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Die Spitzenkandidaten der sechs Parteien und Gruppierungen stellten sich Dienstagabend den Fragen der Kolpingfamilie und der Bürger.

Kommunalwahl in Hochheim

Sie wissen, wie wertvoll die Arbeit der Vereine ist

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Die Spitzenkandidaten der sechs wahlkämpfenden Parteien und Gruppierungen stellten sich im katholischen Vereinshaus den Fragen der Kolpingfamilie und der Bürger. Im ersten Teil unseres Berichts blicken wir auf einige ihrer Stellungnahmen zur Kommunalwahl.

Ein besonders aktuelles Thema, zu dem die Spitzenkandidaten Stellung bezogen, war die Flüchtlingskrise. Die Stadtverordneten hatten erst vor einigen Tagen grünes Licht für ein umfangreiches Maßnahmenprogramm gegeben, damit Hochheim mehr Asylbewerber aufnehmen kann. Wichtigster Schritt ist für Marcus Hesse (SPD) nun die Fertigstellung weiterer Unterkünfte. Die derzeitige Situation in der Sport- und Kulturhalle sei nicht leicht für die Flüchtlinge. Darüber hinaus fehle die Halle den Vereinen, die dadurch in ihrer Integrationsarbeit eingeschränkt seien.

Der Sozialdemokrat betonte, dass es in Hochheim nicht nur eine einzige zentrale Unterkunft geben dürfe. Da stimmte ihm Eric Müller von der FWG zu. Er hob drei Bereiche hervor: Zum einen müsse durch Verteilung der Flüchtlinge eine „Ghettoisierung“ verhindert werden. Weiterhin sei es wichtig, dass die geflüchteten Menschen in Hochheim Beschäftigung finden. Die Stadt könne Kontakte zu den Gewerbetreibenden vermitteln. Schließlich hob der FWG-Mann die Rolle der Vereine hervor.

Gerrit Hohmann (Grüne) argumentierte, dass Hochheim bereits bewiesen habe, dass es mit der Integration von Flüchtlingen umgehen kann. Der Grüne hatte die Aufnahme von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg im Sinn. Ziel seiner Partei sei eine „Integration durch soziale Gerechtigkeit“. Bildung in Form von Sprachkursen sei Voraussetzung für erfolgreiche Integration. Hochheim könne vom Zuwachs der Kulturen profitieren, meinte Hohmann.

Ilka Eiffler (CDU) widersprach dem Spitzenkandidaten der Grünen. Momentan herrsche eine andere Situation als nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Integration von Sudetendeutschen sei wegen der sprachlichen Gemeinsamkeiten viel leichter gefallen. Für die momentane Lage stellte die Christdemokratin das Erlernen der Sprache in den Mittelpunkt. Nur wer sich in einem Land richtig artikulieren könne, werde irgendwann zu einem Teil der Bevölkerung. Außerdem hob Ilka Eiffler die Vereine als „ein großes Pfund“ von Hochheim hervor, das bei der Integration helfe.

Heinz-Michael Merkel (GAL) nannte eine gut funktionierende soziale und kulturelle Infrastruktur als entscheidende Voraussetzung. Für die finanzielle Förderung der Vereine und des Volksbildungswerks sei die Unterstützung von Bund und Land gefragt. Merkel sagt, dass es keine Konkurrenz von Flüchtlingen und anderen Menschen mit geringem Einkommen geben dürfe.

Constantin Cattepoel (FDP) forderte vor allem die Ausbildung und Qualifikation der Flüchtlinge. Er sprach sich für verpflichtende Deutschkurse und einen Schulbesuch bis zum 25. Lebensjahr aus. Für Hochheim sei die Fertigstellung des ehemaligen Tetra-Pak-Gebäudes wichtig, das vom Kreis als Unterkunft genutzt werden soll.

Auch auf Publikumsfragen wurde geantwortet. Ein Zuhörer kritisierte, dass das Bahngleis in Richtung Frankfurt und das Parkhaus Alte Malzfabrik nicht barrierefrei zugänglich seien, obwohl Hochheim als Modellkommune für Inklusion gilt. Gerrit Hohmann sagte, dass sich die Stadt noch auf dem Weg befinde. Man versuche die Situation durch Impulse aus der Bevölkerung zu verbessern. Ilka Eiffler bezeichnete es als starken Wunsch, dass Hochheim weitgehend barrierefrei werde.

Marcus Hesse kritisierte, dass Hochheim als Modellkommune mit einem Bahnhof ausgestattet sei, der das Gegenteil darstelle. Constantin Cattepoel fand es grundsätzlich wichtig, einen Aufzug am Bahnhof zu installieren. Eric Müller wies darauf hin, dass der Bahnhof bereits Thema in den Ausschüssen war. Die Stadt müsse abwarten, welchen Anteil der Kosten sie zu tragen hat. Der geschätzte Betrag liege zwischen 1 und 4 Millionen Euro. Heinz-Michael Merkel bemängelte, dass der Rechtsanspruch, der aus der UN-Behindertenkonvention hervorgeht, noch nicht in allen Köpfen angekommen sei.

(sas)

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