Janine und Vincent Preis.
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Janine und Vincent Preis.

Weinbetriebe

Hochheim: Speisekarten kommen in die Spülmaschine

  • vonSascha Kröner
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Mit viel Kreativität halten die Winzer in der Corona-Krise ihre Geschäfte am Laufen.

Hochheim. Die Betreiber des Weinguts Preis hangelten sich in den vergangenen Monaten von Regierungsverordnung zu Regierungsverordnung. Jede neuerliche Ansprache des Ministerpräsidenten sei im Kalender markiert gewesen, erzählt Jungwinzerin Janine Preis. Genauso wie viele andere Weinproduzenten musste die Hochheimer Winzerfamilie immer wieder umdenken. Denn was im Weinverkauf möglich war und was nicht, veränderte sich laufend. Anfangs musst eine Fläche von mehreren Quadratmetern pro Gast im Gutsausschank bereitgehalten werden, mittlerweile sind 10 Personen im Abstand von 1,50 Meter an Tischen erlaubt.

Die Gäste wollen draußen sitzen

"Wenn man spontan und kreativ ist und seine Gehirnzellen anstrengt, fallen einem Wege ein, wie man sein Geschäft aufrechterhalten kann", meint Janine Preis. Die ehemalige Weinkönigin berichtet, dass ihre Familie in der Anfangszeit der Pandemie verstärkt auf Weine zum Mitnehmen gesetzt habe.. Ihr Vater habe eine Verkaufstheke mit Plexiglas-Scheibe im Hof aufgebaut. Dort gab es dann "Weinschorle To Go", also zum Mitnehmen - im Plastikbecher oder - für besonders Durstige - das "Profi Paket": Kunden konnten eine Literflasche Wein und eine Flasche Wasser erwerben. "Die Leute nehmen das mit und setzen sich damit in die Weinberge", erzählt Janine Preis.

Seit Mitte Mai hat das Weingut seinen Gutausschank mit wechselnden Vorgaben wieder geöffnet. Familie Preis empfängt die Besucher in verschiedenen Zeitfenstern, die sie "Genusszeiten" nennt. Zwischendurch ist eine halbe Stunde Zeit, um die Tische zu desinfizieren. "Dann kommen die Speisekarten in die Spülmaschine", erklärt Janine Preis. Sie hat beobachtet, dass einige Besucher eher vorsichtig sind und sich die Situation erst einmal anschauen wollen. "Viele merken aber auch, dass sie sich sicher fühlen können", sagt die Jungwinzerin. Interessanterweise leide der Verkauf von Weinflaschen auf dem Hof nicht unter der Corona-Krise. Insgesamt sei das Geschäft aber nicht auf dem Niveau anderer Jahre. "Wir versuchen, die Einbußen abzufedern", sagt Janine Preis. Viele Gäste, die den Betrieb in dieser schwierigen Zeit unterstützen wollen, seien mittlerweile zu Stammgästen geworden.

"Wir sind froh, dass wir das wieder haben", sagt Martin Mitter, Vorsitzender des Ortsvereins im Rheingauer Weinbauverband, über die Öffnung der Gutsausschanke. Der Chef des Winzervereins stellt fest, dass momentan so gut wie jeder Gast im Freien sitzen wolle. "Viele gehen auch wieder, wenn sie draußen keinen Platz bekommen", berichtet Mitter. Für Betriebe, die nur einen Innenraum oder einen kleinen Hof haben, sei dies ein Problem.

Mitter hat seit Mai wieder geöffnet. "Wir haben es von Anfang an auf uns genommen", sagt der Hochheimer. Dass die Reinigung und Einhaltung von Hygienevorschriften mehr Aufwand bedeute, sei kein Hindernis. "Es muss ja weitergehen", sagt der Vorsitzende. Man dürfe jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Mitter weiß von Kollegen, die normalerweise keine Gastronomie betreiben und ihre Höfe trotzdem öffnen, weil sie auf zusätzliche Einnahmen hoffen. "Da ist Kreativität gefragt", betont Martin Mitter, der in zwei Wochen ein kleines Weinfest in Zusammenarbeit mit dem Weingut Schreiber ausrichten möchte. Solche Kooperationen seien Wege, um auf sich aufmerksam zu machen.

Insgesamt laufe der Zuspruch im Hofausschank gut. Die meisten Leute seien nicht im Urlaub und suchten deshalb Beschäftigung, erklärt Mitter. Was fehle, seien die Weinfeste und der Hochheimer Markt: "Das ist nicht mehr aufzuholen." sas

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