+
Ein gut gelauntes Trio: Chef Thomas Höft (hinten), sein Sohn Nils und Auszubildender Munir Hamedi.

Familienbetrieb

Die Höfts in Münster feiern 40. Geburtstag

  • schließen

Das Familienunternehmen ist eigentlich noch viel älter. Im Markt behauptet sich der Betrieb gut, doch der Ruf des Handwerks macht mitunter Sorgen.

Die drei Männer machen gerade Frühstückspause. Die Tassen von Eintracht Frankfurt stehen vor ihnen auf dem Tisch. Es wird gefachsimpelt unter Fußballern. Thomas Höft und sein Sohn Nils sind Fans des heimischen Bundesligisten. Aber Munir, der erst 18 Jahre alte Flüchtling aus Afghanistan? Er habe für Real Madrid gefiebert, inzwischen auch für die Eintracht. Die Chemie stimmt in der Autolackiererei Höft im Gewerbegebiet Münster. „Bei uns muss es nur menschlich passen. Dann ist es egal, aus welchem Land man kommt“, sagt Mutter Susanne, die für das Büro im Familienbetrieb zuständig ist.

Drei Höfts, Mitarbeiter Jürgen Roos und Munir – das Unternehmen nimmt bei der Vielzahl von Lackierereien in der Region und gerade im hier Gewerbepark schon eine besondere Rolle ein. Denn es wird mit dem 40. Geburtstag ein kleines

Jubiläum gefeiert

. Zudem ist die Nachfolge, ein Problem in vielen Betrieben, geregelt. Nils Höft ist schon seit mehr als vier Jahren als Gesellschafter mit dabei. Für den 27-Jährigen war es irgendwie klar, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. „Es hat sich so ergeben“, sagt der Juniorchef. Er habe schon während der Schulzeit hier gelegentlich ausgeholfen.

So wie Thomas Höft bereits vor gut vier Jahrzehnten bei seinem Vater Wolfgang, dem Gründer der Firma an der Benzstraße. Doch eigentlich ist der Betrieb deutlich älter. Sein Vater sei damals hier der erste Handwerker seiner Zunft gewesen, weiß der 57-Jährige. Es habe aber bereits viele Autohäuser in Münster gegeben, sie waren der komplette Kundenstamm. Inzwischen sind es schon 25 Prozent Privatkundschaft und werde immer mehr, sagt Höft. „Im Großen und Ganzen waren wir immer zufrieden“, sagt er. Kritisch sei es trotz immer stärker werdender Konkurrenz nie gewesen. Wichtig sei es immer, bei der Qualifizierung und Zertifizierung auf dem neuen Stand zu sein.

Der Betrieb setzt bei allen Herausforderungen aber auf eine familiäre Philosophie. Mitarbeiter Roos ist schon mehr als 30 Jahre hier, auch Munir fühlt sich wohl. Er kam über Diedenbergen in die Villa Anna für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, denn zu seiner Familie in Afghanistan hat er keinen Kontakt. Als seine Betreuerin nach Praktikumsplätzen suchte, kam sie auch bei den bei der Arbeitsagentur gelisteten Höfts vorbei. Sie testeten den jungen Mann gerne, Anfang August hat er die Lehre begonnen. Drei Tage ist Munir im Betrieb, einen Tag in der Berufsschule, und ein Tag ist für Qualifizierungen wie einen Deutschkurs vorgesehen. „Es gefällt mir mit Familie Höft“, ist der junge Mann mit seinem Start zufrieden. Früher wollte er mal Anwalt werden, nun aber möchte er später auch seinen Lackierer-Meister machen, sagt Munir, der in Niedernhausen in der Ersten Mannschaft im Fußball-Tor steht.

Die Höfts haben mit der Maßnahme, einem Flüchtling eine Chance zu geben, gute Erfahrungen gemacht. Das Zusammenspiel mit der Betreuerin laufe, das Unternehmen werde mit behördlichen Dingen nicht allein gelassen. Die Firma und junge Handwerker – das hatte nicht immer gepasst. „Wir hatten immer Azubis – aber mit immer weniger Begeisterung“, sagt Thomas Höft. „Es ist schwierig, motivierte Leute zu finden.“ Einige haben die Prüfung zum Beispiel nicht geschafft. Menschlich sei das okay gewesen, aber fachlich nicht „ihr Ding“, ergänzt Susanne Höft. „Die sterben alle aus, die Lackierer.“

Dabei sehen die Unternehmer Chancen in der Branche. „Viele denken, wenn ich sonst nichts bekomme, gehe ich ins Handwerk“, sagt die 57-Jährige. Ihr Mann wünscht sich aber, dass in den Schulen schon noch mehr für dieses Berufsfeld geworben wird: „Man muss klar machen, dass es außer dem Abitur noch etwas anderes gibt. Dass man im Handwerk auch Geld verdienen kann.“ Mehr berufsbegleitender Unterricht wäre so eine Sache, oder auch Fachkunde, um dort „ein Talent zu entdecken“.

Bei Nils Höft lag die Neigung im Blut, denn auch der Onkel hat in Kriftel eine Lackiererei, und der Uropa war Maler und Lackierer. „Man sieht, was man geschaffen hat. Freut sich, wenn die Kunden glücklich sind“, sagt der Junior über seine Motivation. Er kann dabei auch durchaus kreativ sein und nicht nur Autotüren mit neuer Farbe versehen. Fahrradhelme, Golfschläger und die Schuhe der Tanzformation seiner Freundin hat Nils Höft ebenso verschönert. „Wir lackieren alles“, sagt er forsch, als der Wecker auf dem Tisch klingt: Die Frühstückspause ist beendet, statt Eintracht-Träumereien ist nun wieder die Sprühflasche dran.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare