Hochheimer Markt

Beim Markt gibt es vielerlei Federvieh: auch solches, das nicht fliegen kann

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So etwas hat sonst keiner: Nandus. Eine Hochheimerin liebäugelte gestern beim Viehmarkt, sich zwei der großen Laufvögel anzuschaffen. Platz genug für die Tiere hatte sie jedenfalls.

Jedes Jahr gibt es Stellen auf dem Viehmarkt, an denen die Besucher neugierig stehen bleiben. So etwa vor dem Stand des Händlers, der seine Hühner mit einem Netz aus dem Gehege fischt. Sobald sich ein Kunde entschieden hatte, zog der Marktbeschicker das Federvieh aus der Gitterbox und stopfte es in einen Pappkarton. Wer einen Besucher mit einer solchen braunen Kiste über den Platz laufen sah, wusste sofort: Der hat einen Vogel.

Hühner, Enten und Tauben wurden von den Käufern in Kisten abtransportiert. Es gab jedoch zwei Vögel auf dem Viehmarktgelände, die in keinen Karton passten: Theo Bonkhoff aus Ascheberg hatte erstmals zwei Nandus im Angebot. Die Laufvögel waren gerade einmal fünf Monate alt, überragten aber fast alles. „Ach, die haben Strauße“, raunte ein überraschter Besucher, der beim Anblick der Tiere gleich den Fotoapparat zückte. Ganz so groß wie ein Strauß werden Nandus allerdings nicht. Theo Bonkhoff schätzte die Größe eines ausgewachsenen Vogels auf 1,20 Meter.

Der Hochheimerin Karin Wallenstein hatte es das Nandu-Paar besonders angetan. „Die finde ich schon cool“, erklärte die Besucherin, die sich umfassend beraten ließ. Theo Bonkhoff erläuterte, dass die flugunfähigen Vögel Getreide, Salat und sogar Hundefutter fressen. Für den ausreichenden Auslauf benötigen die Tiere eine Fläche von etwa 200 Quadratmetern. Karin Wallenstein dachte laut darüber nach, dass sie auf ihrem Weingut eine Fläche von 4000 Quadratmetern und einen offenen Pferdestall habe. Für die beiden exotischen Vögel, die ursprünglich aus Südamerika stammen, wäre da sicherlich noch ein Plätzchen frei.

„So was hat sonst keiner“, stellte die Hochheimerin lachend fest und ließ sich die Karte des Händlers geben. Falls sie ihren Mann überzeugen könne, ein Gehege zu bauen, wolle sie die Vögel mit einem Pferdeanhänger abholen.

Während Karin Wallenstein ernsthaft über den Nandu-Kauf nachdachte, gab es andere Geschäfte, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt waren. So etwa der Wunsch eines kleinen Jungen, eine Ziege mit nach Hause zu nehmen. „Wo willst du die denn halten – unter dem Bett?“, hinterfragte die Oma kritisch das Vorhaben des Knirpses.

Auf dem Viehmarkt wechselten nämlich nicht nur Vögel den Besitzer. Auch für Ziegen, Schafe und Esel wurden Käufer gesucht. Die Esel ließen das ganze Treiben am gelassensten über sich ergehen. Mit stoischer Ruhe standen die Grauen im Gehege, den Blick stur geradeaus gerichtet.

Von den Kindern, die aufgeregt auf den Zaun kletterten, schienen sie kaum Notiz zu nehmen. Statt der Tiere, waren es die Eltern, die gereizt reagierten: „Pass auf, dass du nicht da reinfällst“, warnte eine Mutter ihren Sohn, der bereits mit beiden Beinen auf der Absperrung stand.

Tatsächlich gab es andere Bereiche, die besser geeignet waren, um mit Tieren auf Tuchfühlung zu gehen: Zum Beispiel beim Ponyreiten neben dem Viehmarkt, wo Kinder im Sattel sitzen und eine Runde über die Käsbachwiese drehen konnten.

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