Arche Noah? (rechts) einen neuen Partner suchen.

Massenheimer Landstraße

Absage fürs Pflegeheim: Investor bekommt zu wenig Fördergeld

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Die Josefs-Gesellschaft hat beschlossen, das Seniorenzentrum an der Massenheimer Landstraße nicht zu bauen. Der Kita „Arche Noah“ fehlt nun der Kooperationspartner und die Stadt hat ein großes Problem. Es ist aber wahrscheinlich noch eine Lösung in Sicht.

Die Spekulationen haben es in den vergangenen Monaten schon vorweggenommen. Nun hat die Josefs-Gesellschaft (JG) offiziell beschlossen, den Bau des Seniorenzentrums an der Massenheimer Landstraße nicht umzusetzen. 67 Pflegeplätze sollten dort entstehen. Das finanzielle Risiko sei zu hoch, die Baubranche gerade ausgelastet, weshalb die Baukosten zu sehr gestiegen seien. Das teilte Caspar Söling mit, der Sprecher des Antoniushauses, das zur JG gehört. Außerdem hätten die höheren gesetzlichen Anforderungen an Pflegeheime, die im Januar 2018 in Kraft traten, das Projekt weiter verteuert.

Zu wenig Geld vom Land

Das war in den vergangenen Monaten schon bekannt. Da hatte die JG darauf verwiesen, mit dem Bauantrag für das Seniorenheim warten zu wollen, bis sich die „Arbeitsgemeinschaft Investitionsaufwendungen“ (AG Invest) darauf geeinigt hat, mit welcher Summe das Land den Bau von Pflegeeinrichtungen unterstützt. Bisher waren das 84 000 Euro pro Pflegeplatz. Für die JG nicht genug. Sie verweist auf Baden-Württemberg, wo das Land Pflegeheime mit 140 000 Euro pro Pflegeplatz bezuschusst.

Der Main-Taunus-Kreis hat der JG zwar zugesichert, die Investitionen auch nachträglich auszuzahlen, eben bis zu jener Summe, auf die sich die AG Invest einigt. Für die Gesellschaft wäre das aber ein Risiko. Bis Ende des Jahres könnte das noch dauern, bis die Arbeitsgemeinschaft zu einer Einigung gekommen ist. Die JG war vertraglich aber dazu verpflichtet, noch in diesem Jahr mit dem Bau zu beginnen. Dann hätte sie aber nicht genau gewusst, mit welcher Summe sich das Land am Bau beteiligt.

Da in der Stadt kein Bauantrag einging, fragte Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) bei der Gesellschaft nach und bekam die Absage. „Hätte man um drei Monate mehr Zeit gebeten, hätte man darüber reden können“, sagt Westedt auf Nachfrage dieser Zeitung. „Es kam aber eben die Absage.“

Zwei Probleme

Die Stadt steht nun vor einem Problem: Was passiert mit dem Grundstück? Baut die Gesellschaft nicht, kann die Stadt das Grundstück zurückkaufen. Die dafür nötigen 2,3 Millionen Euro seien im Haushalt aber nicht vorgesehen, sagt Westedt. Und selbst bauen will die Gesellschaft nicht. Außerdem war das Altersheim Teil des Konzeptes der neuen benachbarten Kindertagesstätte „Arche Noah“. Kinder und Senioren sollten dort zu beiderseitigem Vorteil in Kontakt treten – ein vielversprechendes Experiment. Die Kita soll planmäßig im April die ersten Kinder aufnehmen. Für die Zeit, bis das Seniorenzentrum steht, musste der Betreiber, die Katholische Pfarrgemeinde Hochheim, sein Konzept anpassen. Was daraus nun werden wird, ist offen.

„Einen Silberstreif am Horizont gibt es aber“, sagt Westedt. Als das Projekt vor vier Jahren ausgeschrieben worden sei, hätten dem Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) nur wenige Stimmen gefehlt, um den Auftrag zu bekommen. Beim DRK ist man „prinzipiell“ noch immer daran interessiert, das Seniorenheim zu bauen, sagt eine Sprecherin des Landesverbandes. In den vier Jahren habe sich aber einiges getan, nicht zuletzt, weil die Kita mittlerweile gebaut ist. Daher müsse das DRK das Projekt neu prüfen. Das werde wohl einige Wochen dauern.

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