Hauptmann Gerrit Hohmann bei einer Erkundungstour in Mali.
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Hauptmann Gerrit Hohmann bei einer Erkundungstour in Mali.

Auslandseinsatz

Hochheim: Ex-Bürgermeisterkandidat engagiert sich in Mali

  • Niklaus Mehrfeld
    vonNiklaus Mehrfeld
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Gerrit Hohmann (Grüne) arbeitet in einem unruhigen Land als Presseoffizier bei der Bundeswehr

Hochheim/Koulikoro.Was macht eigentlich Gerrit Hohmann, ehemals Bürgermeisterkandidat der Grünen in der Wein- und Sektstadt? Der ehemalige CDU-Politiker, der später zu den Grünen wechselte, unterlag bekanntlich im Mai 2014 in der Stichwahl dem jetzigen Amtsinhaber Dirk Westedt (FDP), der als unabhängiger Kandidat angetreten war. Viele Hochheimer hatten dem stets eloquent auftretenden Hochheimer zugetraut, dass er die Überraschung packt und gegen Westedt gewinnt. Das war vor fast genau sechs Jahren. In der Zwischenzeit ist Gerrit Hohmann (44) sozusagen an einem weitaus größeren Projekt beteiligt, als er es in der Wein- und Sektstadt als Rathauschef je hätte sein können. Der Bundeswehr-Offizier im Rang eines Hauptmanns ist nämlich seit einigen Wochen in Mali stationiert. In dem afrikanischen Land, das sich seit den neunziger Jahren die Demokratie auf die Fahnen geschrieben hat, sorgen deutsche Soldaten dafür, dass die malische Armee ausgebildet wird. Bundeswehr-Angehörige, die einen sehr guten Ruf in dem Land genießen, bringen malischen Ausbildern bei, wie eine Armee trainiert werden sollte. Dazu gehöre unter anderem das Wissen um Internationales Recht und Menschenrechte, erläuterte Gerrit Hohmann. Für den Hochheimer ist der Aufenthalt in dem afrikanischen Land nicht nur eine Strapaze durch die besonderen Umstände in dem fremden Land. Sondern zugleich eine persönliche Herausforderung. Der Aufenthalt dort gilt derzeit als gefährlichster Bundeswehr-Einsatz.

Dass er wegen der Corona-Krise zweimal in Quarantäne musste, ist dagegen keine so große Belastung gewesen. Einmal vor dem Abflug nach Afrika und einmal in Mali selbst. Das gesamte Bundeswehr-Kontingent in der Nähe von Koulikoro im Süden des Landes, die mit rund 300 Mann dort stationiert ist, muss diese Prozedur auf sich nehmen, wenn die Ablösung und Heimreise erfolgt. Damit soll die Gefahr einer Infizierung mit Corona-Viren für alle Beteiligten und Kontaktpersonen, ob in Mali oder Deutschland, möglichst gering gehalten werden. Derzeit ruht der Ausbildungsbetrieb wegen der Corona-Krise. Wann es weitergeht, ist noch nicht sicher. Das deutsche Soldaten-Kontingent in Koulikoro ist bisher nicht von einem Corona-Ansteckungsfall betroffen gewesen. "Es ist nicht klar, wie die Lage hier in Mali derzeit ist. Bisher haben wir von der Corona-Pandemie hier nichts mitbekommen", erklärte Hauptmann Gerrit Hohmann. In einem Telefonat berichtet er von seinen Eindrücken in dem Land. Die Zivilbevölkerung sei freundlich gegenüber den Soldaten. Trotz der bescheidenen Verhältnisse, in denen die Menschen leben, seien die Einwohner immer gut gelaunt.

Kein Mangel an Arbeit

Gute Laune gibt es bei den Bundeswehr-Soldaten ebenso, wenn es um das Essen geht. Die Küche im Quartier, in dem noch weitere Streitkräften aus europäischen Ländern stationiert ist, ist laut Hohmann ausgezeichnet. "Wir haben einen französischen Koch, der exzellente Speisen zubereitet und malische Angestellte darin unterrichtet, wie man eine Großküche betreibt." Essenstechnisch ist also für Qualität gesorgt. Doch wie sieht es mit den klimatischen Bedingungen aus, die nun mit der einsetzenden Regenzeit wohl etwas abgemildert werden? "Bei Temperaturen zwischen 32 und 45 Grad ist es natürlich sehr gut, dass wir in allen Containern Klimageräte nutzen müssen können." Ansonsten helfe halt nur das übliche Verfahren, nämlich viel trinken, erklärt der Hauptmann.

Über Mangel an Arbeit in dem deutschen Quartier kann sich Gerrit Hohmann nicht beklagen. Er ist als Presseoffizier für die Darstellung der Truppe nach außen verantwortlich. Dabei steht er nicht nur ständig in Kontakt mit dem deutschen Kontingentführer, Oberstleutnant Schleiffer, sondern zudem mit den einheimischen Soldaten. Außerdem müssen Routinearbeiten sowie Sicherungs- und Erkundungsfahrten durchgeführt werden, die für Abwechslung sorgen. Doch sie beinhalten auch immer ein Risiko, weil niemand weiß, ob Terroristen oder kriminelle Banden einen Angriff auf Bundeswehr-Soldaten planen. Auch sonst gibt es in dem Camp keine Langeweile, sind die Bundeswehr-Soldaten doch gemeinsam mit Kameraden aus mehreren europäischen Staaten dort stationiert. EUTM heißt die Abkürzung für den koordinierten militärischen Einsatz von europäischen Truppen zur Unterstützung der sogenannten G 5-Staaten der Sahelzone. Dazu gehören außer Mali noch Niger, Burkina Faso, Mauretanien und Tschad.

Für Gerrit Hohmann und seine Kameraden ist es ein Glück, dass "wir in den vergangenen Monaten keine Anschläge auf das Bundeswehrlager hatten". Doch welchen Sinn sieht der Grüne und ehemalige Bürgermeisterkandidat bei einem Einsatz der Bundeswehr in Mali? "Wir sorgen dafür, dass die demokratischen Strukturen in Mali gesichert werden können. Mit der Ausbildung der malischen Armee sorgen wir für mehr Sicherheit und tragen damit für eine wirtschaftlich gesunde Basis bei der Bevölkerung bei." Die Frage, ob das Engagement der Bundeswehr nicht ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre, beantwortet Gerrit Hohmann mit einem fast schon prosaischen Vergleich. "Als Bundeswehr alleine könnten wir so vielleicht betrachtet werden. Aber wir sind nicht alleine, denn wir haben noch verschiedene andere Ministerien, die sich beteiligen, und das in vielen europäischen Nationen und wir alle zusammen sind ein großer Regenschauer und wenn es nur lange genug regnet, werden wir den Stein abkühlen können."

Wie geht es nun für den ehemaligen Bürgermeister-Kandidaten Gerrit Hohmann weiter? "Ich werde noch einige Wochen bleiben und dann nach Deutschland zurückkehren, sagt der Presseoffizier. Seine positiven Eindrücke aus Mali wird er dann in seine Heimat mitnehmen. Niklaus Mehrfeld

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