Überwiegend Vollernter-Maschinen kommen in den Wingerten zum Einsatz. archiv-foto: nie
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Überwiegend Vollernter-Maschinen kommen in den Wingerten zum Einsatz. archiv-foto: nie

Weinanbau

Hochheim: Die Lese ist in den Wingerten bereitsin vollem Gange.

Nachts arbeiten in den Weinbergen vor allem Maschinen, tagsüber die Menschen. Warum das so ist, erklärt ein Winzer.

Hochheim/Wicker -Man hat das Gefühl, die Weinlese starte von Jahr zu Jahr früher - und irgendwie ist an diesem Eindruck auch etwas dran. Laut Winzer Peter Flick unterscheidet sich der aktuelle Lesebeginn zwar kaum vom Vorjahr; doch vergleicht man den heutigen Start der Ernte mit den Zeitplänen der Vergangenheit, so hat sich der Rhythmus bereits auffällig verschoben.

In früheren Jahren waren die Weinbauern auf eine Weinlese Anfang Oktober eingestellt. Mittlerweile haben steigende Temperaturen dazu geführt, dass der Startschuss fast einen Monat früher fällt. "Der Klimawandel holt uns ein", sagt Flick, der den Wickerer Winzerverein leitet und ein Weingut in der Nachbarstadt Hochheim betreibt.

Peter Flick hat in der Nacht von Montag auf Dienstag mit der Lese des Spätburgunders angefangen. Einige Hochheimer Betriebe hätten jedoch bereits vor zwei Wochen die ersten Trauben von den Reben geholt, erzählt der Winzermeister. Mittlerweile sei die Weinlese auch im Flörsheimer Stadtteil Wicker im Gang, berichtet Flick, der keine großen Schäden in Folge des trockenen Sommers erwartet. "Zum Schluss kam ja doch noch mal ein bisschen Wasser", sagt der Fachmann. Das habe die Ernte gerettet. Ob Trauben kaputt gegangen sind, hänge letztlich von den unterschiedlichen Böden in Hochheim und Wicker ab. Im Durchschnitt rechne er aber mit einer Ausbeute, mit der man eigentlich zufrieden sein könne. Eine Folge der warmen Witterung sei es, dass viele Weingüter nachts mit der Weinlese starten, berichtet Peter Flick. Die Trauben seien nämlich leichter zu verarbeiten, wenn sie nach der Lese noch kühl sind, erläutert der Vorsitzende des Wickerer Winzervereins. Sonst bestehe die Gefahr, dass der Most schon während der ersten Arbeitsschritte zu gären beginne. Durch die Lese vor Tagesanbruch spare man sich den Energieaufwand einer zusätzlichen Kühlung. Nachts werde jedoch nur mit automatischen Vollerntern gelesen, erklärt Flick. Die Handlese werde tagsüber durchgeführt. Der Winzer schätzt, dass die Weinbaubetriebe der Region in zwei bis drei Wochen alle Trauben geerntet haben. Damit würde die Weinlese in diesem Jahr zu einem Zeitpunkt enden, an dem sie in früheren Jahrzehnten noch nicht einmal überall begonnen hätte.

Der Wickerer Weinprobierstand "Tor zum Rheingau" werde unter den derzeit geltenden Corona-Hygienemaßnahmen sehr gut angenommen, berichtet der Vereinschef. Deshalb sei eine Verlängerung der Saison angedacht. Am 25. September solle wahrscheinlich auch noch der Flörsheimer Weinprobierstand öffnen, der bisher wegen der Corona-Krise in diesem Jahr geschlossen geblieben war. Der Winzerverein wolle mit der Stadt abstimmen, ob in der kühleren Jahreszeit an dem Verkaufsstand in Nähe des Mainufers Glühwein ausgeschenkt werden darf. sas

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