Gürcan Baris und Kyamol Sarov (von links) beziehen die Betten in einem der abgetrennten Wohnbereiche. Hier, im hinteren Teil der Massenheimer Sporthalle, werden Familien untergebracht.
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Gürcan Baris und Kyamol Sarov (von links) beziehen die Betten in einem der abgetrennten Wohnbereiche. Hier, im hinteren Teil der Massenheimer Sporthalle, werden Familien untergebracht.

Flüchtlinge beziehen Notunterkunft

Hochheim sieht sich gerüstet

  • VonSascha Kröner
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Es ist erst drei Wochen her, dass der Bescheid über die Direktzuweisung von Flüchtlingen bei der Stadt Hochheim einging. Die Wein- und Sektstadt ist die erste Kommune im Kreis, die zur Aufnahme gezwungen wird. Am Montag sollen rund 60 Flüchtlinge in Massenheim ankommen.

Die Basketballkörbe und Turnringe an der Hallendecke bleiben in den kommenden Monaten ungenutzt. Unter den fest installierten Sportgeräten erstreckt sich derzeit ein Netz aus Gängen und abgetrennten rechteckigen Flächen. Wege und 20 unterschiedlich große Räume sind durch Bauzäune markiert. Weiße Planen verdecken die Gitter und dienen als Sichtschutz. So soll die notwendige Privatsphäre gewährleistet werden. Denn ab nächster Woche ziehen schrittweise bis zu 120 Menschen in den Saal der Massenheimer Sport- und Kulturhalle ein.

Die Hochheimer Verwaltung hatte nicht viel Zeit, um die Immobilie auf die Ankunft der ersten Flüchtlinge am kommenden Montag vorzubereiten: Mit einem Bescheid des Main-Taunus-Kreises vom 17. Dezember erfuhr die Stadt, dass sie Direktzuweisungen von Asylbewerbern unterbringen muss. Hochheim wird als erste Kommune im Main-Taunus-Kreis zur Aufnahme gezwungen, weil die Zahl der Flüchtlinge wächst und die Wein- und Sektstadt die Zuteilungsquote des Kreises bisher am schlechtesten erfüllt hat. Nur 45 Asylbewerber leben momentan in Hochheim.

Am kommenden Montag werden Familien, Mütter mit Töchtern, ein Vater mit zwei Söhnen und einzelne Männer erwartet. Die vorübergehenden Bewohner der Sport- und Kulturhalle kommen voraussichtlich aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Pakistan und dem Irak. Die Flüchtlinge haben einen oftmals mehrwöchigen Aufenthalt in Gießen hinter sich, wo sie registriert und ärztlich untersucht wurden. Die Verteilung auf die Wohneinheiten in der Massenheimer Halle erfolgt nun nach einem System, das helfen soll, Konflikte zu vermeiden. In der Nähe des Eingangs werden einzelne Männer untergebracht. Dort gibt es auch einen Gemeinschaftsbereich mit Tischen und Stühlen. Familien sollen den hinteren Teil der Halle beziehen. Dazwischen befindet sich der Aufenthaltsraum eines Sicherheitsdienstes, der vom Main-Taunus-Kreis beauftragt wurde.

Die einzelnen Abschnitte sind so eingerichtet, wie man dies mittlerweile aus zahlreichen Flüchtlingsunterkünften kennt: Stockbetten, Metallschränke sowie ein Tisch und Stühle finden sich in jeder Wohnfläche. Die Stadt Hochheim musste diese Einrichtungsgegenstände anschaffen. Darüber hinaus waren weitere Maßnahmen nötig, um die Sporthalle in einen provisorischen Wohnraum zu verwandeln. Der Boden in der gesamten Halle ist durch einen Schutzbelag geschützt. Außerdem ließ die Stadt zusätzliche Elektroanschlüsse verlegen, die von den Flüchtlingen vor allem für ihre Mobiltelefone verwendet werden. Die Sicherheitsbeleuchtung und die gesamte Elektroinstallation der Halle wurden vorher überprüft. Auf dem Boden markieren schwarz-gelbe Linien und Pfeile den Weg zum nächsten Notausgang. Wer diesen Wegweisern im hinteren Ende der Halle folgt, gelangt auch zu den Umkleideräumen, die Toiletten und Duschen beherbergen.

Die zwölf Duschen im Gebäude seien für die geplante Belegung mit bis zu 120 Personen ausreichend, erläutert Klaus-Dieter Jung, Bürger- und Vereinsreferent der Verwaltung. Zusätzliche Container außerhalb der Halle müssen nur für die 20 Kochstellen, Waschmaschinen und Wäschetrockner aufgestellt werden. Die Bushaltestellen vor der Halle sollen die Anbindung an Einkaufsmöglichkeiten in Hochheim und Flörsheim sicherstellen.

Zur Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge kann die Stadt auf rund 170 Ehrenamtliche zurückgreifen. Verwaltungsmitarbeiterin Carolin Jungmann koordiniert die Flüchtlingsarbeit. Sie hat ihre Helfer in Teams für unterschiedliche Aufgaben eingeteilt: Die Bereiche umfassen unter anderem die Ausgabe von gespendeter Kleidung, Sprachkurse, Freizeit- und Tagesgestaltung, schulische Unterstützung und eine Fahrradwerkstatt.

Die kurzfristige Belegung der Sport- und Kulturhalle hat Folgen für die Vereine, die das Gebäude bisher nutzten: Die Fastnachter des Tanzsport- und Carnevalclubs „Die Nachteulen“ und der Fidelio kommen mit ihren Sitzungen in der Hochheimer Georg-Hofmann-Halle unter. Für die Sportangebote des Turn- und Sportvereins Massenheim habe man in Absprache mit anderen Vereinen Ausweichmöglichkeiten gefunden, berichtet Klaus-Dieter Jung.

Die Massenheimer Sport- und Kulturhalle soll nur solange als Unterkunft genutzt werden, wie es keine Alternativen gibt. Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) hofft, dass in den kommenden sechs Monaten Ausweichmöglichkeiten geschaffen werden können. Denkbar wäre eine Containerlösung auf dem Basketballfeld neben der Halle.

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