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Alltägliches Bild bei Ostwetterlage in Flörsheim-Nord: Ein Flugzeug über der Rheinallee unterwegs zur Nordwest-Landebahn.

Bürgerinitiative fordert Obergrenze für Fluglärm

„Desaströse Lärmbelastung“

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Die Verhandlungen über Lärmobergrenzen in Hessen laufen. Die Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim gegen den Fluglärm setzt sich in einem offenen Brief an Verkehrsminister Tarek Al-Wazir für eine schnelle Umsetzung ein. Außerdem drückt Verfasserin Birgit von Stern ihre Sorge über ansteigenden Fluglärm in Flörsheim und Hochheim aus.

Die Kommunen im Umkreis des Frankfurter Flughafens sind in Lärmschutzzonen unterteilt. In diesen Gebieten entscheidet die Höhe des durchschnittlichen Lärmpegels über die Bewilligung von Schallschutzmaßnahmen. Die Zonen sagen allerdings nichts darüber aus, wie laut es höchstens werden darf. Eine festgelegte Obergrenze für den Fluglärm gibt es noch nicht, obwohl dies im Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung vereinbart wurde. Das Hessische Verkehrsministerium hat bisher zwar ein Lärmpausenmodell eingeführt, um die Belastungen zu verringern. Kritiker monieren jedoch, dass der Lärm nur innerhalb der Region verschoben werde. Birgit von Stern, Sprecherin der Bürgerinitiative Flörsheim – Hochheim gegen den Fluglärm, setzt sich im Schreiben an Minister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Grüne) für die Begrenzung des Lärms ein. Mit einer „ambitionierten Lärmobergrenze“ könne es in der gesamten Region leiser werden, hebt die Fluglärmgegnerin hervor.

Birgit von Stern verweist auf einen Vorschlag der Stadt Hochheim Zur Lärmobergrenze: Die Stadtverordneten in Flörsheims Nachbarstadt hatten einer Beschlussvorlage der Verwaltung zugestimmt und das Land Hessen aufgefordert, die Obergrenze einzuführen. Die Stadt verwies auf Ergebnisse der NORAH-Studie, die die schädlichen Auswirkungen des Fluglärms auf die Gesundheit belege. Hochheim fordert konkret, dass die Planfeststellungsbehörde bis zum Jahr 2030 eine Obergrenze des Dauerschallpegels von 55 Dezibel einführen solle. „Uns auf eine alleinige Lärmminderung um 0,4 Dezibel pro Jahr durch technische Neuerung am Fluggerät zu vertrösten, das langt nicht“, betont Birgit von Stern. Sie bezeichnet es als Skandal, dass das landeseigene Umweltnachbarschaftshaus in Kelsterbach die Ergebnisse der NORAH-Studie verharmlose.

Die Sprecherin der BI drückt im Schreiben an Al-Wazir auch die Sorge aus, dass die ursprünglich im Planfeststellungsbeschluss bestimmten Flugrouten mit reduzierten Starts über Flörsheim und Hochheim immer mehr aufgeweicht werden. Sie befürchtet, dass die Städte im Zuge des Klimawandels und der veränderten Wetter- und Windverhältnisse mit mehr Landungen rechnen müssen, als dies ursprünglich vorhergesagt wurde. Als Beispiel nennt sie den 7. Juni. An diesem Tag zählte Birgit von Stern „weit mehr als 200 Überflüge“ in Hochheim und Flörsheim. Die Lärmbelastung in Hochheim habe zwischen 65 und 74 Dezibel gelegen. Für Flörsheim verweist die BI-Sprecherin auf eine Belastung zwischen 73 und „desaströsen“ 97 Dezibel. Durch die Verwendung von Mittelwerten ergebe sich ein Dauerschallpegel von 55,2 Dezibel in Hochheim und 62,9 Dezibel in Flörsheim. Birgit von Stern bezieht sich auf Zahlen des Deutschen Fluglärmdienstes.

„Gleichzeitig bleiben in Kassel-Calden die Flieger weg“, betont Birgit von Stern. Man frage sich schon, was das für eine Flugverkehrspolitik sei, kritisiert die Hochheimerin. Bedenken habe sie vor allem auch im Hinblick auf das Gutachten für ein neues Luftverkehrskonzept der Bundesregierung. Das „raumunverträgliche Drehkreuz Frankfurt“ mitten im Ballungsraum solle damit noch verstärkt werden.

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