Winzer Martin Mitter hat seine Wein-Produkte im Blick.
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Winzer Martin Mitter hat seine Wein-Produkte im Blick.

Weinbau

Hochheim: Rebblüte sollte möglichsterst Mitte Juni erfolgen

Nachtfrost kann für die Pflanzen bedrohlich sein. Derzeit gebe es aber keine Gefahr, meint Winzer Martin Mitter.

Hochheim -Sonnenschein und kurze Hose - so endete für viele Menschen der Monat März, bevor die frühe Sommerlaune vom Wetterumschwung zunichte gemacht wurde. Jetzt sind Nachtfrost und Graupelschauer an der Tagesordnung, und das T-Shirt ist wieder der dicken Jacke gewichen. Während der Wechsel von Sonnenschein zum Winterwetter von den meisten Privatpersonen lediglich als unangenehm empfunden wird, kann die Abkühlung für Menschen, die beruflich auf die Witterung angewiesen sind, zur Gefahr werden. Winzer aus der ganzen Region haben das Wachstum ihrer Reben genau im Blick - vor allem wenn, wie in dieser Woche, Frost droht. Es wäre nicht das erste Mal, dass die jungen Pflanzen durch kalte Nächte im Frühjahr Schaden nehmen.

Die Gefahr, dass bereits blühende Reben den nächtlichen Minusgraden zum Opfer fallen, wächst mit dem Klimawandel. Frühe Temperaturanstiege zu Beginn des Jahres können die Blüte beschleunigen. "Das kann einem dienlich sein, wenn sich die Reben durch die Wärme sehr schnell entwickeln", sagt Martin Mitter, Vorsitzender des Hochheimer Ortsvereins im Rheingauer Weinbauverband. Problematisch sei der vorgezogene Pflanzenwuchs jedoch, wenn es im April oder Mai zu Nachtfrost kommt: "Dann haut es richtig rein."

Momentan sieht der Hochheimer allerdings noch keine Bedrohung für den Wein. Selbst wenn das Thermometer nachts wieder unter die Null falle, könnten die Pflanzen dies noch wegstecken. "Wir haben das Glück, dass die Vegetation noch nicht richtig ausgetrieben hat", erklärt der Vorsitzende. Bisher erwarte er kein beschleunigtes Wachstum, weil die Nächte in den ersten Monaten des Jahres noch relativ kalt gewesen seien. Mit der Rebblüte rechne er erst Mitte Juni. "Das ist uns als Winzer auch lieber so", sagt Martin Mitter. Weil sich die Weinberge noch im Winterschlaf befinden, hätten die Reben auf den meisten Flächen noch nicht ausgetrieben. Die jungen Knospen, die sich bereits zeigen, seien von einer Art Wollgestrüpp umgeben. "Das ist wie ein natürlicher Schutz gegen die Kälte", so Martin Mitter. Sobald die Blüten ausgetrieben haben, seien die Reben sehr empfindlich, weiß der Hochheimer. "Dann reicht auch schon ein Grad unter Null." Viele Möglichkeiten, die Pflanzen vor dem Frost zu schützen, gebe es in solchen Situationen nicht. Von der Aufstellung spezieller Kerzen im Weinberg halte er nicht viel.

Anstelle von Minustemperaturen befassten sich die Weinbauern in dieser Woche mit einer ganz anderen Gefahr: Gestern seien die Winzer in Kleingruppen durch die Weinberge in Hochheim und Kostheim gezogen, um Pheromone aufzuhängen, berichtet Martin Mitter. Es handele sich um eine Form der Schädlingsbekämpfung, durch die vollständig auf Insektizide verzichtet werden könne, erläutert der Winzer. Die Pheromone sind die natürlichen Lockstoffe der weiblichen Traubenwickler - einer Schmetterlingssorte, deren Larven die Weintrauben befallen. Durch die Verbreitung von Pheromonen falle es den Männchen schwer, ein Weibchen zur Fortpflanzung zu finden, erklärt Mitter. Diese Methode des Rebschutzes werde in Hochheim seit 1994 angewendet. Am Samstag sollen die Anbauflächen in den benachbarten Wicker und Flörsheim folgen. sas

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