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Restplatzbörse für Schulabgänger bei der Agentur für Arbeit in Hofheim: Leon Wagner lässt sich von Marc Momberger beraten.

Ausbildung

Restplatzbörse bei Agentur für Arbeit: Gespräch bringt beiden Seiten Chancen

So mancher Schulabgänger sucht auch im August noch eine Ausbildungsstelle. Welche Firmen noch Azubis suchen und ob ihr Traumjob überhaupt der richtige ist, konnten junge Menschen bei der Agentur für Arbeit herausfinden.

Hofheim - Gute Auszubildende zu finden, ist für Unternehmen oft schwierig. Aber auch einige Schulabgänger haben Schwierigkeiten, eine Ausbildungsstelle zu finden - dabei wäre für sie vielleicht eine der ausgeschriebenen unbesetzten Stellen passend. Um diesen jungen Menschen - und auch den Unternehmen - zu helfen, bietet die Agentur für Arbeit in Hofheim seit vergangenem Jahr im Herbst eine "Restplatzbörse" an. Zum zweiten Mal lud sie nun Schulabgänger ein, die bereits registriert waren. Das seien knapp 600 gewesen, weiß, Berufsberater Marc Momberger. Einige Dutzend kamen.

"Manche haben abgesagt, weil sie etwas gefunden haben, andere melden sich nicht", sagt Momberger. Die Schulabgänger, die kamen, seien sehr interessiert gewesen. Einige hätten schon 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn vor der Tür gestanden. Momberger und seine Kollegen zeigten ihnen, welche Stellen noch frei sind, und das nicht nur im Main-Taunus-Kreis, auch im Hochtaunuskreis und im Kreis Groß-Gerau.

Beispiele freier Ausbildungsstellen sind solche für Altenpfleger, Bäcker, Friseure sowie im Sport- und Fitness-Bereich. Auch Plätze für ein Duales Studium sind im Angebot. Die Polizei sucht ganzjährig nach Anwärtern.

Warum haben zahlreiche Bewerber noch keine Stelle gefunden, obwohl doch Azubis so dringend gesucht werden? "Sie sind teils zu spät gestartet", sagt Momberger. In der vergangenen Woche habe die Hofheimer Agentur noch einmal 21 neue Bewerber aufgenommen. "Manche haben sich erst nach den Ferien überlegt, dass sie eine Ausbildung machen möchten." Eigentlich starte die Bewerbungsphase ein ganzes Jahr im Voraus.

"Es gibt aber auch viele Bewerber, die sich schwer tun, ein Anschreiben ohne Rechtschreibfehler zu verfassen. Manche haben eine körperliche Behinderung und sind deshalb gehemmt", sagt Momberger. "Andere haben schlechte Noten, sind aber in der Praxis handwerklich gut."

Deshalb vermittelt seine Kollegin Diane Usinger, die die Arbeitgeber betreut, gleich einen Kontakt - nach dem Motto "Schaut euch diesen Bewerber an, auch wenn die Noten nicht ganz passen". Sie geht da nicht nur nach dem Abschluss. "Es ist auch viel Bauchgefühl dabei."

Momberger erzählt von einem jungen Mann, der draußen handwerklich kreativ arbeiten wollte und im Garten- und Landschaftsbau nicht genommen wurde. Er schlug ihm vor, es mal als Steinmetz oder Winzer zu versuchen. Der junge Mann sei dankbar gewesen, weil er von diesen Berufen bisher keine Vorstellung hatte. "Er war ein sehr ruhiger Mensch und hätte vielleicht auch gar nicht in seinen Wunschberuf hineingepasst", sagt Momberger. Am Ende hatte er für die kommende Woche gleich zwei Vorstellungsgespräche vereinbart.

Ähnlich erging es dem 17-jährigen Leon Wagner, der in Wicker wohnt und gerade seinen Realschulabschluss an der Sophie-Scholl-Schule in Flörsheim gemacht hat. Eine Stelle als KfZ-Mechatroniker hat er nicht gefunden, aber bei der Agentur für Arbeit hat ihn jemand auf eine Ausbildungsstelle im Bereich e-Commerce in Wallau aufmerksam gemacht. "Da werde ich morgen hinfahren."

Am Ende waren es 73 junge Menschen, die an diesem Tag bei Momberger und seinen Kollegen Rat gesucht haben. "Wir überlegen, die Restplatzbörse zweimal im Jahr anzubieten", sagt er. Nach den Halbjahreszeugnissen würde manche Wunschvorstellung schon nicht mehr passen - und es gibt noch mehr Möglichkeiten als am Ende des Schuljahres.

von Kathrin Walter

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