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Michael Schröder soll laut dem Vorstand den Ruf des Vereins TuS Massenheim geschädigt haben

Mögliche Urkundenfälschung

TuS Massenheim: Vorstand gerät ins Visier der Staatsanwaltschaft

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Ein ehemaliger Zweiter Vorsitzender soll aus dem Turn- und Sportverein (TuS) Massenheim verbannt werden und wehrt sich dagegen erfolgreich vor Gericht. Der Verein geht in Berufung. Während des juristischen Streits gerät der amtierende Vorstand ins Visier der Staatsanwaltschaft.

Hochheim - In den Crossfit-Übungsstunden fühlt sich Michael Schröder wohl. Der frühere Zweite Vorsitzende und Basketball-Übungsleiter des Turn- und Sportvereins Massenheim besucht das Training gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Kindern. „Mit allen dort komme ich wunderbar aus“, erzählt der Sportbegeisterte. Dies ist allerdings nicht so selbstverständlich wie es klingt. Ginge es nach der Vereinsspitze, wäre Schröder heute überhaupt nicht mehr im Verein. Der Vorsitzende Wolfgang Weigel sieht ihn als Querulanten.

TuS Massenheim geht in die Berufung 

Vor rund einem Jahr schloss die Mitgliederversammlung Michael Schröder auf Betreiben des Vorstandes aus. Der Massenheimer wollte dies nicht akzeptieren. Er kämpfte über seinen Anwalt für den Verbleib im Verein und erhielt im November vor dem Wiesbadener Amtsgericht recht. 

„Das letzte Jahr war nicht schön“, sagt Schröder. „Ich wäre froh, wenn das alles vorbei ist.“ Die Auseinandersetzung zwischen dem Ex-Vorstandsmitglied und der heutigen TuS-Führung ist aber nicht ausgestanden. DerVorstand ist in Berufung gegangen, um den Ausschluss des Mitglieds in der zweiten Runde doch noch durchzusetzen.

Überschreitung der Hallenzeiten

Was hat sich Michael Schröder zuschulden kommen lassen, um so viel Ablehnung auf sich zu ziehen? Der Verein wirft ihm vor, den Vorstand bei Gesprächen über Hallenzeiten übergangen zu haben sowie Bier in Übungsstunden verkauft zu haben.

Abgelehnt als Vorsitzender

Der Kern der Streits liegt in der Flüchtlingswelle der Jahre 2015 und 2016 begründet. Damals beanspruchte die Stadt Hochheim die Sport- und Kulturhalle als Notunterkunft für Asylbewerber. Der TuS-Vorstand unter dem damaligen Vorsitz von Martin Kreis sorgte sich um die Zukunft, weil Räume für Übungsstunden benötigt wurden. Die Stadt sei nicht zu Gesprächen bereit gewesen, sagt Michael Schröder, der die Bedenken als Zweiter Vorsitzender damals gegenüber der Presse vertrat. Schröder war zur gleichen Zeit politisch für die Freien Wähler aktiv. 

Der Sportverein beschloss im Dezember 2015, einen Anwalt einzuschalten, um die Stadt zur zeitlichen Eingrenzung ihrer Hallenbelegung durch Flüchtlinge zu bewegen. Nach einem Gespräch mit Michael Schröder gab Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) bekannt, die Sport- und Kulturhalle stehe ab Ende 2016 wieder für Sportstunden zur Verfügung. Der TuS-Vorstand ließ seine Absicht, rechtliche Schritte einzuleiten, daraufhin fallen. 

2017 wollte Michael Schröder als Nachfolger von Martin Kreis für den Vorsitz kandidieren. Auf der Mitgliederversammlung kam es jedoch anders. Eine Gegenbewegung unterstützte den Kandidaten Wolfgang Weigel. Schröder bekam den Posten des Kassierers, den er nachträglich ablehnte.

Vorwurf der Rufschädigung des Vereins

Anfang 2018 sollte Michael Schröder ganz aus dem Verein verschwinden. Der ehemalige Zweite Vorsitzende erhielt ein Schreiben des neuen Vorstandes, das ihn über seinen bevorstehenden Vereinsausschluss informierte. Begründet wurde dieser Schritt unter anderem mit rufschädigendem Verhalten, weil Schröder der Stadt Hochheim während der Flüchtlingskrise eine Klage androhte. 

Der Massenheimer wies dies zurück. Er habe gemeinsam mit dem Vorstand im Sinn der Vereinsinteressen entschieden. Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte TuS-Vorsitzender Wolfgang Weigel damals, man habe Schröder als treibende Kraft des Widerstands identifiziert. Michael Schröder bestreitet dies. Er habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

Das Gericht erklärte die Kündigung für unwirksam

Das Amtsgericht in Wiesbaden sah ebenfalls keinen Grund für Schröders Ausschluss und gab der Klage gegen die Kündigung seiner Mitgliedschaft statt. Der Sportverein habe den Ausschluss des Massenheimers nicht begründet, teilte eine Sprecherin des Gerichts dieser Zeitung mit. Deshalb sei die Kündigung unwirksam. Der TuS-Vorstand hat Revision beantragt. Die Mitgliederversammlung habe den Ausschluss Schröders beschlossen, erklärt Wolfgang Weigel. Das Urteil des Amtsgerichts beschädige die Vereinsautonomie.

Die plötzliche Wende

Gleichzeitig nimmt der Fall eine weitere spannende Wendung:Der Vorstand um TuS-Chef Wolfgang Weigel könnte sich beim Kampf gegen Michael Schröder nämlich strafbar gemacht haben. Es wird geprüft, ob der Verein mit seiner Klageerwiderung bewusst ein fehlerhaftes Protokoll einreichte. Hintergrund ist die Vorstandssitzung vom Dezember 2015, die ein zentrales Thema des Streits betrifft. 

Die TuS-Spitze um Martin Kreis und Michael Schröder diskutierte damals das Eilverfahren, das Klarheit in die Situation der Flüchtlingsunterbringung bringen sollte. Die Stadt sollte über einen Rechtsanwalt aufgefordert werden, die Dauer der Flüchtlingsunterbringung festzulegen. Laut Schröder verweist das Originalprotokoll auf eine Abstimmung. Mit vier Ja-Stimmen und einer Nein-Stimme habe der Vorstand für ein Verfahren gegen die Stadt gestimmt. 

Genau dieser Abschnitt, der belegen könnte, dass Michael Schröder nicht auf eigene Faust handelte, fehlt im Protokoll, das der amtierende Vorstand dem Gericht weiterleitete. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden bestätigte dieser Zeitung, dass ein Verfahren wegen Urkundenfälschung aufgenommen wurde. Die Akte sei derzeit für weitere Ermittlungen bei der Polizei.

Vorstand weist Vorwürfe der Urkundenfälschung zurück

Wolfgang Weigel, der in Massenheim auch den Posten des Ortsgerichtsvorstehers inne hat, weist den Vorwurf der Urkundenfälschung als „pure Behauptung“ zurück. Sein Vorstand habe die Protokolle eingereicht, die der alte Vorstand abgeheftet hat. „Ich weiß ja nicht, ob der alte Vorstand zwei Protokolle vorgelegt hat“, kommentiert Weigel die Existenz unterschiedlicher Dokumente. Die Auflösung liegt letztlich bei Staatsanwaltschaft und Polizei. Das letzte Wort im Fall TuS gegen Schröder ist sicher noch nicht gesprochen.

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