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Eric Müller (FWG) freute sich gestern Abend über das Wahlergebnis:

Kommunalwahl in Hochheim

Liberale überholen die Grünen

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In der Wein- und Sektstadt werden die Karten neu gemischt, wenn es um eine tragfähige Koalition in der Stadtverordnetenversammlung geht. Gefragt ist nun ein Dreier-Bündnis.

Keine Frage, auch in der Wein- und Sektstadt hat die CDU einen herben Dämpfer bekommen. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob dafür die politische Großwetterlage verantwortlich gemacht werden kann. Denn die sogenannte Flüchtlingskrise hat dermaßen umfassende Ausmaße angenommen, dass selbst die FDP ihre Wahlplakate in den Kommunen mit dem Hinweis auf eine notwendige Steuerung der Flüchtlingsströme versah. Das ist zwar Bundes- und Landespolitik, aber die Ergebnisse von Merkels Alleingang schlagen eben bis in die Kommunen durch.

In Hochheim gab es zudem die seltsame Situation, dass sich auf der einen Seite die CDU nicht mit Ruhm bekleckert hat. Interne Querelen bis hin zu Austritten aus der Fraktion waren die Folge. Auf der anderen Seite rückte die neu sortierte FDP die Ehefrau von Bürgermeister Dirk Westedt, Petra Westedt, auf die Kandidatenliste. Die Frage, ob es nun am Wahlkampf der FDP oder an der prominenten Besetzung der liberalen Wahlliste gelegen hat, ist auch in diesem Falle nur schwer zu beantworten. Doch sicherlich hat dies den FDP-Zuwachs unterstützt.

Dieser Ansicht ist auch der Bürgermeister selbst. Die Frage, ob die neue Konstellation in der Stadtverordnetenversammlung auf eine Dreier-Koalition von CDU, FDP und FWG hinauslaufe, wollte Dirk Westedt am gestrigen Wahlabend eigentlich nicht sofort beantworten. Sicher sei aber, so erklärte Westedt, dass es „menschlich“ bei einer CDU/FDP/FWG-Zusammenarbeit einfach „passe“.

Eric Müller von den Freien Wählern wies darauf hin, dass das endgültige Endergebnis – und damit auch die Sitzverteilung – ja noch nicht feststehe. In den nächsten Tagen würden erste Gespräche geführt. Wie die neue Koalition aussehen könnte, darüber wollte der bisherige FWG-Fraktionschef aber keine Auskunft geben. Immerhin: Müller gab zu, dass eine Zusammenarbeit mit dem bisherigen Partner, der CDU, sowie künftig auch mit der FDP für ihn nicht undenkbar sei. Aber wie gesagt, darüber werde in den nächsten Tagen noch gesprochen. Eine definitive Aussage zum jetzigen Zeitpunkt sei absolut verfrüht.

Adam Bösz (CDU) bekümmerte es gestern Abend, wie die CDU überall dem Flüchtlingsthema Tribut zollen musste. Der einstige Fraktionschef gab aber auch zu, dass die CDU zuletzt eine unglückliche Figur gemacht hatte. Die parteiinternen Zwistigkeiten und die personelle Neuausrichtung gingen an der einstmals dominierenden Partei in der Wein- und Sektstadt nicht spurlos vorüber. Von Wahl zu Wahl verlieren die Hochheimer Christdemokraten immer mehr Wählerstimmen.

Ganz im Gegensatz dazu steht der Achtungserfolg von (Fast-)Alleinkämpfer Heinz-Michael Merkel (GAL/Die Linke). Mit 7,2 Prozent konnte die in dieser Konstellation zum ersten Mal angetretene Truppe gleich zwei Sitze ergattern.

Verloren hat auch die SPD, die leichte Stimmenverluste hinnehmen musste. Dramatischer allerdings ist das Minus bei den Grünen ausgefallen, das allerdings nicht unerwartet kam, weil bei der vorhergehenden Kommunalwahl die Atom-Katastrophe von Fukushima den Grünen einen Stimmenzuwachs beschert hatte.

(meh)

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