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Besucherin Christine Zukunft informiert sich bei Fachmann Burghart Koch über besondere Kräuter.

Feiern in Höchst

Höchster tanzen auf dem Altstadtfest

Als der Song „Valerie“ von Amy Winehouse erklingt, ist kaum noch Platz auf der Bühne, die auf dem Justinuskirchplatz aufgebaut ist.

Getanzt werden Disco-Fox oder einstudierte Choreographien, die an die großen Tanzfilmklassiker der 80er Jahre erinnern. Alle Beteiligten sind mit Begeisterung dabei, bewegen sich zur Musik und motivieren immer mehr Menschen zum Mitmachen. Die Idee zu der Open-Air-Tanzveranstaltung anlässlich des Altstadtfests stammt vom „Verein zur Förderung und Pflege der Tanzkultur“ und der Tanzschule Carsten Weber.

Bereits um 13 Uhr startete am Samstag das Altstadtfest. Da sah es mit dem Wetter noch nicht so gut aus. Ein paar Stunden später genießen die Besucher die doch sommerliche Atmosphäre auf den Plätzen zwischen den historischen Gebäuden von Höchst. Schirmherr Jürgen Vormann, Vorstandsvorsitzender von Infraserv Höchst, eröffnete die Veranstaltung gegen 17.30 Uhr mit dem Fassbieranstich auf dem Schlossplatz ganz offiziell.

Das zweitägige Altstadtfest der Vereine hat Tradition und ist ein zentraler Programmpunkt im Ablauf des Höchster Schlossfestes, das in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert. Der Vereinsring Höchst organisiert das Schlossfest Jahr für Jahr, es hat ein umfangreiches Programm. Dieses Mal startete es offiziell am 25. Juni, bereits in der Woche davor gab es schon erste Veranstaltungen, das Altstadtfest gehört zu den Höhepunkten.

Während auf dem Justinuskirchplatz die Menschen in Bewegung sind und tanzen, haben auch Mitglieder des spanischen Vereins „Peña Flamenca Los Cabales“ keine Zeit zum Ausruhen. Eine große Pfanne mit Paella muss gekocht werden. Es duftet köstlich, 8 Euro kostet die Portion. Einige Besucher warten schon auf die spanische Spezialität und fragen bei Carlos Lopez nach, wie lange es noch dauert. „Gut eineinhalb Stunden brauchen wir für die Zubereitung“, erzählt er. Seine Tochter tanzt Flamenco und er hilft am Stand mit, weiß wie wichtig das Altstadtfest für den alteingesessenen Verein ist.

„Die Einnahmen aus dem diesjährigen Altstadtfest sind für unseren Verein überlebenswichtig“, sagt die Vorsitzende Carmen Sanchez. Sie finanzieren mit den Einnahmen Raummiete und Versicherungen.

Ob die Flamenco-Tänzer im kommenden Jahr das 50-jährige Vereinsbestehen feiern können, weiß Sanchez noch nicht. „Die zwei Tage auf dem Fest werden die Zukunft des Vereins, der aktuell knapp 30 Mitglieder hat, mitentscheiden. Wir haben gerade erst die dritte Paella gemacht. Das ist viel zu wenig für diese Uhrzeit.“ Sie führt es vor allem auf das schlechte Wetter zu Beginn des Festes zurück, hat aber Hoffnung, dass es besser wird. Dies bestätigt sich bald, denn mit den Sonnenstrahlen kommen immer mehr Menschen in die Altstadt, einige drängen ganz gezielt wegen der Paella an den Stand.

In romantischer Atmosphäre genießen derweil Laura und Markus Euba aus der Nähe von Reichenberg auf der Schlossterrasse je ein Glas Weißwein und den Blick auf den Main. „Wir sind jedes Jahr hier“, erzählen sie. Das Ambiente sei sehr schön und in der Altstadt könne man sehr gut essen. „Das haben wir auch schon gemacht und waren beim ,Bären’. Ich hatte Bandnudeln mit Pfifferlingen und mein Mann Frankfurter Schnitzel mit Grüner Soße“, verrät sie und lacht. Im Hintergrund spielt die Band „Time Bandits“ im Schlosshof.

Wer den Nervenkitzel liebt, ist bei Behnam Seifikar vom ADAC an der richtigen Stelle. Er hat einen Überschlag-Simulator mitgebracht und diesen am Mainufer aufgebaut, Stefan und Verena aus Oberursel trauen sich und probieren ihn aus. Kaum setzt Seifikar den Simulator in Bewegung, dreht sich das gelbe Auto und die beiden Insassen, die natürlich fest angeschnallt sind, werden langsam auf den Kopf gestellt, sie stützen sich mit den Händen ab. In dieser vertrackten Situation müssen die beiden lachen.

Dem alten Handwerk des Kunstschmiedens widmet sich Matthias Scheller aus Kronberg. Er gehört zu den Ausstellern, die sich am Ritterlager, das im Schlossgraben aufgebaut ist, beteiligen. Scheller erhitzt in einer Glut einen Baustahl. Er legt das heiße Metall auf einen Amboss und bringt es mit dem Hammer in Form. Nach und nach entsteht ein Zierelement für den Garten. Für Besucherin Claudia Schäfer aus Griesheim ist dieses Handwerk mit Erinnerungen verbunden. „Mein Großvater hatte eine Schmiede im Vogelsberg und ich durfte als Kind manchmal den Blasebalg betätigen“, erzählt sie Scheller und schaut ihm aufmerksam bei der Arbeit zu.

Während die Teilnehmer des Ritterlagers stilecht gekleidet durch den Schlossgraben laufen, taucht Besucherin Christine Zukunft dort in die Welt der Kräuter ein. Burghart Koch ist ein Fachmann, trat früher mit seiner Expertise sogar im Fernsehen auf. An seinem Stand duftet es nach frischen Kräutern. Christine Zukunft interessiert sich für einen besonderen chinesischen Koriander mit weißen Blüten. „Ich bin hier, weil er spannende Pflanzen hat, die man in einem normalen Geschäft nicht bekommt“, sagt sie und kauft den Koriander.

Auch wenn wegen des durchwachsenen Wetters kein neuer Besucherrekord aufgestellt wird, sind die Organisatoren am Ende sehr zufrieden mit dem Zuspruch.

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