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Die Studentinnen (von links) Jill Kruithoff, Lisa Marie Dreifürst, Maren Warnecke und Jasmin Scholl haben an der Studie mitgewirkt.

Studie zum Tourismus

Höchst mögen nur Höchster

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Fachhochschul-Studentinnen haben in einer Studie den Reisestandort Höchst bewertet. Der ist durchaus bekannt, beliebt und attraktiv – doch außerhalb der Rhein-Main-Region gibt’s ein Imageproblem. Doch auch hier kann etwas getan werden.

Noch ist Frankfurt kein typisches Ziel mehrtägiger Städtereisen, die genügend Zeit für einen Ausflug nach Höchst bieten. Doch mit der Ansiedlung der Tourist-Information in der Antoniterstraße 22 auf Anregung des Ortsbeirats 6 hat sich einiges bewegt: 2013 wurde Höchst Mitglied der Deutschen Fachwerkstraße und startete ein Worldcafé zur Vermarktung des Stadtteils. Beliebte Stadtführer wie Silke Wustmann und Mario Gesiarz führen große Gruppen durch die Altstadt, nach jahrelanger Pause bildet Höchst sogar einen Schwerpunkt bei der diesjährigen Museumsnacht.

Auf Anregung des Quartiersmanagers Jürgen Schmidt und der Dozentin Kerstin Wegener erstellten nun 16 Studentinnen der Fachhochschule Frankfurt (University of Applied Sciences) in nur wenigen Wochen die ambitionierte Studie „Höchst, vom Industriestandort zum Städtereiseziel“, um die regionale und überregionale Bekanntheit zu ermitteln und Steigerungspotenziale aufzudecken. „Wir können sicher noch viel bewegen, doch wir stehen schon gut in den Startlöchern“, erklärte Henning Brandt, Leiter der Verwaltungsstelle Höchst, zum Auftakt der Präsentation.

Doch die Erwartungen an den Tourismusstandort Höchst werden in dieser Untersuchung teilweise deutlich gedämpft: Zwar gaben von 200 Befragten meist mittleren Alters aus dem Rhein-Main-Gebiet 56 Prozent an, Höchst für Tagesausflüge als naturnahen und aktiven Stadtteil zu besuchen, gefolgt von 51 Prozent, die das kulturelle und musikalische Angebot schätzen. Nur 15 Prozent der Befragten kannten Höchst nicht. Doch überregional ergibt sich ein anderes Bild: Hier wurden 213 deutsche und ausländische Personen befragt,, die Frankfurt teilweise mehrmals für ein oder mehrere Tage besucht haben: Doch 58 Prozent von ihnen kannten Höchst gar nicht, von den Verbliebenen haben nur 45 Prozent den Stadtteil besucht.

Bei den überregionalen Besuchern waren Cafés und Restaurants am beliebtesten, gefolgt von Stadtteilfesten sowie einzelnen historischen Gebäuden. Auf die Plätze vier und fünf kamen das Mainufer und der Grüngürtel sowie die Altstadt mit den Fachwerkhäusern. Weit abgeschlagen landete die Porzellanmanufaktur noch hinter dem Industriepark. „Viele der befragten Besucher gaben an, Höchst durch Freunde, Bekannte oder Reiseführer zu kennen und vor allem mit dem Industriepark, Kriminalität und Ausländern zu assoziieren“, erklärte die Studentin Lisa Marie Dreifürst. „Nur die Hälfte von ihnen würde den Stadtteil zum Besuch weiterempfehlen.“

In Experteninterviews suchten die Studentinnen nach Erklärungen und Abhilfen: Demnach kann Höchst zwar mit einem besonderen Natur-, Musik-, Kultur- und Freizeitangebot punkten, wozu die Altstadt mit mehreren Schlössern, Kirchen und dem regelmäßigen Schlossfest gehört. Dem stehen jedoch ein schwieriges Image, ein unzureichendes Hotelangebot, zahlreiche leere Geschäfte, eine unglückliche Zweiteilung der Stadt durch die Verkehrswege sowie eine mangelhafte Online-Präsenz gegenüber. „Wir müssen die Kontakte zu unseren zahlreichen Partnerstädten für besseres internationales Stadtmarketing nutzen“, schlug Jill Kruithoff vor.

Zudem sollten soziale Medien gezielt genutzt werden, um den scheinbar „meilenweit entfernten“ Stadtteil Höchst bei Bloggern und Internetnutzern als „echten Geheimtipp“ mit guter öffentlicher Nahverkehrsanbindung zu vermarkten. „Mit einer Kampagne ,Höchst unterschätzt‘ durch Zugezogene könnten wir die Vorurteile aufgreifen, Neugierde wecken und mit der Vielfalt als Natur, Kultur- und Industriestandort das Image aufpolieren“, erklärte Kruithoff, dass die Studentinnen gleich auch ein Marketingkampagne mitentwickelt haben. Für regionale Besucher sollte zudem das sportliche und familiäre Angebot mit Fahrradrouten besser beworben und mit Hilfe des Grüngürteltiers zu Entdeckungstouren eingeladen werden.

„Wir nutzen bereits das Schlossfest für Werbeaktionen mit unseren Partnerstädten, doch hierfür bräuchten wir mehr städtische Unterstützung“, wandte der stellvertretende Vereinsrings-Vorsitzende Claus Cromm ein. „Wir bieten gutbürgerliche Gastronomie, doch dazu fehlen gute Übernachtungsmöglichkeiten der einfachen und mittleren Preisklasse“, sagte Jorit Leißner vom Gasthaus „Zum Bären“. Andere Vorschläge zielten darauf ab, Stadtteilmarketing besser mit dem Ritter Hostato statt dem Grüngürteltier zu betreiben, für den „Geheimtipp Höchst“ zeitliche Lücken im S-Bahn-Verkehr zwischen Höchst und der Innenstadt zu schließen sowie den Stadtteil auch bei der innerstädtischen Tourist-Information besser zu bewerben. „Und doch haben wir in den warmen Monaten oft überfüllte Lokale und können uns dann als Einheimische über zu wenige Besucher nicht beschweren“, sagte Michaela Kugler vom Bunten Tisch. Da gebe es kein Höchster Imageproblem. Doch viele dieser Besucher kommen eben direkt aus der Region. Für Besucher von weiter weg, müsste mehr getan werden.

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