Lieber hätte er ihm die Hände geschüttelt und gratuliert: Hochheims FDP-Vorsitzender Constantin Cattepoel im Gespräch mit dem wiedergewählten Bürgermeister Dirk Westedt. Westedt trat zwar als unabhängiger Kandidat an, ist aber Mitglied der FDP.
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Lieber hätte er ihm die Hände geschüttelt und gratuliert: Hochheims FDP-Vorsitzender Constantin Cattepoel im Gespräch mit dem wiedergewählten Bürgermeister Dirk Westedt. Westedt trat zwar als unabhängiger Kandidat an, ist aber Mitglied der FDP.

Direktwahl

Hochheim: Knapper als erwartet: Westedt bleibt Rathauschef

Herausforderer Jan Herfort schlägt sich tapfer und .

Hochheim -Eine richtige Siegesfeier blieb Dirk Westedt gestern Abend verwehrt. Es war den besonderen Umständen der Corona-Pandemie geschuldet, dass die erste öffentliche Reaktion des wiedergewählten Rathauschefs online in einer Videokonferenz über die Bühne ging. Im Anschluss werde er nach Hause gehen und mit seinen Kindern telefonieren, beschrieb der 56 Jahre alte FDP-Mann den weiteren Verlauf eines ungewöhnlich ruhigen Wahlabends. Vielleicht wäre es aber auch ohne die Pandemie kein Tag der großen Jubelstürme geworden. Denn Westedts Sieg über Herausforderer Jan Herfort (SPD) fiel durchaus knapp aus.

Dirk Westedt verteidigte den Chefsessel im Rathaus mit 54,2 Prozent der Stimmen. Sein Herausforderer aus dem SPD-Lager konnte 45,8 Prozent der Stimmzettel für sich verbuchen. Die Wahlbeteiligung lag mit 55,06 Prozent höher als bei der vergangenen Bürgermeister-Stichwahl 2014. Damals schnitt We-stedt gegen den Grünen Gerrit Hohmann besser ab. Die Hochheimer wählten ihn vor sechs Jahren mit 59,6 Prozent der Stimmen in seine erste Amtsperiode.

Der Sieger gratulierte seinem 30 Jahre alten Herausforderer gestern Abend zu einem "sehr respektablen Ergebnis". Zum eigenen Resultat sagte Westedt, dass er es zwar schade finde, wenn ein paar Prozentpunkte verloren gehen. Er werde dadurch aber keine Verletzung davon tragen. Eine Erklärung für das starke Abschneiden seines Kontrahenten - trotz erschwertem Wahlkampf in Pandemiezeiten - hatte der bleibende Rathauschef auch parat: We-stedt führte das Ergebnis auf den "Lager-Wahlkampf" zurück. Die Unterstützung der Grünen habe bei Herfort stark gewirkt. Er selbst habe keine große Partei hinter sich, meinte der FDP-Mann, der im Wahlkampf jedoch Unterstützung durch die CDU erhielt.

Jan Herfort zeigte sich trotz Niederlage zufrieden mit seinem Ergebnis. Sein starkes Abschneiden nach nur einer Amtszeit von Dirk Westedt zeige, dass sich viele Hochheimer eine Veränderung wünschen. "Viele Bürger sind mit der aktuellen Politik unzufrieden", meinte der Vorsitzende der Hochheimer SPD. Als reinen Protestkandidaten sehe er sich deshalb jedoch nicht. Er wolle für inhaltliche Positionen stehen, betonte Herfort. Wie der Wahlkampf ohne die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gelaufen wäre, ist natürlich reine Spekulation - Herfort glaubt jedoch, dass ihm ein normaler Ablauf mit Hausbesuchen und öffentlichen Debatten zusätzliche Stimmen eingebracht hätte. "Ich bin der Überzeugung, dass es ohne Corona deutlich besser gelaufen wäre", erklärte der Sozialdemokrat, der seine politische Zukunft nun vorerst in der Stadtverordnetenversammlung sieht. Ob er in sechs Jahren eine weitere Kandidatur für die Leitung des Rathauses anstrebe, werde er zu gegebener Zeit entscheiden, sagte Jan Herfort.

Dirk Westedt sieht die Unzufriedenheit, die er als Bürgermeister abbekommen habe, als Folge einer herausfordernden ersten Amtszeit. Der Verwaltungschef verwies auf die Flüchtlingskrise sowie die Corona-Pandemie und sprach von einer "schwierigen Phase". Was Bürgernähe und Offenheit angehe sieht er seine Arbeit jedoch als vorbildlich an. "Da habe ich mir nichts vorzuwerfen", erklärte der Wahlsieger in der Videokonferenz. Darüber hinaus habe für ihn im Wahlkampf dieselbe Einschränkung gegolten wie für den Herausforderer. Dadurch, dass es keine Veranstaltungen mehr gab, seien auch ihm die Möglichkeiten für öffentliche Auftritte genommen worden. Nach seinem siegreichen Abschneiden blickt der FDP-Mann nun in die Zukunft. Er werde sein Amt weitere sechs Jahre mit Leidenschaft weiter tragen, so Dirk Westedt. sas

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