Gunter Künstler vor dem bei Liebhabern des Traubensaftes weltweit bekannten Weinberg Marcobrunn. Foto: Privat
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Gunter Künstler vor dem bei Liebhabern des Traubensaftes weltweit bekannten Weinberg Marcobrunn.

Weinbau

Hochheim: Der große Coup von Gunter Künstler

Der Winzer bewirtschaftet zusätzlich besondere Lagen im Rheingau, die der Traum "eines jeden Kellermeisters sind".

Hochheim -"Das passiert nur einmal im Leben", betont der Hochheimer Gunter Künstler. Dem Winzer gelang es in diesem Frühjahr, einen Pachtvertrag abzuschließen, der Kenner mit der Zunge schnalzen lässt. Künftig wird er namhafte Weinbergslagen von Paul Graf von Schönborn im Rheingau bewirtschaften - darunter die vom Verband Deutscher Prädikatsweingüter ausgezeichneten Lagen Marcobrunn und Pfaffenberg. Das Geschäft sei nicht billig gewesen, räumt Künstler ein. Er habe einen Monat lang verhandelt und manche schlaflose Nacht verbracht. Wer den Weinproduzenten schwärmen hört, weiß jedoch, dass er seine Entscheidung nicht bereut.

Die Chance ergab sich, nachdem Paul Graf von Schönborn Anfang des Jahres beschloss, seine Weinbergslagen im Rheingau zu verpachten. "Es ist eine besondere Ehre, dass er uns sein Vertrauen geschenkt und mit der Bewirtschaftung dieser besonderen Lagen betraut hat", sagt Gunter Künstler, der seit 20 Jahren Geschäftsbeziehungen mit Schönborn pflegt. Es sei "der Traum eines jeden Kellermeisters".

Neben Marcobrunn und Pfaffenberg wächst das Portfolio des Weinguts Künstlers auch um herausragende Hochheimer Lagen von Domdechaney, Kirchenstück und Hölle. Insgesamt bewirtschafte der Betrieb nun rund 60 Hektar, erläutert Künstler, der im Jahr 1988 sein Studium in Weinbau und Oenologie in Geisenheim abschloss. Zu den Berühmtheiten, die für den Wein schwärmten, hätten Thomas Jefferson und Johann Wolfgang von Goethe gehört. Auch Schriftsteller Theodor Fontane habe 1854 eine Flasche Marcobrunner gelobt. Doch was ist das Geheimnis des Weinbergs? Das sieben Hektar große Gelände liegt auf etwa 90 bis 100 Metern über dem Meeresspiegel und ist nach Süden zum Rhein hin ausgerichtet. Auf Grund des tiefgründigen Bodens und der Nähe zum Fluss überwältige der Marcobrunner mit "Saftigkeit, Finesse und barocker Opulenz".

Nicht weniger eindrucksvoll klingt die Beschreibung des rund fünf Hektar großen Pfaffenbergs in Hattenheim: Die Lage sei ein seltenes Beispiel für einen geschlossenen Weinberg im Rheingau. Darauf verweist die französische Fachbezeichnung "Clos". Eine historische Mauer aus dem 18. Jahrhundert umgibt die Hattenheimer Reben. Seit dem 12. Jahrhundert wurde der Weinberg vom Kloster Eberbach bewirtschaftet, heute ist die Fläche im Monopolbesitz des Grafen Schönborn. Der Boden im Pfaffenberg ist geprägt von kalkhaltigem, tiefgründigem Löss. Davon verspricht sich Gunter Künstler "voluminöse Weine mit klassischem Frucht-und Säurespiel in einzigartigem Lagencharakter". Der wasserspeichernde Tonboden sei nämlich ideal, um die Pflanzen in den zunehmend trockenen Sommern mit Wasser zu versorgen, erläutert Gunter Künstler. sas

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